Viele Menschen und Gaststätteninhaber ärgern sich über den Rauchverbot
Rauchverbot geht auf den Keks

Seit fünf Jahren müssen sich Wirtshausgänger eine Alternative zum Rauchen suchen: Zum Beispiel Kekse. Vom Rauchverbot sind die Wirte noch immer nicht begeistert. Bild: hfz
Kultur
Kemnath
07.07.2015
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Für Zigaretten heißt es in bayerischen Gaststätten seit fünf Jahren: Wir müssen draußen bleiben. Die rauchfreie Zone schmeckt nicht jedem Oberpfälzer Wirt. Von einer Unverschämtheit ist sogar die Rede.

Im Steinkrug schäumt das Bier, am rustikalen Holztisch sitzen vier Männer. Die qualmende Zigarette wippt im Mundwinkel, als einer "kontra" brüllt und mit dem Handrücken auf die Karten haut, die er in der anderen wie einen Fächer hält. Szenen wie diese sind in den bayerischen Wirtshäusern und Kneipen seit fünf Jahren ausgestorben. Gäste und manche Wirte in der Umgebung können sich damit noch immer nicht anfreunden. Richard König von der "Zoiglstube Houderer" in Kemnath schon.

Keine Umstellung

"Ich habe vor sieben Jahren im Juli eröffnet. Mir war damals schon klar, dass das Rauchverbot kommt. Deshalb habe ich meine Gäste gleich nicht rauchen lassen", erklärt König seine Entscheidung. Eine Umstellung habe er daher nicht gehabt. "Das Problem haben die alten Bauernwirtshäuser." Kartenspielen und nebenbei rauchen habe zusammengehört. "Wenn jetzt einer rausgehen muss zum Rauchen, wird das Spiel unterbrochen, es stockt." Das Gesellige sei durch das Verbot verloren gegangen, meint der Kemnather Wirt. Trotzdem sei es in den Gaststätten und Kneipen angenehmer geworden. "Ich habe vor 15 Jahren aufgehört zu rauchen. In den Kneipen war es schwierig. Man musste sich zurückhalten, um nicht rückfällig zu werden", erinnert er sich. "Ich war mal in Thüringen, da wird noch geraucht. Bei Gewitter sind alle rein und haben sich eine Fluppe angezündet. Es war einfach unangenehm."

Gäste erleichtert

Auch die Gäste seien über die rauchfreie Zone erleichtert. "Mir ist aufgefallen, dass viele Familien wieder mit Kindern essen gehen." Das sei früher nicht so gewesen, um die Kleinen vor dem Rauch zu schützen. Es habe eine Zeit lang gedauert, bis seine Gäste das Verbot akzeptiert haben.

Gäste haben Verständnis

Am Anfang sei er immer wieder gefragt worden, - vor allem während der Zeit, in der das Rauchverbot noch nicht in Kraft war - ob geraucht werden dürfe. Königs klare Antwort: "Nein, bei mir nicht." Ab und zu komme es noch vor, dass es ein Gast vergisst "und sich eine Zigarette anzündet", aber die bleibe nicht lang an. "Meistens reicht die Frage, ob er mir meine Kneipe kaputt machen will. Ich müsste ja eine saubere Strafe zahlen." Die Gäste seien einsichtig.

Manche verloren deutlich an Kunden

Anders ist das bei Hildegard Schmid aus Tremmersdorf. Die Inhaberin der Gaststätte Schmid erzählt, dass ihre Gäste das Rauchverbot nicht akzeptieren wollen, es gebe auch nach fünf Jahren noch welche, die nicht begeistert sind - sie selbst gehört dazu. "Einige sind gar nicht mehr gekommen. Sie haben sich Raucherclubs gesucht, wo das Rauchen noch erlaubt war", ärgert sich die 48-Jährige über das Gesetz. Der Umsatz sei zurückgegangen. "Es ist scheiße", beschreibt sie die Situation. "Wenn ich selbst Raucher wäre, fände ich es eine große Unverschämtheit. Ich dürfte im eigenen Haus nicht rauchen, dabei heißt es immer Freiheit, Freiheit." Der Tremmersdorferin bleibe aber nichts übrig, als ihre Gäste vor die Tür zu schicken - selbst im Winter. "Manche kommen nur noch im Sommer, weil sie dann draußen rauchen können, ohne zu frieren."
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