Weihnachten ist nicht nur für die Christenheit wichtig
Bei Dreieinigkeit uneinig

Kaplan Thomas Kopp. Bild: wew
Kultur
Kemnath
24.11.2014
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Jesu Menschwerdung hat laut Kaplan Thomas Kopp die gesamte Weltgeschichte verändert. Daher habe Weihnachten für die Christenheit eine so zentrale Bedeutung. Aber auch im Islam und im Judentum nimmt er eine bedeutende Rolle ein.

Beim Pfarrkonvent der Marianischen Männercongregation (MMC) Kemnath stellte Kaplan Thomas Kopp aus Wunsiedel die Sicht der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam auf Jesus Christus dar. MMC-Obmann Willi Popp und Bezirksobmann Max Pravida erachteten das Thema als Vorbereitung auf das Jahresmotto 2015, das dem fleischgewordenen Christus eine zentrale Betrachtung widmen wolle.

Kaplan Thomas Kopp ermunterte die Sodalen und Pfarrangehörigen im Pfarrheim zu einer Auseinandersetzung mit der christlichen Glaubenssubstanz in einer Zeit der religiösen Vielfältigkeit. An der Person Jesus Christus zeigten sich unterschiedliche Auffassungen bezüglich seiner Identität. Es stelle sich auch die Frage, wie die Apostel Jesus gesehen hätten, da sie ja den Glauben an die nächsten Generationen weitergegeben haben.

Das Judentum sehe Jesus von Nazareth nicht als Sohn Gottes an, da ein Mensch nach jüdischer Auffassung nicht göttlich sein könne, erklärte Kopp. Es sehe in ihm nicht den Messias ("Gesalbter"), da er nicht die endgültige Verwandlung der Welt gebracht habe, die die Juden nach biblischer Prophetie vom Messias erwarten. Darunter zähle man die Erbauung des Dritten Tempels, die Versammlung aller Juden im Land Israel sowie die Einleitung einer Zeit des weltweiten Friedens, führte der gebürtige Kulmainer aus. Das Judentum sehe jene Erwartungen in Jesus als nicht erfüllt an und warte daher noch auf den Messias.

Jesus lediglich Prophet

Im Islam gelte Jesus als Prophet, aber nicht als Sohn Gottes. Die Vorstellung von der Göttlichkeit eines Menschen sei für Muslime unvorstellbar. Mohammed hebe sich insofern ab, weil nach deren Glauben Gott dem Propheten den Koran als Offenbarung seines Gesetzes diktiert habe. Unterschiede zur christlichen Lehre ergäben sich auch in der Sicht des Kreuzestodes Jesu sowie dem Sündenbegriff.

Einigkeit bestehe jedoch in allen drei Weltreligionen im Glauben an einen Gott. Islam und Judentum begreifen den einen Gott als eine Person. Sie lehnten daher das christliche Dogma der göttlichen Dreifaltigkeit ab. Auch innerhalb der Christenheit folgten Streitigkeiten über die wahre Identität Jesu, die auf dem Konzil von Nicäa 325 nach Christus dogmatisch geklärt wurden. Das Konzil von Chalcedon im Jahr 451 fundamentierte Jesus Christus als "wahren Gott und wahren Menschen", berichtete Kopp. Die Frage, wie Erlösung geschehe, beantworte sich aus der christlichen Heilslehre, wonach Christus durch seine Menschwerdung Mittler zwischen Gott und den Menschen geworden sei. Die Auferweckung Jesu von den Toten sei für die Apostel der Erweis seiner wahren Messianität gewesen.

Kopp rief zum Abschluss seines Referates dazu auf, den Advent und Weihnachten wieder bewusster zu erleben. Die Diskussion der Sodalen und ihrer Gäste bewies den tiefen Eindruck, den seine Ausführungen hinterlassen hatten.
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