Aktueller denn je

Jürgen Braun.
Lokales
Kemnath
18.11.2015
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Wie steht es mit dem Volkstrauertag in der heutigen Zeit? Kommt er in der Bevölkerung noch an? Andreas Hösl senior, Karl Reger und Jürgen Braun gehören unterschiedlichen Generationen von Soldaten an - sie sind aber einer Meinung.

Andreas Hösl diente im Zweiten Weltkrieg, geriet 1944 in amerikanische Gefangenschaft und kam erst 1948 frei. Der 93-Jährige war seit der Wiedergründung der Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Waldeck 1955 deren Vorsitzender. Vor über 30 Jahren hat sie ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Für Hösl ist der Volkstrauertag unverzichtbar, denn er verbindet damit sein eigenes Kriegsschicksal. Viele seiner Freunde und Bekannten kehrten nicht mehr heim. In den Jahren nach dem Krieg sei auch die Beziehung der Bevölkerung zum Gedenktag noch eine andere gewesen. Sie zog zum Kriegerdenkmal mit, um nicht nur dem Vater, Bruder, Verwandten oder den Freunden zu gedenken, sondern um auch an die schrecklichen Erlebnisse in der Heimat zu erinnern. "Sie haben ihr Liebstes verloren und für sie war es eine besondere Verpflichtung, sich am Volkstrauertag zu beteiligen und für die Opfer zu beten", erklärt Hösl.

Mittlerweile habe das Interesse stark nachgelassen. Insbesondere die jüngere Generation könne mit dem Volkstrauertag nicht mehr viel anfangen, bedauert der 93-Jährige. Er ist der Ansicht, dass in den Schulen und in allen Bereichen des öffentlichen Lebens noch viel mehr auf die Bedeutung dieses Tages hingewiesen werden müsse.

Karl Reger, der mittlerweile die KSK führt, steht immer noch zum Eid, den er beim Eintritt in die Bundeswehr abgelegt hat. Den Volkstrauertag mit Totenehrung erachtet er für aktueller denn je. Zum einen sollten die Kriege und Toten sowie die Gräueltaten von Terroristen nicht vergessen werden, zum anderen müsse der Volkstrauertag Motivation für Politiker auf der ganzen Welt sein, den Kampf gegen Ursachen von Kriegen, Terror und Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten zu intensivieren.

Gedenktag kein Fest

Auch Reger missfällt, dass sich an den Feiern an den Kriegerdenkmälern immer weniger Menschen beteiligen. Wenn wie in Waldeck neben der KSK nicht die anderen Vereine mit ihren Fahnen teilnähmen, "wäre es schon sehr einsam um das Ehrenmal am Volkstrauertag bestellt". Das sei in anderen Gemeinden nicht viel anders, meint Reger. Schließlich handle es sich an diesem Tag nicht um ein Fest, sondern um einen staatlichen Gedenktag, der die gesamte Bevölkerung angehe.

Für Hauptmann Jürgen Braun mahnt das Schicksal der gefallenen und vermissten Soldaten sowie der zivilen Opfer " uns immer wieder daran, nicht ähnliche Fehler zu begehen". Auf den Schlachtfeldern seien Menschen, die gerade erst am Beginn ihres jungen Lebens standen, sinnlos geopfert worden. Das damit verbundene Leid sei in den Familien der Hinterbliebenen eingezogen. Die Erinnerung an diese schreckliche Zeit und deren Auswirkungen dürfe nicht verloren gehen.

Wohlstand selbstverständlich

Doch gerade diese Gefahr werde immer größer, stellt Braun fest. Den durch die Eltern und Großeltern aufgebauten Wohlstand und die damit verbundene innere Stabilität sehe die jüngere Generation als selbstverständlich an. Tugenden wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, Uneigennützigkeit, Kameradschaft drohten kontinuierlich abzuschmelzen. Die Folgen für die Gesellschaft, Desinteresse, Verlust des Überblicks bis hin zur mangelnden Handlungsfähigkeit, hätten bereits anderen Hochkulturen den Untergang beschert.

"Um eben dies zu vermeiden, müssen wir uns alle wieder auf die ehrenwerten Grundwerte besinnen", fordert der Berufssoldat. "Wir können von nachrückenden Generationen nur das einfordern, was wir ihnen beispielhaft vorgelebt haben: Führen durch Vorbild." Letztlich müsse auch der Appell an die Regierenden ergehen, immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger zu haben und getreu des abgelegten Eids das Handeln stets am Wohl und Schutz des deutschen Volkes auszurichten.
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