Als Syrien noch friedlich war

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Mohamed Mazen Zaidan auf der Terrasse seines Hauses im syrischen Maarrat Misrin. Bild: mng
Lokales
Kemnath
20.11.2015
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Der Schock von Paris sitzt tief, nicht nur bei Franzosen und Deutschen. Auch Mohamed Mazen Zaidan ist bestürzt. Wegen solcher Terroristen hat er seine Heimat verlassen.

Der Syrer hat in Kemnath Zuflucht gefunden. Wehmütig denkt der 45-Jährige an seinen Heimatort Maarrat Misrin im Nordwesten Syriens. Einst lebten dort rund 40 000 Einwohner, heute ist die Stadt zu großen Teilen zerstört. Zaidan betrieb dort eine kleine Landwirtschaft, besaß 15 Feigen- und 300 Olivenbäume. In Friedenszeiten habe er keinen Gedanken daran verschwendet, das Land zu verlassen: "Die Menschen haben stets friedlich zusammengelebt. Es hat nie Probleme unter den Religionen gegeben", sagt der Sunit.

Umso größer sei der Schock des Krieges gewesen. Das sinnlose Sterben gehe ihm nicht aus dem Kopf. "Ich habe so viele Tote gesehen, nach Luftangriffen auf meine Stadt." Seine Frau und die drei Kinder haben es in die Türkei geschafft, mit ihnen hält er übers Handy Kontakt. Die Reise nach Deutschland möchte er ihnen derzeit nicht zumuten. Seine fünfmonatige Flucht über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Österreich sei furchtbar gewesen. An der serbisch-ungarischen Grenze seien er und seine Fluchtgefährten mit Messern angegriffen worden, um an ihr Geld zu gelangen. Die Polizei konnte ihnen gerade so helfen. Am 23. Juli erreichte er schließlich Deutschland.

Ob es sein kann, dass mit ihm auch Terroristen des "Islamischen Staates" unterwegs waren? Das könne er nicht sagen. Ihm sei wichtig, dass der Islam eine friedliche Religion sei. Er werde durch die Radikalen falsch ausgelegt. "Der Koran lehrt ausdrücklich, dass man nicht töten darf, es sei denn, man wird selbst mit dem Tode bedroht." Die Lehre werde oft missbraucht, um Macht zu begründen, das passiere auch in Syrien.

Für die nahe Zukunft wünscht er sich, seine Familie nachzuholen, um in Deutschland in Sicherheit zu leben. Aber sein Traum, ist ein anderer: "Wenn sich die politischen Verhältnisse in Syrien ändern, will ich zurück. Dieses Ziel habe ich immer vor Augen."
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