Angst kehrt mit zurück

Von seinem Einsatz in Afghanistan und den Erfahrungen, die er dort als Soldat gesammelt hat, berichtete Sebastian Wolf (Mitte) den Zuhörern im Gesellenhaus. Bild: kaz
Lokales
Kemnath
09.10.2015
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Drei Monate lang war Sebastian Wolf als Soldat in Afghanistan. Im Gesellenhaus zog er ein ernüchterndes Fazit seines damaligen Einsatzes. Die Mission der Bundeswehr, das Land wieder aufzubauen und zu sichern, sei gescheitert. Ihm persönlich habe diese Zeit aber viel gebracht.

Sebastian Wolf kam gleich zu Beginn der Wiederaufbau- und Unterstützungsmission - vor zirka 13 Jahren - nach Afghanistan. Mulmig sei ihm am Anfang schon gewesen, schließlich habe es fast täglich Angriffe der Taliban gegeben, erinnerte er im Gesellenhaus, wohin die Kolpingfamilie und der Ritterbund eingeladen hatten. Nach und nach habe er sich aber doch auf die Mission gefreut.

Von November 2002 bis Januar 2003 erlebte der Referent ein steiniges, sandiges, karges, aber auch sehr stilles Land. "Außer dem Gefechtslärm war es sehr still, nicht mal Vögel oder Insekten habe ich gehört." Auch an die Temperaturen musste er sich zunächst gewöhnen. Diese lagen am Tag bei 24 Grad, bis in die Nacht kühlte es allerdings auf minus 20 Grad ab.

Im Laufe seines Vortrages gab Wolf Einblick in seine tägliche Arbeit. Diese bestand darin, Transportflugzeuge aller Nationen aus- beziehungsweise zu beladen. Täglich landeten Maschinen mit Lebensmitteln und Hilfslieferungen, aber auch mit Panzern und anderer militärischer Ausrüstung. Manches sei aber nicht für diese staubige Umgebung ausgelegt gewesen, weshalb das Material nach einigen Monaten wieder nach Deutschland geflogen werden musste, berichtete Wolf. Er und seine Kameraden halfen jedoch auch beim Aufbau von Schulen und Krankenhäusern. Ebenso teilten sie Kleiderspenden in Kinderheimen aus.

Opiumabhängige Polizisten

Die zahlreichen Bilder stimmten nachdenklich. 90 Prozent des weltweit hergestellten Opiums stammen aus Afghanistan, viele Bewohner seien opiumabhängig - sogar die örtlichen Polizisten, erzählte das Ritterbund-Mitglied. Nur sechs Prozent des Landes könnten landwirtschaftlich bewirtschaftet werden, dabei arbeiteten 80 Prozent der Bevölkerung in diesem Bereich. Kritisch sieht er die Rolle der USA. Unter Präsident George W. Busch sei der Krieg verstärkt und das Land weiter zerstört worden. Die US-Maschinen landeten meistens in der Nacht und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen, weiß Wolf noch. Paradoxerweise sei aber auf den Flugzeugen die amerikanische Flagge übergroß aufgedruckt gewesen.

In diesen drei Monaten habe er sehr viele Erfahrungen für sein ganzes Leben gesammelt. Damals hätte er nicht gedacht, dass ihm die Ängste, die er bei Gefechten spürte, bis nach Deutschland mitverfolgen würden. In den ersten Wochen sei er immer in Alarmbereitschaft verfallen, sobald im Ebnather Feuerwehrhaus die Sirene ansprang. Denn in Afghanistan bedeutete dies: "Schnell in den nächsten Bunker!"

Der Einsatz hatte laut dem Redner auch positiven Seiten. Neue Krankenhäuser und Schulen seien errichtet worden, die Kriminalität sei zurückgegangen und die örtliche Polizei konnte in ihrer Arbeit unterstützt werden. Diese Entwicklungsarbeit habe das öffentliche Leben wieder in Schwung gebracht. Immer öfter und immer mehr Menschen fanden sich auf den Märkten zusammen.

Doch heute zögen sich internationale Einheiten zurück, die Taliban aus Pakistan seien wieder auf dem Vormarsch und zerstörten die Schulen und Krankenhäuser. Durch Rückzug könne man die Strukturen im Land nicht ändern. "Wir in Europa haben eigentlich keine Probleme. Wir haben zu Essen, sauberes Wasser top medizinische Versorgung und vor allem Frieden. Dies sollten wir zu schätzen wissen", schloss Wolf.
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