Aus Geschichte Lehren ziehen

"Der Volkstrauertag darf nicht nur Ritual und Alibi für uns sein", mahnte Bürgermeister Werner Nickl (vorne) bei der Totenehrung am Kriegerdenkmal. Bild: jzk
Lokales
Kemnath
18.11.2014
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Die Geschichte wiederholt sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Heimatvertriebene in Kemnath Aufnahme, nun sind es Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber aus Syrien und afrikanischen Staaten. Auf sie machte Bürgermeister Werner Nickl am Volkstrauertag aufmerksam.

An diesem Tag "denken wir an die bleibende Mahnung, die von beiden Weltkriegen ausgeht", sagte Stadtpfarrer Konrad Amschl bei der Eröffnung des Gedenkgottesdiensts in der Stadtpfarrkirche. Der Erhalt des Friedens, der Freiheit, Gerechtigkeit und Völkerverständigung zähle zu den wichtigsten Zielen des Lebens. Wege zum und im Frieden seien auch Wege zu Gott.

Unter der Leitung von Alexander Hecht sang der Männerchor der Liedertafel Kemnath die "Deutsche Messe" von Michael Haydn, das "Gebet" von Georg Friedrich Händel und ein italienisches Marienlied. Zu den Klängen der Stadtkapelle bewegte sich anschließend der Kirchenzug zum Kriegerdenkmal.

Auf Flüchtlinge zugehen

Nach dem Bläserchoral "Über allen Gipfeln ist Ruh" der Stadtkapelle, dirigiert von Rita Kunz, ging Bürgermeister Werner Nickl in seiner Gedenkrede auf die Situation der Kriegsflüchtlinge in Kemnath ein. Sie hätten Schlimmes mitgemacht und mussten ihre Familien zurücklassen, um ihre Haut zu retten. "Gehen wir auf diese Menschen zu", forderte er. "Bringen wir zum Ausdruck, dass uns ihr Schicksal nicht gleichgültig ist." Deshalb dürfe der Volkstrauertag nicht nur eine Rückschau auf die Weltkriege, sondern müsse ein aktueller Gedenktag sein. Er schütze vor dem Vergessen sowie Verdrängen und mahne, aus der Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen und gegen Kriege sowie Vertreibungen aufzustehen.

VdK-Ortsvorsitzender Dieter Weber wartete mit erschreckenden Zahlen auf. Im Ersten Weltkrieg seien neun Millionen Soldaten und sieben Millionen Zivilisten gestorben" Im Zweiten Weltkrieg habe Deutschland 9,5 Prozent seiner Bevölkerung verloren, "die Sowjetunion sogar zwölf Prozent". Das entspreche 25 Millionen Toten, davon zehn Millionen Zivilisten." Würden diese grausamen Ereignisse ignoriert, bestehe die große Gefahr, dass sie sich wiederholen.

Auf Hilfe angewiesen

Dann wandte sich Weber der aktuellen Situation zu. "Noch nie gab es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges weltweit so viele Flüchtlinge wie heute." Über 50 Millionen Menschen versuchten verzweifelt, der Not, Gewalt und dem Elend in ihrer Heimat zu entkommen. Die Flüchtlinge seien "auf unsere Hilfsbereitschaft und Unterstützung angewiesen".

Raimund Pinzer von der Krieger- und Soldatenkameradschaft hob die Leistungen des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) hervor, der die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland erfasst, erhält und pflegt. Der VDK betreue Angehörige in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, unterstütze die internationale Zusammenarbeit und fördere die Begegnung junger Menschen. Auch dankte er allen Spendern und Sammlern für die Kriegsgräbersammlung.

Alle drei Redner legten am Mahnmal Kränze nieder. Mit dem Choral "Ich hatt' einen Kameraden" und drei Böllerschüssen von Max Popp klang die Gedenkfeier aus.
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