Demenz beginnt schleichend

Dr. Roland Vogel informierte rund 50 Besucher über Erscheinungformen von Demenz. Bild: wew
Lokales
Kemnath
11.06.2015
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"Ich weiß nicht mehr." Ein oft gehörter Satz von Betroffenen. Dr. Roland Vogel aus Kastl informierte bei einem Abend im "Haus Falkenstein" Angehörige von Demenz-Kranken über verschiedene Erscheinungsformen und Verläufe.

Nach den Zahlen der Berliner Altenstudie von 1996 steigt die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen mit den Lebensjahren stark an und weist in der Altersgruppe ab 85 die größte Häufigkeit auf. Dabei sei davon auszugehen, dass bei der Hälfte der Senioren über 65 Jahren in allgemeinärztlicher Behandlung bei vorhandener Demenz nie eine solche Diagnose gestellt wurde, erklärt Vogel.

In Deutschland wird bis 2050 mit einem Anstieg auf drei Millionen Demenzerkrankte gerechnet. Als Leitsymptom gelte die Gedächtnisstörung. Am Anfang einer Erkrankung stünden Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Im weiteren Verlauf verschwänden bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass die Betroffenen zunehmend die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren.

Ausgewogene Ernährung

Hauptrisikofaktor sei nach medizinischer Meinung das ansteigende Lebensalter. Die erhöhte Häufigkeit bei Frauen werde der durchschnittlich höheren Lebenserwartung zugeschrieben. Andere Ursachen werden in Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit gesehen. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend körperlicher Betätigung, Verzicht auf Nikotin und eine ausgewogene Ernährung sollen das Risiko einer Erkrankung mindern.

Neben der bekanntesten Form der Demenzerkrankung, dem Alzheimer-Syndrom, existieren noch weitere Erscheinungsformen. Die zweithäufigste Demenz sei die vaskuläre, bei der die Veränderung des Gefäßsystems im Vordergrund stehe. Ein Gespräch des Arztes mit dem Patienten, der über Gedächtnisstörungen klagt, kann ein entscheidender Hinweis für die Auswahl der weiteren Diagnosemittel sein. Im Vorfeld einer Demenz seien oft psychische Störungen wie Gereiztheit und Verlust von Interessen erkennbar. Bei oberflächlichem Kontakt werden Gedächtnisstörungen oft geschickt überspielt, vor allem, wenn es sich um Kontakte zwischen engen Vertrauten handelt. Erst später treten weitere Beeinträchtigungen der Hirnfunktion auch im vertrauten Gelände auf.

Geduld und viel Kraft

Im fortgeschrittenen Stadium erkennen die Betroffenen schließlich ihre engsten Angehörigen nicht wieder. Sie werden apathisch, bettlägerig und inkontinent. Das Erleben eines demenzkranken Familienmitgliedes bedarf großer Kraft. Das wichtigste sei Geduld im Umgang mit Demenzpatienten. Ungeduld erzeuge das Gefühl, wieder einmal etwas falsch gemacht zu haben.

Im Anschluss an die Ausführungen von Vogel bestand Gelegenheit für Fragen, wovon die Zuhörer auch rege Gebrauch machten. Der Mediziner, der vor seiner Praxisniederlassung in Kastl lange am Krankenhaus Kemnath tätig war, beantwortete mit viel Geduld die Fragen.
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