Der Katholizismus als italienisches Restaurant - Die Ladenhüter gastieren mit hintergründigem ...
Pizza nach "Art der Kirche"

Lokales
Kemnath
01.12.2015
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"Spaghetti reformese", "Tridentinischer Salat" und ein großer Dialog der Esskulturen - so richtig "normal" geht es in der Pizzeria Roncalli nicht zu. Dass der Sprung von dem Restaurant zum Zustand der Katholischen Kirche nicht übermäßig groß ist, machte die Regensburger Theatergruppe "Die Ladenhüter" am Samstag deutlich.

Zur hintersinnigen Komödie hatte der Frauenbund ins Foyer der Mehrzweckhalle geladen: Garant für einen unterhaltsamen Abend sind die singenden Schauspieler Hubert Treml, Burgl Wittmann und Evi Bossle, die in mindestens zehn Rollen auf der Bühne stehen.

Kaum ein Gast verirrt sich mehr in die Dorf-Pizzeria. Dennoch will die Witwe Kuni das Vermächtnis ihres Giovannis fortführen und "50 Jahre Pizzeria Roncalli" feiern. Giovanni Roncalli also - Papstname ("Johannes") und bürgerlicher Nachname (Roncalli) von jenem Johannes XXIII., der das II. Vatikanische Konzil einberufen hatte und so für frischen Wind sorgte - so wie vor 50 Jahren die Eröffnung der Pizzeria die gastronomische Szene im Dorf belebte.

Der Gründer ist in Form eines Bildes allgegenwärtig - ganz egal, ob der frühere Pizzeria- oder Vatikan-Chef gemeint ist. Während Kuni ihre Schwiegermutter besucht, übernimmt Sohn Carlo, der streng an Traditionen festhält. Kunis Schwester, Aushilfskellner Christian mit den vielen neuen Ideen und dessen Oma Kathi greifen Carlo unter die Arme: Die geschwätzige Postbotin Christa, die eher dem "Ramazotti" zuspricht, der alte Grantler Konrad, für den "Semmlknödl mit Schwammerl-Soße" das Höchste sind, oder auch die alleinerziehende Carina, der Jugendschwarm des konservativen Carlo.

Ständig fallen Sätze, die auf zwei Ebenen Bestand haben: "Die Verwandten in Rom dulden keine Abweichung vom Küchenrecht" oder "Selbst die beste Küche steht und fällt mit dem Servicepersonal." In Burgl Wittmanns Stück spiegelt sich das ständige Wechselspiel zwischen Tradition und Fortschritt wider. Und man kommt zur Erkenntnis, dass es zwei Seiten einer Medaille beziehungsweise eines Bierdeckels sind.

Die Schauspieler überzeugen mit ausgefeilter Mimik und Gestik, gemischt mit Komik, Gesängen und Liedern. Nach vielen Irrungen gibt es am Ende das Fest, das alle glücklich macht - und auch das Fenster der Pizzeria steht weit offen und lässt frischen Geist in die Gaststube.
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