Der Pest sei Dank

Der Pest sei Dank: Wie Waldeck zum ersten eigenen Friedhof kam Waldeck. (hl) Nur mehr die Älteren kennen den Alten Friedhof am Fuße des Schlossbergs. Bis die Marktgemeinde eine eigene Ruhestätte erhielt, war es ein langer Weg. Ein Blick in die Aufzeichnungen des Heimatforschers Anton Reger und des früheren Pfarrers Johann Baptist Pausch hilft. Unser Foto zeigt den Alten Friedhof im jetzigen Zustand mit den restlichen Grabsteinen. 1599 erteilte der damalige Kurfürst den Waldeckern die Erlaubnis, ein Pest
Lokales
Kemnath
31.10.2014
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Im Alten Friedhof fanden die Bewohner des Alten Marktes von 1599 bis 1803 und danach bis 1912 auch die Toten der Pfarrei ihre letzte Ruhe. Damals gehörten Waldeck und die umliegenden Ortschaften zur Pfarrei Kastl, die in das Kloster Speinshart "inkorporiert" war. Der Alte Markt am Südhang und die Burg führten die Bezeichnung "Kuraterie" und die Kapelle St. Ägidius in der Burg war von 1673 bis 1690 die "Kuraterie"-Kirche.

Die eigenständige Pfarrei entstand 1690 und die Ägidius-Kapelle war bis 1705 gleichzeitig Pfarrkirche. Darauf folgte die St. Anna-Kirche im Alten Markt, bis dieser 1794 abbrannte. Der Waldecker Pfarrer musste zwar die seelsorgerische Betreuung der umliegenden Dörfer übernehmen und erst 1803 kam der ehemalige "Obere Kastler Pfarrbezirk" (die umliegenden Dörfer) offiziell zur Pfarrei Waldeck. Erst ab diesem Zeitpunkt konnten alle Toten der gesamten Pfarrei auch im Alten Friedhof begraben werden.

Der Marktrat hatte schon 1596 einen Klagebrief an den Pfalzgrafen Friedrich IV. gerichtet, in dem man darum bat, einen Bürgerfriedhof in Waldeck, wegen der "großen sterbslleuften" und des langen Weges nach Kastl, errichten zu dürfen. Eine Antwort blieb zunächst aus. Drei Jahre später, im Herbst 1599, verstarb Hans Lankhammer, der Sohn von Sebastian Lankhammer. Als Todesursache wird "Pest" angegeben und der Geistliche vermerkte im Pfarrbuch, dass dies nicht eingestanden werde. Der Geistliche war offensichtlich in großer Furcht wegen einer Ausbreitung des "Schwarzen Todes" nicht bereit, den Leichnam nach Kastl überführen und dort beerdigen zu lassen. Er drängte vielmehr darauf, den Verstorbenen möglichst rasch, nämlich "zwischen des Lichtes", worunter womöglich die Dämmerung zu verstehen ist, in einem Acker in der Nähe des Alten Marktes zu bestatten. Schließlich ist im Pfarrbuch zu lesen, dass der Leichnam "Im Acker des Hans Präunl" beigesetzt wurde.

Der Besitzer bot der Marktgemeinde und dem Marktrat an, den "Pestacker" zu kaufen, was der Marktrat auch beschloss. Gleichzeitig verfasste man unverzüglich ein Schreiben an den Kurfürsten mit der Bitte um Einwilligung, den Acker, in dem die Pestleiche bestattet wurde, als Friedhof nutzen zu dürfen. Mit großer Freude nahmen die Waldecker diese Einwilligung entgegen. 1610 wurde der Acker mit einer Mauer umgeben. Von den Einwohnern der Umgebung wurde diese Neuerung weit weniger bejubelt, ob der Tatsache, dass sie ihre Toten noch immer nach Kastl bringen mussten. Erst 1804 sorgte der damalige Pfarrer Joseph Adam Murr dafür, dass künftig niemand mehr in Kastl beerdigt werde. Die letzte Beerdigung in Kastl, die der Bauersfrau Maria Pöllath aus Zwergau, fand am 16. Februar 1803 statt.

Die erste Beerdigung im jetzigen Friedhof fand am 13. Juni 1913 statt. Bis in die 50er Jahre führte der Gräbergang an Allerseelen noch in den Alten Friedhof, wo auch die Reste der Gräber von den Angehörigen geschmückt wurden.
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