Der Schuss muss tödlich sein

Jagdexperte Hans Rösch: "Wenn es verantwortungsbewusst eingesetzt wird, dann sehe ich keine Nachteile."
Lokales
Kemnath
27.05.2015
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In der Oberpfalz gibt es immer mehr Wildschweine. Im Kampf gegen dieses Problem werden bayerische Jäger voraussichtlich in Kürze militärische Hilfsmittel einsetzen dürfen. Spezielle Nachtzielgeräte sollen die Jagd auf das Schwarzwild erleichtern. Der Kemnather Jagdexperte Hans Rösch sieht darin Vor- und Nachteile.

Der pensionierte Forstbeamte und Jäger hat sich mit diesen Vor- und Nachteilen auseinandergesetzt. Wildschweine seien hauptsächlich nachts unterwegs, erklärt Rösch. "Bei der Wildschweinjagd darf nur ein Schuss abgegeben werden, wenn sich der Jäger 100 Prozent sicher ist, dass es sich auch wirklich um ein Wildschwein handelt und der Schuss tödlich sein wird." Das sei in der Nacht schwer, da die Sicht eingeschränkt ist. Zudem gebe es im Landkreis Tirschenreuth viele Raps- und Maisfelder - das perfekte Versteck für Wildschweine. "Da ist es das reinste Lotteriespiel, eins zu erwischen."

In Mais- und Rapsfeldern sei aber auch der Einsatz von Nachtzielgeräten wenig sinnvoll, ist sich Rösch sicher. "Diese Geräte verbessern zwar die Sicht auf das Schwarzwild, wenn es in einer gewissen Entfernung vor einem steht, es hilft jedoch nicht, die Sauen in den Feldern zu entdecken." Der einzige Vorteil liege seiner Meinung nach darin, bei schlechtem Licht genau sehen zu können, ob es sich bei dem anvisierten Tier tatsächlich um ein Wildschwein handelt. Durch die klare Sicht könne man zudem garantieren, dass der Jäger einen tödlichen Schuss abgeben kann.

Jagd auf Hirsche

"Wenn das Nachtzielgerät verantwortungsvoll eingesetzt wird, sehe ich darin keine Nachteile." Einige Jäger beurteilen dies jedoch kritischer. "Manche befürchten, dass Jäger die neuen Möglichkeiten ausnutzen könnten, um mit dem Nachtzielgerät auch andere Tiere wie Hirsche und Rehe zu jagen." Das wäre strafbar und würde zum Entzug des Jagdscheins führen. "Außerdem würde das den Ruf aller Jäger schädigen. Jeder sollte so vernünftig sein, und sich an die Vorgaben halten."

Dennoch wisse ein Großteil der Jäger, dass das Schwarzwild vermehrt abgeschossen werden muss. Es wäre auch so, dass nicht jeder eine Erlaubnis erhalten würde. "Nur, wenn wirklich ein großer Schaden durch das Schwarzwild entstanden ist, wird die Genehmigung erteilt."

In Waldgebieten gebe es grundsätzlich keine Erlaubnis: "Dort richten die Schweine keinen Schaden an, im Gegenteil, sie helfen, dass der Boden gesund bleibt." Das Problem ist groß. "Es gab sogar schon Überlegungen, die Bundeswehr einzusetzen, um die große Population endlich in den Griff zu bekommen." Dieser Vorschlag wurde jedoch schnell wieder verworfen.

Ob Nachtzielgeräte den gewünschten Erfolg bringen, ist fraglich. "Es gab bereits Versuche in Oberbayern. Was sich Landwirte davon versprochen haben, nämlich, dass alle Wildschweine erschossen werden, ist nicht eingetreten. Der Versuch war bei Weitem nicht so effektiv wie erwartet." Hans Rösch wird sich keine Genehmigung für die Jagd mit einem Nachtzielgerät einholen. Auch seine Jäger-Kollegen seien sich noch nicht sicher. "Wenn die Schäden bei den Landwirten zu groß sind, kann auch die Jagdgenossenschaft einen Antrag stellen, das wird wahrscheinlich der Fall sein."
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