Energie aus Mais und Gras

Die Biogas Kemnather Land GmbH war Ziel beim fünfte Treffen des Energie-Technologischen Zentrums Weiden (etz). 50 Tonnen Biomaterial werden hier täglich verarbeitet. Bild: bkr
Lokales
Kemnath
06.10.2014
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50 Tonnen Mais, Gras und Getreide verarbeitet die Biogasanlage Kemnather Land täglich. Wie das Projekt funktioniert, erkundeten Mitglieder des Energie-Technologischen Zentrums Weiden (etz) bei einer Exkursion.

Auf Empfehlung von Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert kamen die Besucher nach Kemnath. Vor Ort sammelten die Teilnehmer des gemeinsamen Unternehmens für die Stadt Weiden, die Landkreise Neustadt/WN. und Tirschenreuth sowie der ZukunftsEnergieNordOberpfalz GmbH Eindrücke über den Betrieb des genossenschaftlichen Energieversorgers. Geschäftsführer Matthias Rösch freute sich auf die kompetente Führung durch die Anlage mit Peter Hautmann, einem der drei Genossenschaftsvorsitzenden, und Ely Eibisch, dem Vorsitzenden der Liefergenossenschaft.

Peter Hautmann stellte die Technologie der Biogasanlage vor. Zwei dazugehörige Satellitenanlagen versorgen zudem die Firma Ponnath und das Kemnather Schulzentrum mit Gas für die dortige Wärmeversorgung. 320 000 Liter Heizöl werden jährlich eingespart. Hautmann erläuterte, dass die Kemnather Anlage 24 Stunden Gas gewinnt, aber nur dann Strom produziert, wenn Wind- und Solarenergie nicht mehr ausreichend vorhanden sind. "Biogasanlagen sind die einzigen regulierbaren alternativen Energieträger", ergänzte Ely Eibisch. Schwankungen bei Wind und Sonne könnten sinnvoll ausgeglichen werden. Dies mache den Energiemix erst sinnvoll.

450 Hektar Anbaufläche

Je zu einem Drittel werden Mais, Gras und Getreide verarbeitet. 50 Tonnen täglich. Der Flächenbedarf dafür beläuft sich auf 450 Hektar. Die durchschnittliche Feldentfernung beträgt 5,5 Kilometer. Diese Entfernung wird allen Lieferanten zugrunde gelegt, so Eibisch. Lange Wege sind nicht erwünscht.

Ein wesentlicher Faktor in der Betriebsführung ist laut Peter Hautmann die Transparenz. Eine Erntelogistik über GPS hilft dabei. Der Standort der eingesetzten Erntefahrzeuge wird ebenso laufend dokumentiert wie die Menge und Güte des angelieferten Materials.

Die weitere Ergänzung durch ein Fernwärmenetz für private Haushalte wäre nach den Worten von Peter Hautmann interessant, aber nur bei größeren Erschließungseinheiten sinnvoll. Das neue EEG allerdings verhindere die Möglichkeit, die Anlage zu vergrößern. Noch nicht wirtschaftlich sei es, Biogas in Erdgas umzuwandeln und in das öffentliche Netz einzuspeisen, betonte Ely Eibisch.

Zur immer wiederkehrenden Frage, ob es zu verantworten sei Nahrungsmittel in Energie umzuwandeln, erläuterte Ely Ebisch, Nahrungsmittel hätten keinen Wert mehr. Der Landwirt bekommt heute genauso viel wie vor 60 Jahren. Was zuviel produziert werde, gehe in den Energiesektor, deshalb sei dies ethisch vertretbar. Gerade für Landwirte, die ihre Höfe aufgäben, stelle die Nutzung von Land für die Energiegewinnung eine sinnvolle Alternative dar. Es wird keine Gülle verwendet, weil die Gärreste wieder als Dünger zurückkommen.

Die Kemnather Biogasanlage ist auf 20 Jahre eingestellt. Man geht davon aus, dass sie danach wieder abgebaut wird. Die Teilnehmer erfuhren auch, von der Einspeisevergütung von 20 Cent pro Kilowatt wird die Hälfte für die Gewinnung des Rohstoffs aufgebraucht. Seit Mai ist die Genossenschaft auch Direktvermarkter für Strom.

Neue Technik

Der Energiegewinnung steht die Energieeinsparung gegenüber. Deshalb stellte im zweiten Teil des Treffens Alfred Schwemmer in der Kaibitzer Schloss-Schänke ein intelligentes Energiemanagement vor. Eine selbstlernende Einzelraumregelung versorgt Räume nur mit soviel Energie wie nötig. Das energieautarke System erkennt Personen im Raum und senkt von selbst die Temperatur, wenn der Raum nicht mehr genutzt wird. Es erkennt wenn Fenster zum Lüften geöffnet werden. Die Heizung läuft nicht einfach durch. Einfache Installation und Wartungsfreiheit seien die Vorteile. "Wir wollen in das Nutzerverhalten eingreifen", betonte Geschäftsführer Matthias Rösch .

Eine Forderung von Matthias Rösch stand ebenfalls im Raum: "Wir wollen bekannter werden und das Netzwerk ausbauen". Eine neue Informationsbroschüre für das Energie-Netzwerk Oberpfalz Nord mit Anpassung an die Publikation des etz Weiden mit einer Auflage von 5000 Stück wurde besprochen und ebenfalls die Teilnahme am Green Day 2014.
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