Flüchtlingkinder, Inklusion und Stundenausfälle stellen Lehrer zunehmend vor Probleme
Unterricht mit Dolmetscher

Mit deutlichen Worten prangerte Albert Schindlbeck die Missstände in der bayerischen Schulpolitik an. Bild: jzk
Lokales
Kemnath
03.03.2015
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Kaum ein gutes Haar ließ Albert Schindlbeck an der aktuellen Schulpolitik im Freistaat. "Auf die massiven Unterrichtsausfälle an den Grund- und Mittelschulen in der Oberpfalz haben wir immer wieder deutlich hingewiesen", betonte der stellvertretende Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes.

Wenn mehrere Lehrkräfte ausfielen, werde das durch den chronischen Lehrermangel bei den mobilen Reserven schnell zu einem Riesenproblem, erklärte der Vorsitzende des Bezirkspersonalrats in der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes Kemnath (wir berichteten). "Darunter haben die Lehrer und Schüler erheblich zu leiden."

Nur zur Beaufsichtigung

Das Problem sei, dass immer nur die Schulstunden in den offiziellen Statistiken erscheinen, die vollständig ausfallen. Tatsächlich sprängen oftmals Kollegen ein, die dann nicht viel mehr tun könnten, als die Klasse zu beaufsichtigen. Nicht selten müssten auch kurzfristig Klassen zusammengelegt werden. "Um diese Zustände zu beenden, muss die Staatsregierung den Schulen mehr Lehrer zur Verfügung stellen", forderte Schindlbeck. Ein weiterer Belastungsfaktor sei die Inklusion. "Auch gut fünf Jahre nach der Einführung erleben viele Pädagogen, dass die Voraussetzungen für eine gelungene Umsetzung an ihren Schulen noch immer mangelhaft sind." Die meisten Schulen seien weder personell noch räumlich auf Kinder mit Handicap vorbereitet. Die Ängste und Vorbehalte von Eltern und Lehrern seien deshalb unverändert groß.

Zudem könnten viele Schulen den Ansturm von Flüchtlingskindern nicht bewältigen, wusste der Redner. Weil die Übergangsklassen vielerorts voll sind, werden Kinder und Jugendliche auf die Regelklassen verteilt. Die Betroffenen seien zum Teil schwer traumatisiert und sprächen kein Deutsch. Schulleiter und Lehrer seien oft darauf überhaupt nicht vorbereitet. Um die Situation in den Griff zu bekommen, habe hat der BLLV ein Notprogramm von zehn Millionen Euro gefordert. Außerdem sollten ein Dolmetscher-Netz aufgebaut, die Zahl der Schulsozialarbeiter wesentlich erhöht, die mobile Reserve aufgestockt und die Möglichkeiten für Team-Teaching verbessert werden.

"Es müssen professionelle Kriseninterventionsteams eingesetzt werden, die rasch therapeutische Hilfen anbieten können", verlangte Schindlbeck. Schon seit einiger Zeit engagierten sich pensionierte Lehrkräfte ehrenamtlich. Sie geben Sprachkurse und helfen bei der Bewältigung des Alltags.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/schulbegleitung http://www.oberpfalznetz.de/asyl
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