Handwerker erster Großmeister

Lokales
Kemnath
29.05.2015
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Das Mittelalter lebt. Dafür sorgt seit 95 Jahren der Ritterbund Waldeckh zue Kemenatha. Wie es sich für richtige Recken gehört, werden sie das Jubiläum gebührend feiern.

Zum einen steht am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Juni, das Burggartenfest im Kalender, zum anderen am Samstag, 11. Juli, ein besonderes Festkapitel in der Burg auf der Feyhöhe. Zum Burggartenfest laden Großmeister Werner von Podewils (Ponnath) mit sein Burgrat alle Bürger am Samstag ab 18 Uhr ein. Nach dem Bieranstich unterhalten die Recken ihre Gäste mit einer ritterlichen Vorstellung.

Schaurig wird's bei Einbruch der Dunkelheit, wenn ein Burggeist erscheint. Es folgt die Verkündung des Burg- und Bannfriedens. Der Festbetrieb dauert bis 23 Uhr. Am Sonntag ist um 10 Uhr ein Frühschoppen angesetzt. Ab 14 Uhr bieten die Burgfrauen Kaffee und Kuchen an. Das Fest wird gegen 17 Uhr enden. An beiden Tagen servieren die Recken Gegrilltes, der Pantscher hält edlen Met und sonstige Wässerlein bereit. Außerdem ist die Burg für die Gäste zur Besichtigung geöffnet.

Zu Gast bei Pfalzburgern

Die Gründung des Ritterbundes geht auf den Kemnather Handwerker Georg Schöpfenstein zurück. Bei einem Aufenthalt in Regensburg wohnte er einem Kapitel der Recken des Pfalzburger Ritterbundes bei. Von dem Treiben berichtete er in Kemnath, wo es bereits aufgrund der historischen Bedeutung der früheren Burg auf dem Waldecker Schlossberg Bestrebungen gab, eine ähnliche Vereinigung zu gründen.

Am 20. Juni 1920 wurde der Ritterbund Waldeckh zue Kemenatha ins Leben gerufen. Schöpfenstein wählen die Mitglieder zum ersten Großmeister. Erstes Großereignis war drei Jahre später ein Ritterfest auf dem Schlossberg, dem die Errichtung der Burg auf der Feyhöhe in Kemnath folgte. Die Bauarbeiten erledigten die Mitglieder in Eigenleistung, die Malerarbeiten übernahm Adam Märkl. Es folgten nach und nach Tische und Stühle in altem Stil sowie alte Waffen und Gerätschaften.

Im Herbst 1935 verbot die damalige Reichsregierung den Deutschen Ritterbund, was auch das Ende der Kemnather Recken war. Die einmalige Chronik musste beim Landratsamt abgegeben werden und ist trotz intensiver Nachforschungen noch immer verschollen. Die Ausrüstungsgegenstände hatte ein Recke in Ölpapier gewickelt und vergraben. Dieser hat das Geheimnis des Verstecks mit ins Grab genommen.

Unterkunft für Flüchtlinge

Nach dem Zweiten Krieg diente die Burg als Flüchtlingsunterkunft und später dem Sportverein als Vereinslokal. Mit der Wiedergründung 1950 nahm der Bund die Burg wieder in Besitz. 1952 erfolgt eine Renovierung, das Ausmalung übernahm wieder Malermeister Märkl.

In den folgenden Jahren lebte der Bund wieder auf und schuf mit der Burg ein wahres Schmuckstück. Der Ritterbund ist voll in das kulturelle Leben der Stadt Kemnath integriert und tritt bei besondern Anlässen an die Öffentlichkeit.
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