Haus Falkenstein: Angehörigenabend mit Vortrag
Kein Herz wird dement

Carsten Gleißner-Lieske. Bild: jzk
Lokales
Kemnath
24.11.2015
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Demenz ist eine der größten sozialen Herausforderungen für unsere Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten. Im Haus Falkenstein gab Carsten Gleißner-Lieske, Leiter der beiden Tirschenreuther BRK-Senioren- und Pflegeheime, den Angehörigen Verhaltensregeln für den Umgang mit Erkrankten. Diese "haben häufig mehr Fähigkeiten als wir ihnen zutrauen". Sie könnten Glück, Liebe, Harmonie und Zufriedenheit erleben. Erinnerungen und Erfahrungen seien ihnen noch so präsent, "dass wir den Eindruck haben, mit ihnen eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen".

Je mehr Menschen Verständnis für sie und ihre Beeinträchtigungen entwickelten und je mehr geeignete Lebensräume und Betreuungsformen geschaffen werden, umso mehr sei ein Leben mit Demenz möglich, meinte der Referent. Die Erkrankung komme oft lange Zeit nach außen hin nicht zum Tragen. Erst bei größeren Veränderungen im Leben oder psychischen Belastungen werden die Symptome offensichtlich.

Die Betreuung der Demenzkranken erfordere ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Akzeptanz und Wissen über diese Krankheit. Die Hilfe müsse möglichst unauffällig gegeben werden, so dass sie dem Kranken gar nicht als solche erscheint. Ein Gespräch sollte mit einer anerkennenden Mitteilung beginnen. Weitere Tipps waren: in einfachen Sätzen sprechen, keine komplizierten Fragen stellen, Belehrungen, Zurechtweisungen und fruchtlose Diskussionen vermeiden, den Kranken vor Überforderung schützen, ablenken anstatt zu konfrontieren, immer Geduld und Gelassenheit bewahren, Gefühlsschwankungen nicht als Bösartigkeit interpretieren, körperliche Nähe zeigen und Stolperfallen in der Wohnung beseitigen.

"Der Demenzkranke lebt in seiner Erinnerungswelt und kann nur diese als wahr akzeptieren", gab Gleißner-Lieske zu bedenken. Es müsse dafür gesorgt werden, dass der Betroffene regelmäßig seine Medikamente ein- und ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. "Ein Demenzerkrankter versteht zwar nicht mehr alles, aber sein Herz fühlt und wird nicht dement."

Nach der Diskussion zeigte Heimleiterin Claudia Heier Bilder vom ersten Tanzabend, der bei den Senioren sehr gut angekommen war.
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