Heimatmuseum zeigt 60 Darstellungen des Jesukindes - Exponate von Monika Fritsch
Himmelskönig in Windeln

Lokales
Kemnath
09.12.2014
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Gott war doch ein Engländer: Mit einem Anflug imperialen Selbstbewusstseins scheint das im "Museumsschaufenster" des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) platzierte Jesuskind aus der Krippe der britischen Familie Denbright die Passanten im Kirchturmdurchgang anzublicken. Und dennoch: Auch im einstigen Empire beginnt der Sohn Gottes sein Erdenleben in schlichten Windeln und einer armseligen Krippe.

60 Exponate der neuen Sonderausstellung im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum illustrieren jedoch, wie schwer sich viele Menschen mit dem Geheimnis der Menschwerdung des Allmächtigen taten. Darum kleidete man das Jesuskind gern in Brokat und Seide, schmückte es mit Krone, Perlen und Edelsteinen.

Ja, sie regt zum Nachdenken an, diese Weihnachtsausstellung mit Figuren und Bildern aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert. Doch ob himmlischer "Kronprinz" in prachtvollem Ornat oder "Fatschenkindl" in einfachen Tüchern, ob bäuerliche Handarbeit oder feine Klosterkunst: An der Inspiration, dem Respekt und der tiefen Religiosität der Künstler könne kein Zweifel bestehen, betonte Museumsleiter Anton Heindl bei der Vernissage am Freitagabend.

Wie lebendig die "Klosterkunst" auch im säkularisierten 21. Jahrhundert ist, beweist Monika Frisch: Viele der Figuren in der Fronveste stammen von der Künstlerin aus Hessenreuth. "Mit dieser Art religiöser Kunst bin ich erstmals in Niederbayern intensiv in Berührung gekommen, wo mein Mann seine erste Stelle im Forstdienst angetreten hatte", erzählte die gebürtige Südoberpfälzerin. Ihre Neugier stillte sie zunächst mit Büchern und Katalogen, ehe sie vor 18 Jahren ihren ersten Klosterkunstkurs besuchte.

Seither widmet sich Frisch der traditionellen Sakralkunst, wobei sie mit Vorliebe Jesuskindfiguren fertigt. Die Wachsköpfe erhält sie bei spezialisierten Modelliererinnen, die Haare sind aus Mohairfasern, die Körper aus Holz, die aus Draht geformten Arme und Beine enden in wächsernen Händen und Füßen. Die meiste Arbeit steckt in den Gewändern aus Seide, Brokatstoff, Klöppelspitzen und goldgefasstem Garn: "Auf billige Kunstfasern verzichte ich möglichst."

Drucke für Leihgeber

Wie viel Zeit in so einem kleinen "Christkönig" steckt, weiß Fritsch selbst nicht. Sie achte kaum darauf. Doch wie viel es auch sei: Jedes ihrer Werke ist ein Unikat, das beim Rundgang durchs Museum mehr als nur einen schnellen Blick wert ist. Das gilt auch für alle anderen Ausstellungsstücke. Den Leihgebern überreichte Museumsleiter Heindl zum Dank signierte Farbdrucke von Engelgemälden des 91-jährigen Bayreuther Künstlers Wo Sarazen, alias Werner Baumann.
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