Herbert Ponnath blickt beim Ritterbund auf die Geschichte des Franziskanerordens in Kemnath
Gründer der Fischzucht und Brauer-Tradition

Herbert Ponnath. Bild: hl
Lokales
Kemnath
18.04.2015
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Der Prior des Ritterbundes Waldeckh zue Kemenatha, Herbert von Podewils (Herbert Ponnath) hielt anlässlich des Drei-Burgen-Kapitelums einen Vortrag über das ehemalige Franziskanerkloster in Kemnath. Sein geschichtlicher Abriss beginnt 1008, als das oberpfälzische Ackerbauernstädtchen Kemnath erstmals urkundlich erwähnt wird.

Nach vielen Bittstellungen, Planungen, Begutachtungen und Stellungnahmen durch staatliche und kirchliche Stellen erfolgte schließlich am 9. April 1658 die Erlaubnis zur Errichtung eines Klosters in Kemnath. Am 30. November 1660 legte ein Vertreter des Regensburger Bischofs Kardinal Franz Wilhelm von Wartenburg den Grundstein für das neue Kloster.

Die Bauten waren so angelegt, dass zwei verschieden große Gebäudekomplexe in rechteckiger geschlossener Bauweise aneinander gebaut wurden, so dass auch zwei verschieden große Innenhöfe entstanden, einer für die profanen Arbeiten im Kloster, der zweite mit Kreuzgang für die geistliche Sammlung und Gebet. 1663 konnte das Kloster bezogen und 1665 die Kirche fertiggestellt und vom Regensburger Bischof Adam Lorenz von Törring eingeweiht werden.

Das Leben gestaltete sich für die Mönche äußerst kärglich und schlicht. Auch für das tägliche Leben ging es nicht ohne die Spendenbereitschaft der Bevölkerung und von wohlwollenden Adeligen der umliegenden Landgüter.

Beginn der Fischzucht

Die Klosterbrüder ernährten sich hauptsächlich von Fischen. Sie züchteten als Erste in Kemnath Karpfen, Schleien und Weißfische in den reichlich vorhandenen Tümpeln, die sie zu Teichen ausbauten. Aber nachdem auch ein Mönch nicht nur vom Essen leben kann, brauten die Klostermänner von Anfang an ihr Bier selbst. Zuerst waren es nur je ein Sud im Frühjahr und Herbst. Die Biermenge vergrößerte sich schnell, zumal der Gerstensaft auch an die Bevölkerung abgegeben wurde. Der Umsatz stieg Jahr für Jahr.

Dank ihrer segensreichen Arbeit gingen immer mehr Spenden und Anteile von Erbschaften im Kloster ein, so dass der Besitz und Lebensstandard Jahr für Jahr wuchs. Die Franziskanermönche waren reine Selbstversorger. So betrieben sie neben ihrem Gartenbau eine kleine Landwirtschaft. Daneben auch ein Spital für die Klosterinsassen und die Bevölkerung, ihre eigene Küche, eine Scherstube zum Haare schneiden und Vollbart stutzen und eine Schneiderei. Auch eine Schreinerei war im Kloster. So wuchsen sowohl das Kloster als auch die Brauerei ständig weiter und hatte nach der Erbschaft 1734 einen Schätzwert von etwa 7000 Gulden. Am 10. Februar 1802 kam der Landrichter mit Vertretern des Magistrats ins Kloster und hatte von der Klosterspezialkommission in München den Auftrag, alle Brüder namentlich, nach Alter und Tätigkeit zu befragen. Es wurden die Kapitalien, die Spenden, die Werte der Grundstücke und Gebäude, der Einrichtungen aufgenommen und protokolliert.

Am 25. April traf ein Schreiben ein, wonach die Mönche bis zum 1. Mai aus Kemnath verschwunden sein müssen. Gegen 4 Uhr am Morgen haben die Klosterinsassen die würdige Stätte für immer verlassen. An Versteigerungsterminen kamen Bücherei, Kircheneinrichtungen sowie die gesamte Einrichtung unter den Hammer. Lediglich die Brauerei und die leeren Gebäude blieben übrig.
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