Kein Kuchen im Krieg

Lokales
Kemnath
19.03.2015
0
0

Bürgermeister Werner Nickl hat das erste Exemplar erhalten. Als er in seinem Kemnather Heimatboten blätterte, fiel ihm sofort auf: Im Innenteil der 34. Auflage finden sich erstmals farbige Bilder. Für nächstes Jahr kündigte Hans Rösch eine weitere Neuerung an.

(hrö) Hans Rösch, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Kemnath (HAK), übergab mit den Autoren Werner Dollhopf, Herbert Fischer, Hans Bäte und Robert Schön, Fotograf Rainer Sollfrank sowie Ehrenvorsitzendem Herbert Fischer die aktuelle Ausgabe an Bürgermeister Werner Nickl. Dieser warf gleich einen Blick in die Zukunft mit der Bemerkung, im nächsten Jahr etwas über die jüngste Entscheidung zum Abriss des Dietl-Anwesen im Heimatboten lesen zu können. Dann laut Rösch allerdings in einer anderen Aufmachung mit neugestaltetem Umschlag.

Für vier Euro

Laut Rösch wird der Heimatbote 2014 zusammen mit der Einladung zur HAK-Jahreshauptversammlung am Freitag, 27. März, um 19.30 Uhr, "Beim Schinner" an die 515 Mitglieder verschickt. Im Museum und im Buchhandel kann die 80-seitige Schrift für vier Euro erworben werden. Dafür bekommt der Leser unter andrem folgende Inhalte:

Museumsleiter Anton Heindl befasst sich mit den Kemnather Zinngießern . Umfangreiches Material hatte er für die Sonderausstellung im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum zusammengetragen. Er bedauert, dass der antiquarische Marktwert dieses Gebrauchszinns im früheren Haushalten der stolzen Bürger stark gefallen ist.

Das "Leben in der Heimat vor und im Ersten Weltkrieg" ruft Kreisheimatpfleger Robert Schön in Erinnerung. Anlässlich der Geburtstagsfeier des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Gasthaus zur Post am 26. Januar 1910 hatte der königliche Oberamtsrichter Bauer noch von einer "friedensreichen Regierungszeit" gesprochen. "Stark nach innen, gerüstet in voller Wehrkraft steht das deutsche Volk da, ein Hort des Friedens". Doch vier Jahre später erklärte das Königliche Bezirksamt Kemnath den Sonntag, 2. August 1914, als ersten Mobilmachungstag.

Mit einer Flut von Bekanntmachungen und Verordnungen versuchte der Staat, das Leben der Bevölkerung im Krieg zu reglementieren. Wie ernst die Zeiten im Kemnather Land bereits zu Kriegsbeginn waren, zeigen folgende Verbote. So durfte Weizenbrot nun mehr "in einfach geformten, runden Laibchen" bereitet werden. Brezen, Hörnchen, Schnecken oder Kaisersemmeln waren verboten.

Kein Mehl verschwenden

Ebenso durften Bäcker Konditoren keine Kuchen mehr backen, da sonst zu viel Mehl verschwendet worden wäre. Auch der Verkauf von Backpulver war untersagt. Ab 1917 durfte zur Streckung von Brot noch Gerstenmehl verwendet werden.

Die Entwicklung vom Krautsablhaus zum Distriktskrankenhaus verfolgt Christian Malzer, Ansprechpartner der Otnant-Regionalgruppe Nordoberpfalz, in seinem Text "Medizinische Versorgung in Kemnath in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Teil 1)". Der Einblick in die "überstandenen Schwierigkeiten" und die Entstehungsgründe dieser medizinischen Einrichtung zeigt auf, wie schwierig es auch damals war, Gelder für die medizinische Versorgung zu beschaffen.

"Impressionen aus dem Kemnather Land" von Rainer Sollfrank erwarten den Leser im der Mitte der Schrift. Er lenkt das Auge auf besondere Orte der Region (Seite 23).

Wolf, Bär, Luchs und Mensch, die vier großen Beutegreifer , waren ein Teil der Sonderausstellung über "Die Jagd im Wandel der Zeit" im Kemnather Museum. Wann der Mensch die Beutegreifer ausgerottet hat und wie sie versuchen, zurückzukommen, schildert Hans Rösch.

Die Verordnung zum Verbot der Kleiderpracht von 1732/33 , in der das alte Standesdenken und die Ausdrucksweise des Absolutismus manifestierten, stellt Robert Schön vor. Eine weitere grundsätzliche Aussage und Betrachtung liefert er aus dem Physikatsbericht von 1858 des in Kemnath tätigen Landgerichtsarzt Dr. Ignatz Brennhofer. Auch Polizeiberichte dienten mit den Personenbeschreibungen als Quellen.

Archivar Werner Dollhopf blickt auf "Das Jahr 2014" zurück. Mit dem Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden Hans Rösch über das Jubiläumsjahr 2014, den Ausblick auf das kommende Jahr und der Vereinsstatistik endet der Auszug aus der Kemnather Geschichte. Rösch dankte allen Autoren, Mitarbeitern und besonders Rainer Sollfrank und den weiteren "Lieferanten" der Bilder für die gelungene Gestaltung der Vereinsschrift.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.