Kinderschutz kontra Bürokratie

Lokales
Kemnath
29.01.2015
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Zwischen gutgemeint und gutgemacht liegen oft Welten. Auch bei der Neuregelung des Kinderschutzes in Vereinen gibt es vor allem im westlichen Landkreis Tirschenreuth einige, die das so sehen.

Wer in Vereinen mit der Jugendarbeit zu tun hat, muss ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. Was einfach klingt, stellt Vereine genauso wie Landratsämter vor Schwierigkeiten. Daran ändern auch die Infoveranstaltungen des Landratsamts für Vereinsverantwortliche nichts. Albert Müller hat 1250 Vereine angeschrieben und um Einverständnis mit der neuen Regel gebeten. Die Rücklaufquote liege bei 35 Prozent, erklärt der Sachgebietsleiter des Landratsamts Tirschenreuth. Nicht ganz die Hälfte gab davon an, keine Jugendarbeit im Verein zu betreiben.

Keine Weigerung

Direkt geweigert haben sich allerdings bislang kaum Vereine, sagt Müller. Dies sei auch im Landratsamt Neustadt so. 1200 Vereine habe das Landratsamt angeschrieben, 600 fallen unter die Verpflichtung. Von 90 Prozent liege die Unterschrift bereits vor. Kein Verein sagte bis dato: "Ich mache nicht mit", freut sich Prößl.

Dass es offene Fragen gibt, zeigen die Äußerungen eines Sportvereins-Vorsitzenden aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth bei der Hauptversammlung. Er werde die Erklärung nicht unterschreiben - schon weil er nicht wisse, ob er so Haftungsverpflichtungen übernimmt. Direkt aus dem Gesetz herauszulesen sei das nicht, sagt Albert Müller dazu. Auch er sieht aber Fragen, die der Gesetzestext nicht eindeutig beantwortet.

Geteilte Meinung

Tatsächlich ist auch den Experten nicht völlig klar, wer ein Führungszeugnis vorlegen muss. Betroffen sind ehrenamtlich und nebenamtlich Tätige, wenn sie Kinder und Jugendliche beaufsichtigen, betreuen, erziehen, ausbilden oder in vergleichbarem Kontakt stehen. Gilt das schon für Eltern, die gelegentlich Fahrdienst leisten? Die Meinungen gehen auseinander. Die Bayerische Sportjugend empfiehlt, die Eltern eine Selbstverpflichtungserklärung unterschreiben zu lassen.

Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamts Neustadt/Waldnaab, stört sich an dem Begriff "qualifizierter Kontakt" im Gesetz, der sei "auslegungsbedürftig". Diskussionsbedarf sieht auch Müller. Er verweist auf Änderungsanträge vom Bayerischen Jugendring. Die Bewertung und Beurteilung der Regelung zum Jahresende werde noch Änderungen bringen. Schon jetzt fordern beide Landratsämter Führungszeugnisse auch von Personen, die beim Schüleraustausch mit Gastschülern in engen Kontakt kommen.
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