Langgehegten Traum erfüllt

Etwa 120 Jahre alt ist diese Ariston-Lochplattendrehorgel aus Leipzig, die Museumsleiter Anton Heindl den rund 30 Besuchern der Einweihung des Musiksalons "MusiKEuM" vorführte. Im Hintergrund der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Hans Rösch. Bild: bjp
Lokales
Kemnath
16.09.2015
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Der Name bricht mit allen Rechtschreibkonventionen. Und gerade darum passt er zu einer ungewöhnlichen Ausstellung. "MusiKEuM" heißt das "jüngste Kind der Kemnather Museumsmeile", wie Anton Heindl die neue Musikautomaten-Spezialsammlung des Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums bei der Eröffnung nicht ohne Stolz titulierte.

Mit fremden Federn wollte sich der Museumsleiter freilich nicht schmücken: "Die Ideengeberin für diesen Zungenschmeichler, der die Wörter ,Museum' und ,Musik' mit dem markanten Kennzeichenkürzel KEM unserer 1007-jährigen Heimatstadt verbindet, war Anna Müller-Rösch" - die Gattin von Hans Rösch, dem Vorsitzenden des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK). Er beglückwünschte Heindl als erster zur Vollendung "unseres neuen Besuchermagneten" mit seinen 15 mechanischen Musikabspielgeräten aus der Zeit zwischen 1887 und 1970.

Keineswegs nur für ihn, sondern auch für den HAK erfülle sich damit ein langgehegter Traum, hielt Anton Heindl fest: "Diese Räumlichkeit bringt nicht nur einen Teil meiner Privatsammlung mechanischer Musikautomaten der interessierten Öffentlichkeit näher. Als Begegnungsstätte trägt sie den gestiegenen Besucherzahlen bei Eröffnungsveranstaltungen, Vorträgen und Sonderaktionen von Verein und Museum Rechnung." Somit werde sie "die Bedeutung unseres HAK als Kulturträger im Kemnather Land untermauern".

Steiniger Weg

Dass in dieser "Untermauerung" der eine oder andere "Stein auf dem Weg" steckt, verschwieg Heindl nicht: "Die Realisierung war alles andere als leicht, die Euphorie des Anfangs wich schnell den Realitäten des Alltags." Ein "Kompromiss" zwischen dem ambitionierten professionellen Urkonzept und dem finanziell Leistbaren sei nötig gewesen, ließ auch Bürgermeister Werner Nickl anklingen: "Aber trotz der notwendigen Abstriche ist eine hervorragende, barrierefreie Räumlichkeit in direkter Nachbarschaft des Museums entstanden." Diese schaffe mit Heindls bislang verborgenen Sammlerstücken auf lange Sicht einen neuen Anziehungspunkt in Kemnath.

Für dieses "letztlich im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten gelungene Werk" dankte Museumsleiter Anton Heindl allen Förderern, namentlich Ehrenbürger Max Ponnath sowie der Familie Adolf Meister. Sie stellt den 115 Quadratmeter großen Anteil ihres früheren Blumengeschäfts langfristig mietfrei zur Verfügung. Auch der Stadt Kemnath, den örtlichen Banken sowie zahlreichen weiteren Helfern und Gönnern galt sein "uneingeschränkter Dank". Gottes Segen für "das MusiKEuM und die hier ein und aus gehenden Menschen" erbaten die Pfarrer Konrad Amschl und Dirk Grafe. Mit einem Wort aus dem neutestamentlichen Kolosserbrief erinnerte der Wirbenzer evangelische Pfarrer Grafe daran, dass die Musik auch Gott wohlgefällig sei: "Singt Gott von ganzem Herzen Psalmen, Hymnen, Loblieder, wie seine Gnade sie schenkt und sein Geist sie euch eingibt."

Ort für Schönes

Den weiteren Zweck des neuen Musiksalons im "Meisterhaus", ein Ort der Begegnung in einer Zeit zunehmender Entfremdung zu werden, würdigte sein katholischer Kollege Amschl: "Kommunikation verlagert sich immer mehr in die elektronischen Medien." Umso wichtiger seien "Plätze wie dieser, wo man unmittelbar Gemeinschaft pflegt, beieinander sitzt, miteinander isst, trinkt, singt und sich gemeinsam an etwas Schönem wie diesen Wunderwerken aus vergangenen Zeiten erfreut, die zu ihrer Zeit so aktuell und aufregend waren wie heute Smartphones und Internet".
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