Marginalchor präsentiert in Kemnath Musik aus mehreren Epochen - Publikum erklatscht Zugabe
Trotz Grippe großes Repertoire

Der Bassist Jörg Neubauer (rechts) leitete den Marginalchor aus Nürnberg beim Konzert in Kemnath. Bild: jzk
Lokales
Kemnath
17.03.2015
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Dass die Grippe auch vor Chorsängern nicht Halt macht, musste Leiter Jörg Neubauer vor dem Kirchenkonzert in der Kemnather Stadtpfarrkirche leidvoll erfahren. Weil mehrere Sängerinnen fehlten, entfiel das Hauptwerk "Miserere" von Gregorio Allegri bei der Aufführung des Marginalchors. Dass die Sänger den Zuhörern trotzdem ein abwechslungsreiches Programm bieten konnten, zeugt von der Flexibilität des Chores und seinem Repertoire.

Der Marginalchor ist ein Projektchor, der sich aus ehemaligen Lehramtsstudenten der Universität Erlangen-Nürnberg zusammensetzt. Sie sind alle als Musiklehrer an Grund-, Mittel- oder Realschulen in ganz verschiedenen Regionen tätig und treffen sich in unregelmäßigen Abständen, um für ein geplantes musikalisches Projekt intensiv zu proben. Geleitet wird er von dem Mittelschullehrer Jörg Neubauer, der zugleich als Sänger die Bassstimmen verstärkt. Seine Moderationen erleichterten dem Publikum das Verständnis der vorgetragenen Chorwerke.

Englische Komponisten

Der gemischte Chor aus acht Frauen und acht Männern hatte sich gut auf das Passionskonzert vorbereitet. Schon am Ende der Vorabendmesse stellte er sich den zahlreichen Gottesdienstbesucher mit dem alten englischen Gebet "God be in my head" (Gott sei in meinem Kopf) von John Rutter vor.

Im Konzert sangen sie von dem populären englischen Komponisten noch "Open thou mine eyes" und auf der Orgelempore "This is the day" und "Pie Jesu". Dazu übernahm der Realschullehrer Walter Thurn aus Eschenbach die Orgelbegleitung. Auf der Sandtner Orgel spielte er auch einige Variationen über den Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" von Johann Pachelbel und die "Cantilene" aus der Orgelsonate Nummer 11 d-Moll op. 148 von Josef Gabriel Rheinberger.

Die Sänger stellten sich im Altarraum im Halbkreis auf. Schon der erste Chorsatz "Ubi Caritas" (Wo die Liebe wohnt) von dem norwegischen Komponisten Ola Gjeilo ließ aufhorchen. Bei dieser Antiphon aus der Liturgie des Gründonnerstags stellte der Chor erstmals seine hohe Pianokultur unter Beweis. Ohne Probleme gelang der Sprung in die Renaissance- und Barockmusik bei Hans Leo Hasslers polyphonem Chorsatz "Cantate Domino" und der doppelchörigen Motette "Herr, wenn ich nur dich habe" von Heinrich Schütz.

Piano bis forte

In zwei gemischte Chorgruppen zerteilte sich der Marginalchor auch bei den achtstimmigen Psalmenvertonungen "Jauchzet dem Herrn alle Welt" und "Richte mich Gott" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dabei hatten die Sänger feine dynamische Abstufungen von piano bis zu forte einstudiert. Nicht ganz so gut gelang ihnen der vier- bis siebenstimmige Trauerhymnus "Wie liegt die Stadt so wüst" von Rudolf Mauersberger. Der ehemalige Kreuzkantor komponierte diese Trauermotette unter den Eindrücken der Zerstörung Dresdens am Karsamstag 1945 nach Texten aus den Klageliedern Jeremias für den Dresdner Kreuzchor. Der britische Chorkomponist John Tavener war mit "Funeral Ikos" im Konzertprogramm vertreten. Darin hatte er Worte des Gottesdienstes für die Begräbnisfeierlichkeiten von orthodoxen Priestern vertont. Jeder der sechs Textabschnitte gipfelte in einem feierlichen "Alleluja". Als der Beifall nicht enden wollte, sang der Chor als Zugabe das meditative "Abendlied" von Josef Gabriel Rheinberger.
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