Mit Fußkranken läuft's gut

Bereitschaftsleiter Markus Heining begutachtet den richtigen Sitz der Schutzkleidung. Die Mitglieder der BRK-Bereitschaft Kemnath waren für alle Fälle gerüstet. Bilder: wew (2)
Lokales
Kemnath
13.06.2015
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Mit viel medizinischer Hightech war das Team der Kemnather BRK-Bereitschaft zum G7-Gipfel nach Elmau aufgebrochen. Im entscheidenden Moment fehlte dann aber der richtige Ausrüstungsgegenstand.

Stützpunkt der zehnköpfigen Abordnung beim Gipfel war das Klinikum Garmisch. Mit ihrem Fachdienst CBRNE (früherer ABC-Dienst), standen die Rotkreuzler in einem 500-Mann-Zelt unter dem Hubschrauberlandeplatz in Bereitschaft. Das Zelt war als Erweiterung der Notaufnahme gedacht. In kurzer Zeit hätte es mehr als 100 Verletzte aufnehmen können. Deshalb war auch die Personalstärke des Krankenhauses während der zwei Wochen vor und während des Gipfels doppelt besetzt.

Ein Obama, kein Handy

Allerdings kam bei den Kemnather Helfern nur einen kurzen Moment lang Unruhe auf: "Hat wirklich keiner einen Fotoapparat dabei?" Weil das Funknetz lahmgelegt und deshalb alle Handys in der Unterkunft waren, musst ein zufälliges Zusammentreffen mit US-Präsident Barack Obama bei seinem Besuch des Frühschoppens undokumentiert bleiben. Trotzdem bleibe die Nähe zum mächtigsten Mann der Welt unvergessen für die Mitglieder der BRK-Bereitschaft.

"Wir sind froh, eure Spezialkenntnisse und eure Superausrüstung in unserer Nähe zu wissen", betonte Klinik-Geschäftsführer Peter Lenz mehrfach. Zum Einsatz kam Fachwissen und Ausrüstung allerdings nur bei einigen Demonstranten und Polizisten, die mit den Folgen einer Pfefferspray-Attacke zu kämpfen hatten. Auch, wenn sich die Zusammenstöße auf wenige Einzelfälle beschränkten, nahmen beide Seiten die Hilfe gerne an.

"Das gute Miteinander des Teams aus Ärzten und Pflegepersonal wird uns lange in Erinnerung bleiben", betonte Bereitschaftsleiter Markus Heining. Auch die Offenherzigkeit der Bevölkerung sei eine in bisher kaum erlebte Erfahrung gewesen. Auch die Unterkünfte in Wallgau und Krün teilten sich BRK-Bereitschaft mit vielen Freiwilligen. Dennoch ließ es sich dort sehr gut wohnen. Den Kemnathern wurde beispielsweise die Einsatzbekleidung gewaschen. Da trotz aller Vorbereitung niemand einschätzen konnte, was tatsächlich auf die Mitglieder zukommt, war die Stimmung vor allem die letzten Tage vor dem Gipfel recht angespannt. Tatsächlich hatten die Kemnather dann aber kaum etwas zu tun: Heining glaubt, dass die vielen Sicherheitskräfte jede Gewalt allein durch ihre Präsenz verhindert hätten. "Außerdem waren die Anmarschwege für die Demonstranten ziemlich anstrengend." Das habe viele abgehalten.

Netter Gruß zum Abschied

"Uns sind erschöpfte Gipfelgegner entgegengekommen, denen der Marsch bis zu den Begrenzungszäunen einfach zu weit war. Hier konnten wir wenigstens einigen Fußkranken auf die Beine helfen", schilderten die Kameraden etwas amüsiert ihre Eindrücke. Bei der Heimreise überraschte am Ortsschild von Krün ein Plakat der Einwohner, das der Polizei und den Rettungskräften dankte. Ein passendes Bild für einen überraschend harmonischen Einsatz.
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