Nicht vor Mitarbeit flüchten

Unter Julia Zeitlers Zuhörern waren auch die Asylbewerber Ziad und Zaher (von links). Die beiden leben in Kemnath. Bild: jzk
Lokales
Kemnath
22.07.2015
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Im ersten Halbjahr 2015 kamen etwa 80 000 Asylbewerber nach Bayern. In den vergangenen neun Monaten hat sich ihre Zahl verdreifacht. Die Frauen-Union befasste sich mit der Situation der Flüchtlinge in Deutschland.

"Flüchtlinge bei uns - was kann ich tun?" war das Thema der Versammlung im Gasthof Kormann. Als Rednerin hieß Vorsitzende Rita Ponnath Julia Zeitler vom Caritasverband Tirschenreuth willkommen. Ihr Gruß galt Ziad und Zaher aus Syrien, die in Kemnath eine Bleibe fanden.

Zeitler wartete mit alarmierenden Zahlen auf: "Im Jahr 2014 wurden bundesweit 202 834 Asylanträge gestellt, davon 173 000 Erstanträge und etwa 30 000 Folgeanträge." Im Landkreis Tirschenreuth lebten derzeit etwa 370 Personen und Kontingentflüchtlinge. Diese seien verteilt auf Bärnau, Brand, Griesbach, Hahneneggaten, Kemnath, Kronau, Mittelmühle, Mitterteich, Neusorg, Walbenreuth, Waldsassen, Zwergau, Tirschenreuth, Wildenreuth und Pilmersreuth.

Psychisch angeschlagen

"Viele davon sind traumatisiert und psychisch angeschlagen", wusste die Referentin aus ihrer praktischen Arbeit beim Caritasverband. "Der Landkreis Tirschenreuth müsste eigentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen." Lobende Worte fand sie für die Behörden: "Unser Landratsamt und das Sozialamt sind sehr engagiert."

Flüchtlinge können formlos bei der Polizei oder der Grenzbehörde um Asyl bitten. Sie werden dann an die Erstaufnahmeeinrichtungen in Zirndorf und München weitergeleitet. Dort wird ein Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt. Als Ausweis bekommen sie eine Aufenthaltsgestattung. Nach einigen Monaten müssen sie sich einem Interview stellen, was laut Zeitler "das entscheidende Kriterium für den Verlauf des Asylverfahrens" darstellt. Bei positivem Ausgang werde eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Duldung erteilt, "wenn ein Abschiebeverbot besteht".

Die Flüchtlingsberatung der Caritas kläre auf bei Fragen zum Aufenthaltsrecht, Ablauf des Asylverfahrens, zu sozialen Leistungen und gesundheitlicher Vorsorge und zu den Themen Wohnung und Arbeit. Zeitlers Aufgabe besteht auch darin, Kontakt zu allen betreffenden Ämtern herzustellen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Organisation von ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Ehrenamtliche könnten für die Flüchtlinge Deutschkurse organisieren oder selbst halten, lebenspraktische Hilfe bei Ämtergängen leisten, Kinderbetreuung übernehmen, Kinder in schulpraktischen Angelegenheiten unterstützen, rechtsstaatliche Strukturen in Deutschland erklären und Freizeitangebote schaffen. In diesem Zusammenhang warb Zeitler eindringlich, sich für die Unterstützung der Flüchtlinge im Landkreis zur Verfügung zu stellen.

Kaum Kontakt

Eine ehrliche Antwort auf die Frage, wie ihnen in Kemnath gefalle, gaben Zia und Zaher: "Wir langweilen uns, wir haben keine Arbeit und kaum Kontakt zu den Menschen." In den ersten drei Monaten dürfen Asylbewerber nicht arbeiten. Bei einer Aufenthaltsdauer zwischen 3 und 16 Monaten gilt ein nachrangiger Arbeitsmarktzugang. Das bedeutet, dass ein Asylbewerber die Stelle nur bekommt, wenn kein anderer Deutscher oder EU-Bürger sich auf diese Stelle bewirbt. Stadtrat Florian Frank sieht eine Chance, sie vielleicht stundenweise auf dem Kemnather Bauhof zu beschäftigen.

FU-Vorsitzende Rita Ponnath dankte Julia Zeitler und überreichte ihre eine Spende in Höhe von 100 Euro.
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