Nur noch wenig Luft nach oben

Freie Plätze gab es kaum noch in der Mehrzweckhalle. Das Kammerorchester im Stiftland bot den 300 Besuchern sinfonische Musik Bild: jzk
Lokales
Kemnath
20.01.2015
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Ein Sinfoniekonzert? In der Mehrzweckhalle? Viele Kemnather zweifelten, ob das was wird. Es wurde: Knapp 300 Zuhörer waren zum Neujahrskonzert der Kreismusikschule gekommen. Die Laienmusiker boten fast professionelles Niveau.

Kammerorchester im Stiftland und Musiktheater-Ensemble unterhielten die Besucher mit einem abwechslungsreichen Programm. Den ersten Teil bestritt das Orchester. Seit 2013 erarbeiten sich die Musiker klassische Werke. Inzwischen hat es qualitativ wie quantitativ eine Größe erreicht, die ihm symphonischen Werke ermöglicht. Auch ein Verdienst von Jakob Johannes Schröder. Er dirigierte mit klarer Zeichengebung und führte seine Musiker gekonnt über die Klippen der nicht einfachen Orchesterliteratur.

Zu Beginn erklang der vierte Satz der romantischen Symphonie Nr. 4 ("Italienische") von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dieser Presto-Satz ist mit "Saltarello" überschrieben, dem Namen eines italienischen Springtanzes im schnellen Sechsachtel-Takt. Der Dirigent tat gut, ein gemäßigtes Tempo zu wählen. Allerdings ging so der Charakter des Stücks teilweise verloren.

Recht gut gelang den Musikern die Symphonie Hob. Nr 104 ("Londoner") von Joseph Haydn. In der 1795 vollendeten und in London uraufgeführten Symphonie hat der österreichische Komponist wohl den Gipfel seines symphonischen Schaffens erreicht. Besonders gefiel der dritte Satz, das Menuett, das Schröder zügig als straffen Tanzsatz dirigierte. Gelegentliche Intonationstrübungen und rhythmische Unsicherheiten schmälerten nicht den positiven Gesamteindruck der Laienmusiker.

Melodienselig

Nach der Pause entführte Carol Bischoff die Konzertbesucher ins Land der melodienseligen Operette. Die Leiterin des Musiktheaters und ihre neun Sängerinnen und sieben Sänger boten einige Höhepunkte der goldenen Operettenära. In bewährter Weise übernahm sie die Moderation. Dabei erklärte sie die Handlung und stellte einen Zusammenhang zu den Gesangspassagen her. Dadurch ergänzte sie die Informationen im Programmheft.

Zu hören waren Melodien aus Operetten von Johann Strauß, Franz Lehar und Carl Zeller. Aus der Fledermaus von Johann Strauß erklangen unter anderen "Im Feuerschein der Reben" und "Brüderlein und Schwesterlein". Die "Lustige Witwe" ist Franz Lehars erfolgreichste Operette. Daraus trugen die Sänger die Duette "Ich bin eine anständige Frau" und "Lippen schweigen, s'flüstern Geigen, hab mich lieb" und der mitreißende Schlussgesang "Ja, das Studium der Weiber ist schwer" vor.

Zum Mitsummen

Zum Mitsummen luden die Melodien "Schenkt man sich Rosen in Tirol" und "Grüaß enk Gott, alle miteinander" aus Carl Zellers "Der Vogelhändler" ein. Unter den Sängerinnen waren einige bemerkenswerte Stimmen. Da konnten die Männerstimmen nicht mithalten. Schmerzlich vermisst wurde bei manchen Passagen eine Tenorstimme, die alle Höhen einer Tenorpartie meistern kann.

Trotz gewisser Einschränkungen verdienen alle Musiker und Sänger Lob. Den Solisten merkte man die Freude an. Sie studierten die schweren Gesangspartien in ihrer Freizeit ein und hatten den Mut, sich dem Publikum zu präsentieren. Dafür gebührt ihnen Dank und Respekt. Die Zuhörer honorierten die Unterhaltung in den beiden Stunden mit verdientem Beifall. Dafür gab es zwei Zugaben.
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