Pallasch und Panzerstecher

Lokales
Kemnath
11.02.2015
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200 Jahre Militärgeschichte dokumentieren die 70 Exponate der neuen Sonderausstellung im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum. Um Feuerwaffen ging es Hauptmann Jürgen Brauns Eröffnungsvortrag aber nicht.

"Decorum", also glanzvoll sei es, "fürs Vaterland zu sterben". So liest man es im gut 2000 Jahre alten Dichtwerk des römischen Schöngeists Horaz. Ja, sie haben etwas Glanzvolles, beinahe Elegantes, die fast 70 Pallasche und Degen, Säbel und Bajonette aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die seit vergangenem Wochenende im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum zu sehen sind.

Doch wer wachen Sinnes durch die Ausstellung im Erdgeschoss der Fronveste geht, spürt: Nicht von Glanz und Heldentum erzählen die ehernen Zeugen vorgeblich "großer Zeiten", sondern von Verführung, Angst, Verwundung und Tod - und auch von Eitelkeit und Dünkel. Jenem Dünkel, der sich etwa in den dezent-auffälligen Vergoldungen eines Offiziersdegens manifestierte, die dem schlicht-groben Arbeitsgerät des Grenadiers versagt blieben.

Die Entwicklung vom Schwert, der Urform der Blankwaffe, zu den auf Waffengattungen, Kampfsituationen und Dienststellungen zugeschnittenen Arten von Hieb- und Stichwaffen zeichnete Jürgen Braun bei der rege besuchten Ausstellungseröffnung im Meisterhaus nach. Gängige Waffenformen mit gerader Klinge seien die schweren Pallasche, die leichteren Degen sowie die im Dreißigjährigen Krieg eingesetzten Panzerstecher mit schmalen, spitzen Klingen.

Vorrangig die Kavallerie benutzte den aus dem Orient stammenden, relativ leichten und mit gekrümmter Klinge versehenen Säbel. Üblicherweise vorn auf den Gewehrlauf "aufgepflanzt" waren die kurzen Bajonette, die Faschinenmesser dienten auch als Werkzeuge. Häufig, so der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Erbendorf, fänden sich Herrschermonogramme und andere Hoheitszeichen, Signets der Waffenschmiede oder Abnahmemarken an den Klingen. Aber auch "kabbalistische Zeichen", denen eine glücksbringende Wirkung zugeschrieben worden sei, seien zu entdecken.

Unter Prinzregent Luitpold sei nach 1886 anstelle eines Königsmonogramms die Devise "In Treue fest" eingraviert worden, da König Otto regierungsunfähig war und Luitpold als Stellvertreter keine königliche Symbolik für sich beansprucht habe. Einschneidende Veränderungen für Organisation und Ausrüstung der bayerischen Armee habe die Zeit nach 1788 gebracht, wusste Braun. Den Anfang habe der aus Massachusetts stammende Benjamin Graf Rumford mit einer durchgreifenden Reorganisation des zerrütteten Heeres gemacht.

Mit der Annäherung Bayerns an das napoleonische Frankreich und nach 1813 an Österreich seien weitere Reformen erfolgt. Nicht unerwähnt ließ Braun, dass die 1689/90 gegründete Waffenmanufaktur Fortschau keine Blankwaffen erzeugt habe: "Auch die Bajonette für die Gewehre wurden von auswärts bezogen." Renommierte Klingenschmieden hätten in Passau und Solingen bestanden, nach 1801 habe auch die neue Gewehrfabrik Amberg Säbelklingen gefertigt. Hintergrund
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