Panzer widerstanden

Was ein Panzer in den 1960er Jahren nicht "geschafft" hat, erledigte jetzt der Bagger der Firma Plannerer. Nach über 200 Jahren musste das sogenannte Armenhaus am Oberen Markt weichen. Wie die nun freie Fläche künftig genutzt wird, steht noch nicht fest. Bild: hl
Lokales
Kemnath
26.03.2015
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Das Haus Nummer 34 am Oberen Markt hätte viel erzählen können. Vor über 200 Jahren erbaut, beherbergte das Gebäude unter anderem arme Bürger, Flüchtlinge, die Gemeindekanzlei und die Feuerwehr. Jetzt existiert es nicht mehr.

Das Abbruchunternehmen Plannerer hat das historische Gebäude nahe dem Marktbrunnen und dem Alten Schulhaus abgebrochen. Die Familie Zintl aus Waldeck hatte es im vergangenen Jahr erworben und will die Fläche anderweitig nutzen.

Der Zimmerer Georg Schlicht hatte das Haus Nummer 34 nach dem Brand von Alt-Waldeck auf dem Schlossberg 1794 gebaut. Nach den Forschungen des Waldecker Ehrenbürgers Dr. Anton Reger war 1856 ein ehemaliger Ökonom Xaver Fink als Eigentümer bekannt. In Dr. Regers Aufzeichnungen wird es 1893 als Armenhaus bezeichnet. Es ist zu vermuten, dass es zwischenzeitlich von der Marktgemeinde Waldeck gekauft worden ist.

Flüchtlinge und Gemeinde

Die Bezeichnung Armenhaus kennen die älteren Bewohner des Marktes sicherlich noch. Seit dieser Zeit wohnten darin ärmere Bewohner und nach dem Krieg auch Flüchtlinge. In dem Gebäude war auch eine Ausnüchterungszelle untergebracht, von der ein kleines Fenster zum Brunnen hin zeugte. In den 1960er Jahren wurden im Erdgeschoss zwei Räume als Kanzlei der Gemeinde umgebaut und genutzt. Diese blieben bis zur Eingemeindung nach Kemnath 1972 bestehen. Danach diente es vorübergehend dem Heimat- und Kulturverein als Unterstellmöglichkeit. Bis ins vergangene Jahr verstaute dort anschließend der Waldecker Carnevalsverein sein Inventar, Kostüme und Ausrüstungsgegenstände.

In den 1960er Jahren war die Kanzlei, wie sie zuletzt genannt wurde, schon einmal vom Einsturz bedroht, als bei einem Manöver im Winter ein Panzer von der Straße abkam und frontal ins Gebäude fuhr. Die Schäden stellten sich dann aber als doch nicht so schlimm heraus und konnten behoben werden. Die kleine Garage nutzte die Feuerwehr vor dem Bau des neuen Gerätehauses als Spritzenhaus. Der Anhänger samt Ausrüstungsgegenständen war dort untergebracht.
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