Ruine als Zweitwohnsitz

Als Mann vom Fach greift Franz Horn auch selbst zur Maurerkelle.
Lokales
Kemnath
02.10.2015
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Wer zur Waldecker Burgruine hinaufstiegt, trifft mit großer Wahrscheinlichkeit auch Franz Horn an. Er führt nicht nur Regie bei der Restaurierung der Anlage, sondern packt auch selbst mit an - seit rund 30 Jahren. Dabei sollte er damals nur mal kurz aushelfen.

Nicht selten ist Franz Horn der Erste auf der Baustelle und der Letzte, der sie verlässt. Selbst als er noch als Polier arbeitete, war er nach Feierabend und samstags auf dem Schlossberg zu finden. Auch jetzt als Rentner vergeht, kaum ein Tag, an dem der Bauleiter des Heimat- und Kulturvereins (HuK) nicht nach dem Rechten sieht und die ABM-Kräfte anweist.

Viele der Besucher, die mehrmals im Jahr die Ruine besichtigen, kennt der Waldecker inzwischen persönlich. Sie erkundigen sich gleich, wenn er einmal nicht da sei, nach ihm, erzählt der 68-Jährige. Im Gespräch ist sofort zu merken, dass er sehr mit dem ganzen Projekt verwachsen ist. Er war dabei, als in den 1980er Jahren die Ausgrabungen begannen. Damals war Horn noch als Polier bei einer großen Baufirma in der Region beschäftigt. Als solcher hatte er bereits beruflich Kontakt mit Günther Zwick. Dessen Ingenieurbüro hatte damals den Auftrag, den Grundriss der Burganlage zu vermessen. Eines Tages klingelte es an Horns Haustür in der Schlossbergsiedlung. "Zwick sagte: ,Komm nimm Pickel und Schaufel, hilf mir bei der Vermessung des Schlossberges'", erinnert sich der gebürtige Erbendorfer.

Zwei Vorbilder

Dieser Aufforderung sei er sofort nachgekommen, und seit dieser Zeit sei ihm die Restaurierung der Burgruine ans Herz gewachsen. Imponiert habe ihm damals das Engagement der damaligen HuK-Vorsitzenden Josef Bothner und Helmut Zillner. Ihnen möchte er es immer noch gleichtun, auch wenn in der Vergangenheit so mancher Stein im Weg lag. "Früher lief manches daneben und nicht so, wie es die zuständigen amtlichen Stellen gerne gesehen hätten." Inzwischen werde eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammengearbeitet. Mit Gebietsreferent Diplom-Ingenieur Raimund Karl werden vor Ort die weiteren Vorhaben besprochen. Auch Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl sei voller Stolz, wenn er das Geschaffene sehe. Er habe aber mit Augenzwinkern gesagt: "Franz, schau bei deinen Spaziergängen mit deinem Hund nicht so genau hin, denn sonst entdeckst du wieder etwas Neues, was anzupacken ist."

Auch wenn mit der Ägidius-Kapelle eine weitere Aufgabe auf dem Schlossberg vollendet ist, gibt es noch viel zu tun. Mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Tirschenreuth plant der HuK bereits, die Kellereingänge rund um den Schlossberg zu restaurieren. Und auch hier übernimmt Horn die Bauleitung.

Neben all seinen Aktivitäten auch außerhalb des HuK fand er immer Zeit für seine drei Kinder, und jetzt für seine vier Enkel. Der Fußball war gerade in jungen Jahren sein einziges Hobby, zuerst in der Bezirksligamannschaft des TSV Erbendorf, ab 1976 als Spieler beim SV Waldeck. Ab 1978 stand der B-Schein-Inhaber als Trainer an der Seitenlinie. Besonders verfolgt er die Karriere von Enkel Sven, der derzeit dem Profi-Kader des SSV Jahn Regensburg angehört. Gerade wenn es um Fußball geht, wird Horn oft von den Einheimischen als "immer noch Erbendorfer" bezeichnet. Das ärgert ihn schon etwas, denn zwischenzeitlich fühlt er sich als "echter Waldecker".

Als solcher gehört er zahlreichen örtlichen Vereinen an, so dem FC Bayern Waldeck. Dessen Hütte hat der 68-Jährige nicht nur mit entworfen, sondern auch mit errichtet. Ebenfalls in vorderster Front engagierte sich das CSU-Vorstandsmitglied bei der Sanierung des Alten Schulhauses.

Entspannung findet der passionierte Kaninchenzüchter mit seinem Hund in der freien Natur. Mit ihm ist er schon sehr früh sowie abends unterwegs. Bei den Spaziergängen achtet Horn darauf, was sich in seiner Umgebung verändert. Als sehr naturverbundener Mensch kümmert er sich um die seltenen Pflanzen und das Kleingetier, das rund um den Schlossberg seinen Lebensraum hat.
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