Solarium schaut in die Röhre

Viel Wasser und ein schattiges Plätzchen sind die besten Mittel gegen die Hitze, die sich auch die Oberpfalz nicht verschont. Archivbild: dpa
Lokales
Kemnath
24.07.2015
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Es geht heiß her in der Oberpfalz. Temperaturen über 35 Grad sind an der Tagesordnung. Die Menschen brutzeln vor sich hin - und zwar in ganz unterschiedlichen Bereichen.

Manche profitieren von der Hitze, manche haben mehr Arbeit. "Wir haben einen erheblich höheren Wasserverbrauch", erklärt Manfred Planner vom Wasserwerk Kemnath. Im Schnitt fördert das Werk rund 17 Liter Wasser pro Sekunde. "Seit eineinhalb Wochen sind es um die 28 Liter." Die Steigerung liegt zum einen am gestiegenen Wasserverbrauch der Bürger, zum anderen versorgt das Wasserwerk das Freibad in Immenreuth. "Da wird immer Wasser benötigt, das merken wir natürlich."

Die Stadt Kemnath und die Verbundgemeinschaft bezieht ihr Wasser aus Tiefbrunnen, das hat einen großen Vorteil: "Bei diesen Temperaturen sinkt der Wasserspiegel höchstens einen halben Meter." Somit gebe es keinen Grund zur Sorge. "Es steht immer genug Wasser zur Verfügung."

Die Stadtgärtnerei Kemnath ist einer der größten Wasserabnehmer. Auch dort belastet die Hitze. "Wir müssen nicht nur die Wechselbepflanzung gießen, sondern auch die Bäume an den Straßen", erklärt Stadtgärtner Florian Frank. Der Aufwand dafür ist groß, für einen Einzelnen nicht zu bewältigen. "Der Bauhof unterstützt uns. Zwischenzeitlich musste auch die Feuerwehr aushelfen. An einem Tag sind wir sogar mit einem 4000-Liter-Gülle-Tank gefahren und haben die Bäume gegossen."

Rund 7000 Liter braucht die Gärtnerei pro Tag. Wenn sie mit Gülle-Tanks arbeitet, steigt der Wert schnell. "Mittlerweile haben wir eine Erlenart gepflanzt, die ist trockenresistent. Ihr geht es bei Trockenheit gut, wo andere Baumarten schwächeln." Zukünftig wird die Gärtnerei vermehrt auf solche Arten setzen.

Bier geht immer

Ein Gewinner der Hitzewelle ist der Getränkemarkt Meixenberger in Erbendorf. "Seit Juni, vor allem aber jetzt im Juli, haben wir eine Umsatzsteigerung von bis zu 25 Prozent", freut sich Fritz Meixenberger. Vor allem Bier, egal ob in Flaschen oder im Fass, ist gefragt. "Jetzt kommen die großen Feste, es ist Grill- und Freibadzeit, da gehört das einfach dazu." Auch Wasser geht weg wie warme Semmeln, stilles mehr, spritziges weniger. "Wir sind zufrieden. Aber natürlich hätten wir nichts dagegen, wenn wir noch mehr verkaufen würden", sagt der Chef mit einem verschmitzten Lächeln.

Ein wenig anders ist die Lage bei einem Sonnenstudio in Grafenwöhr. "In den heißen Monaten läuft es immer schlecht bei uns. Wir haben rund 25 bis 30 Prozent weniger Kunden, es können aber auch noch weniger sein", erklärt die Betreiberin. Die Sonnenbank heizt sich zusätzlich auf, so dass es enorm heiß wird. Dennoch finden Kunden den Weg ins Studio. Und das bei einer Außentemperatur von über 35 Grad. Warum eigentlich für etwas zahlen, was man auch umsonst bekommen könnte?

"Das hat verschiedene Gründe", weiß die Betreiberin. "Die einen wollen schon nahtlos braun sein, bevor sie ins Bad gehen, andere haben einfach keine Zeit, sich stundenlang in die Sonne zu legen. Wiederum andere kommen aus medizinischen Gründen zu uns, beispielsweise, um Akne zu bekämpfen." Auf schlechtes Wetter hoffe sie dennoch nicht, "das will ich auch für mich nicht, ein bisschen Sonne können wir schon noch vertragen." Für viele Menschen ist die Hitze belastend. "Wir hatten im Juli erheblich mehr Einsätze als noch im Juni", erklärt Herbert Putzer, Leiter der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz. An normalen Tagen hat die Leitstelle rund 180 Einsätze.

Weniger Notrufe

"Wenn es so heiß ist, können es schon mal 230 Einsätze sein." Vor allem, wenn die hohen Temperaturen lange anhalten, kommt es bei älteren Menschen vermehrt zu Kreislauf- und Herzproblemen. "Auch bei sechs oder sieben Badeunfällen waren wir im Einsatz. Aber langsam wird es besser, kühle Tage zwischendurch helfen. Uns erreichen weniger Notrufe als noch vor einer Woche."
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