"Vom Menschen zur Nummer"

Vor der ehemaligen Kommandantur versammelten sich die Senioren zur Führung durch die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Ein schwerer Gang durch einen grausamen Teil der Geschichte. Bild: jzk
Lokales
Kemnath
26.10.2015
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Rund 100 000 Häftlinge waren zwischen 1938 und 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg interniert. Mindestens 30 000 von ihnen kamen ums Leben. Bei der Besichtigung bekamen die 55 Senioren aus Kastl, Kemnath und Erbendorf einen Eindruck von der unmenschlichen Behandlung der Zwangsarbeiter.

"Das Konzentrationslager Flossenbürg wurde zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern gebaut" erklärten die beiden Mitarbeiter, die die Senioren zwei Stunden lang durch das weitläufige Gelände der Gedenkstätte führten. "Arbeit macht frei" stand in großen Lettern auf dem linken Pfosten des Lagertors, "Vernichtung durch Arbeit" lautete die zynische Devise der nationalsozialistischen Machthaber.

"Gesellschaftliche Außenseiter wie Homosexuelle, Sinti, Roma, Juden und politische Gegner des Nationalsozialismus aus über 80 Ländern sollten durch brutale Zwangsarbeit entweder brauchbare Glieder der Volksgemeinschaft werden oder der Vernichtung durch Arbeit zum Opfer fallen" erfuhren die Senioren. Billigste rechtlose Arbeitskräfte mussten im Granitsteinbruch unter unmenschlichen Bedingungen rasch und billig Baumaterial für die geplanten Großbauten in den "Führerstädten" Berlin, München und Nürnberg liefern. Ab 1943 mussten die Häftlinge für die Firma Messerschmitt Flugzeugteile montieren.

"Vom Menschen zur Nummer" hieß es im Häftlingsbad, als jeder Gefangene bei der Einlieferung eine Nummer erhielt und damit seiner Persönlichkeit beraubt wurde. Beim Rundgang kamen die Senioren vom Appellplatz in die Wäscherei, auf den Ehrenfriedhof, zur jüdischen Gedenkstätte und konnten von der Kapelle "Jesus im Kerker" einen Blick in das Tal des Todes werfen.

Weitere Stationen waren der Platz der Nationen, der Aschehügel, das Krematorium, der Sterbeblock und der Arrestbau, in dem kurz vor Kriegende Pastor Dietrich Bonhoeffer ermordet wurde. Die beiden Dauerausstellungen vermittelten den Besuchern einen historischen Überblick und Eindruck von den Grausamkeiten der Wärter und Kapos in diesem Männerlager. Auf einer Landkarte waren die über 90 Außenlager in Bayern, Böhmen und Sachsen verzeichnet. "Bei der Befreiung am 23. April 1945 fanden die Soldaten nur noch 1 500 Todkranke vor", erzählten die Führer, "alle übrigen Häftlinge hatte die SS auf Todesmärsche Richtung Süden getrieben."

"Ich bin entsetzt, was im KZ Flossenbürg, unweit von unserer Heimat, passiert ist" meinten viele Senioren, die zum ersten Mal die Gedenkstätte besuchten. Nach der Führung startete der Bus zum "Rechersimer" nach Röthenbach am Steinwald. Dort hatte die Familie Käß ein dreiseitiges Bauerngehöft in eine Zoiglwirtschaft umgewandelt. Im ehemaligen Kuhstall genossen die Senioren das süffige Zoiglbier und die leckeren Brotzeiten. Das knusprige Brot stammte aus dem eigenen Backofen auf dem Hof. Josef Zaglmann sorgte mit seinem Akkordeon für Stimmung. Einige wagten sogar ein Tänzchen.

Am Ende dieser letzten Ausflugsfahrt in diesem Jahr bedankte sich der Seniorenbeauftragte Franz Schwemmer bei allen Beteiligten. Am 11. Oktober steht die vorletzte Sibyllenbadfahrt in diesem Jahr auf dem Programm.
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