Vortrag ohne gefärbte Brille

Lokales
Kemnath
23.05.2015
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Der Seniorennachmittag der Stadt bietet neben geselliger Unterhaltung ebenso immer Informationen. Auch diesmal waren die Besucher im voll besetzten Kormannsaal ganz Ohr - obwohl es ums Auge ging.

Augenarzt Dr. Bernd Kamppeter hatte sich angeboten, über Augenerkrankungen und deren Behandlung zu referieren. Nach der Begrüßung durch zweiten Bürgermeister Hermann Schraml ging der Referent, der in Kemnath im Ärztehaus praktiziert, zunächst auf den Aufbau des Sinnesorganes ein. Wie wichtig das Auge ist, zeige sich daran, dass rund 70 Prozent aller Informationen optisch aufgenommen werden.

Die 130 Millionen Sinneszellen mit einer Dichte von 147 000 pro Quadratmillimeter würden die Auflösung eines Computermonitors bei Weitem übertreffen. Die Augenmuskulatur leiste mit 100 000 Einstellbewegungen pro Tag und der dabei gesicherten parallelen Augenführung wahre Schwerstarbeit. Auch die Unterscheidung von Farben könne von keiner technischen Apparatur erreicht werden, erklärte der Redner. Dabei sei die Wahrnehmung verschiedener Farbtöne vom Mensch zu Mensch unterschiedlich. Männer neigten eher zu Farbfehlsichtigkeiten als Frauen.

Die mit zunehmendem Alter auftretende Altersweitsichtigkeit könne nicht beeinflusst oder trainiert werden. Sie erfolge als kontinuierlicher Prozess und bedürfe in der Regel immer der Korrektur mit einer Brille.

Schleichender Prozess

Häufigste Augenerkrankung sei der Graue Star. Dieser schleichende Prozess mache sich in einer Linsentrübung mit verschleiertem Sehen bemerkbar. Autofahrer schilderten verstärkte Blendungen im Gegenlicht als störende Behinderung. Moderne Operationsmethoden ermöglichen laut Dr. Kamppeter die Implantation einer Ersatzlinse entweder als Einstärkenlinse oder multifokale Intraokularlinse. Letztere würden allerdings einen längeren Lernprozess erfordern und machten häufig eine zusätzliche Brille nötig.

Meist ohne Vollnarkose

Der Graue Star (Katarakt) werde an speziellen Zentren in der Zwischenzeit auch durch Laseroperationen behandelt, die im Allgemeinen gute Erfolge aufwiesen. Allen Operationsmethoden sei gemeinsam, dass durch den weitgehenden Verzicht auf Vollnarkosen die Nebenwirkungen kaum mehr eine Rolle spielen.

Dr. Kamppeter lockerte seinen Vortrag durch Beispiele optischer Täuschungen auf. Diese zeigten eindrucksvoll, wie sich das Auge auch in die Irre führen lässt. Überhaupt werde die Wahrnehmung von Informationen von eigenen Einstellungen beeinflusst, so dass vom Gehirn das Gesehene durchaus unterschiedlich verarbeitet werde. Aufgrund der vielfachen Nachfragen erklärte sich der Arzt bereit, in einem weiteren Vortrag auf andere Krankheitsbilder und deren Therapie einzugehen.
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