"Wer rasen will, der rast"

Dieses Tempo-80-Schild könnte bald überflüssig werden, wenn der Gesetzgeber dem Deutschen Verkehrsgerichtstags folgt und Tempo 80 zur Höchstgeschwindigkeit auf allen Landstraßen macht. Bild: do
Lokales
Kemnath
03.02.2015
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Flotte Fahrt auf Landstraßen könnte bald der Vergangenheit angehören. Um die Unfallzahl zu reduzieren, soll auf Landstraßen unter sechs Metern Breite Tempo 80 gelten. Die Polizei findet's gut, die Verkehrswacht eher nicht.

Die Empfehlung zu Tempo 80 kommt vom Deutschen Verkehrsgerichtstag. Dessen Vorschläge haben Gewicht, gehören doch dem Verkehrsgerichtstag nicht nur Juristen, sondern auch Wissenschaftler und Verkehrsexperten an. Sie sind in der Vergangenheit oft in neue Gesetze und Verordnungen eingeflossen. Gibt es deshalb bald auf Bundes-, Land-, Kreis- und Gemeindestraßen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer? Zweifel an der Notwendigkeit äußert die Eschenbacher Gebietsverkehrswacht.

1900 Tote auf Landstraßen

Vom Tod auf der Landstraße liest man oft. Häufiger als vom Tod auf der Autobahn. Laut Statistischen Bundesamts kamen 2013 mehr als 1900 Menschen auf der Landstraße ums Leben, das sind 57 Prozent aller Verkehrstoten. Die Argumentation des Verkehrssicherheitsrates erscheint da schlüssig: "Die betroffenen Strecken sind kurvig, bieten schlechte Sicht zum Überholen und sind nicht für 100 km/h ausgelegt". Kurz: Diese Straßen sind gefährlich.

Hans Bscherer, Vorsitzender der Gebietsverkehrswacht gibt jedoch zu bedenken: "Jeder, der einen Führerschein hat, hat gelernt, dass 100 km/h die maximal erlaubte Geschwindigkeit ist und man sein Tempo der Situation anpassen muss." Dies bedeute, auf engen, unübersichtlichen Strecken vorsichtig zu fahren. Raser seien auch durch Tempo-80 nicht zu bremsen. "Wer rasen will, der rast", bedauerte Bscherer.

Viele Unfällen hätten andere Gründe, sagt auch TÜV-Sachverständiger Franz Pecher und verweist auf das Abstandsverhalten, die Missachtung von Vorfahrtsregeln oder Trunkenheit am Steuer. Tempo 80 wäre eine zu kurz gedachte, pauschale Lösung. Viel wichtiger wäre es, das Problem der Straße selbst anzugehen, urteilten die Vorstandsmitglieder übereinstimmend. Ein kleiner Fahrfehler reiche, um bei unbefestigten Seitenstreifen im Graben zu landen oder gar Schlimmeres zu erleiden. Die Gebietsverkehrswacht lenkt deshalb den Blick auf die Straßenverhältnisse. Unfallverhütung beginne bei der Qualität der Straßen. "Straßen müssen Fehler verzeihen", forderte Verkehrswacht-Geschäftsführer Horst Rozinski. Er verweist auf die Staatsstraße zwischen Kirchenthumbach und Engelmannsreuth. Auch bei vorsichtiger Fahrweise sei dort niemand sicher. Rozinski plädierte für eine Aufrüstung der Verkehrsinfrastruktur.

Nicht generell schlecht

Anstelle von mehr Beschränkungen forderte das Gremium mehr Geschwindigkeitskontrollen. Tempolimits an unübersichtlichen Stellen und auf gefährlichen Strecken seien ein probates Mittel, betonte Franz Pecher. Vorstellbar ist für den TÜV-Experten auch ein eng begrenztes Tempolimit auf schmalen Straßen ohne Mittel-Leitlinien. Auch zum Lärmschutz sei ein Tempolimit gerechtfertigt, betonte Vorsitzender Hans Bscherer. Als Beispiel verwies der Fahrschullehrer auf die Bundesstraße 470 in Höhe Eschenbach.

Ja zu Tempo 80 auf Landstraßen sagt die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die GdP fordert auch höhere Strafen. "Sanktionen müssten schmerzhaft sein." Eine differenziertere Meinung vertritt Reiner Striegl, Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach. Bei gut ausgebauten, breiten Straßen sei Tempo 80 überzogen. Dies sei auch nicht die Intention des Verkehrsgerichtstages. "Nur auf Landstraßen unter sechs Metern Breite soll Tempo 80 gelten", stellte Striegl klar. Dieser Empfehlung könne er sich anschließen. Der Polizeichef begrüßte auch die Forderung, die Höchstgeschwindigkeit von Lastwagen von 60 auf 80 km/h zu erhöhen. "Damit müssen Autofahrer nicht ständig Lkw überholen."
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