Zurück ins Mittelalter

"Der Geschichtspark Bärnau wurde nach wissenschaftlichen Erkenntnisse aufgebaut", beteuerte wissenschaftlicher Leiter Stefan Wolters (stehend). Bild: jzk
Lokales
Kemnath
08.04.2015
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Mit Nägeln aus Holz und 45 000 Stunden Arbeit entstand in Bärnau das größte mittelalterliche Freilandmuseum Süddeutschlands. Stefan Wolters berichtete bei der Versammlung des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis Kemnath, was es dort zu sehen gibt.

(jzk) "Das archäologische Freilandmuseum Bärnau-Tachov stellt den mittelalterlichen Alltag in der Region vom 8. bis zum 12. Jahrhundert in den Mittelpunkt", erklärte Stefan Wolters bei seinem Vortrag in der Jahreshauptversammlung des HAK (wir berichteten). "Die Region war schon im frühen Mittelalter Grenzgebiet zwischen Germanen und Slawen." Bärnau lag an der Goldenen Straße, die von Luxemburg über Mainz, Nürnberg und Prag bis nach Breslau führte - ein guter Platz für das Museum.

Der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks ging an dem Abend auf die Bauarbeiten ein: "Im Frühjahr 2010 begannen die Arbeiten am grenzüberschreitenden Geschichtspark, im August 2011 folgte die Eröffnung der ersten Ausbauphase." Seit Sommer 2013 bestehe der Park aus einem frühmittelalterlichen Dorf, einer Motte (Turmhügelburg) und einem Hochmittelalterdorf. Nach Abschluss der Bauarbeiten am Ende des EU-Förderprojekts 2013 standen 26 authentisch nachgebaute Gebäude auf dem Gelände. "Damit wurde unsere Anlage zum größten mittelalterlichen Freilandmuseum Süddeutschlands." Trotz authentischer Materialien und Techniken seien die Bauwerke stabil, witterungsbeständig und nutzbar.

"In den alten Bauten steckt kein einziger Nagel aus Metall, sondern extra geschnitzte Holznägel", beteuerte er. Über 45 000 Arbeitsstunden, die meisten davon ehrenamtlich, wurden in den vergangenen Jahren beim Aufbau des Geschichtsparks geleistet. Die Anlage wurde im Rahmen der experimentellen Archäologie in enger Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen Beirat und unter Betreuung eines Archäologen vor Ort errichtet. "In unserem Geschichtspark können die Besucher das mittelalterliche Alltagsleben mit Hilfe der Rekonstruktionen in Originalgröße sowie durch Darsteller in mittelalterlicher Kleidung lebensnah erleben", erklärte Wolters. Träger des Geschichtsparks ist der gemeinnützige Verein "Via Carolina". Anhand von Bildern erklärte er den Baubestand mit der frühmittelalterlichen Siedlung, der frühen hochmittelalterlichen Siedlung und der Hochmittelaltersiedlung.

"Wer den Geschichtspark Bärnau in der Oberpfalz besucht, kann sehen, wie sich vor 1200 Jahren der Alltag der slawischen Naab-Wenden anfühlte, die hier siedelten." Im vergangenen Jahr gab es über 390 Führungen für 78 000 Besucher.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.geschichtspark.de
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