Bürgermeister Werner Nickl wird morgen 60
Glücklich im Traumberuf

Bürgermeister Werner Nickl. Bild: Hartl
Politik
Kemnath
08.02.2016
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Bürgermeister Werner Nickl. Bild: Hartl

Für Narren ist Aschermittwoch der schlimmste Tag im Jahr. Für Werner Nickl dürfte es angenehmer werden. Der Bürgermeister feiert mit seinen Kemnathern 60. Geburtstag. Dafür lässt er sogar Ministerpräsident Horst Seehofer sausen.

Statt mit dem CSU-Ortsverband zum Politischen Aschermittag nach Passau zu fahren, bleibt Nickl lieber in der Heimat. Während Landesvater Seehofer vor dem größten Stammtisch der Welt spricht, ist der Rathauschef Gast bei den Kleinen in der Kindertagesstätte "Li-La-Löhle" und danach beim Waldkindergarten. Wie er den restlichen Tag verbringt, was er sich für die Zukunft erwartet und wie es seiner Honda Shadow geht, hat er Redakteur Hubert Lukas im Interview verraten.

Herr Nickl, heute ist der erste Tag der Fastenzeit. Haben Sie sich für die Geburtstagsfeier schon vorab die Absolution von Stadtpfarrer Konrad Amschl geben lassen?

Nickl : Ich werde dem Aschermittwoch entsprechend feiern. Das wird kein ausschweifendes Fest wie zum 50., als 400 Leute in der Mehrzweckhalle waren. Da wollte ich es wissen. Aber mit 60, da kommt mir der Aschermittwoch entgegen. Am Vormittag bin ich zuerst im Kindergarten und bei den Waldbären, die haben mich eingeladen. Aber was der Tag sonst noch bringt, ist schwer zu sagen. Ich schätze, dass ab 16 Uhr beim Empfang der Stadt ein paar Ansprachen geplant sind. Dazu gibt es gute Fisch- und Käsesachen sowie Getränke, aber keine Musik. Ist ja Aschermittwoch. Mit Familie und Freunden, das sind so 70 Leute, werde ich sonntags in Ruhe brunchen.

Rechnen Sie, dass ihr Freund Erzbischof Dr. Charles Palmer-Buckle aus Ghana dabei sein wird?

Nickl : "Bischof Charley" kommt nicht. Er war erst vor 14 Tagen in St. Augustin. Damals wollte er kommen, aber als Erzbischof und Afrika-Präsident der Caritas hatte er viel zu tun. Auch musste er gleich weiter nach Rom. Und jetzt ist er wieder in Accra (Hauptstadt von Ghana). Sollte er doch kommen, wäre das eine Riesenüberraschung. Er wird mich aber auf jeden Fall anrufen.

Eine Überraschung gab's vor zehn Jahren, als Sie ein Motorrad geschenkt bekamen.

Nickl : Eine Honda Shadow. Die steht zu Hause, ich hege und pflege sie. Zum Fahren komme ich nicht sehr oft, aber wenn mal ein schöner Tag ist, reite ich durch die Gegend. Zehn Jahre war die Maschine damals, als ich sie von meiner Familie und meinen Geschwistern geschenkt bekam. Jetzt sind es 20, trotzdem fahre ich nicht zu Oldtimertreffen.

Was wird es dieses Mal sein?

Nickl : Ich habe der Familie gesagt, dass sie mir nichts Großartiges schenken soll. Über etwas Kleines würde ich mich aber freuen. Die Vereine habe ich gebeten, für ein Projekt zu spenden, das ich im vergangenen Jahr kennengelernt habe und das unserer Familie sehr am Herzen liegt: das Orthopädische Therapiezentrum Ghana, eine Einrichtung für körperbehinderte Kinder und Erwachsene in Ghana.

Wenn Sie einen Geburtstagswunsch frei hätten, was wäre das?

Nickl : Mit dem Alter rückt der Wunsch nach dem Wohlbefinden und dem der Familie in den Vordergrund. Ich möchte keine materiellen Dinge. Beruflich hoffe ich, dass wir die Sachen, die wir angepackt haben, voranbringen. Träume hat man immer. Wenn man die nicht mehr hätte, braucht man nicht weiterzumachen.

A propos weitermachen. 2020 steht wieder die Kommunalwahl an.

Nickl : Jetzt wollen wir schauen, was die nächsten vier Jahre bringen. Aber es ist eine Tatsache, dass ich dann 64 Jahre alt bin. Nach der Bürgermeisterei sollte noch ein gutes Stück Leben übrig sein. Da möchte man Wünsche realisieren, für die vorher keine Zeit war.

Welche Vorhaben möchten Sie in dieser Amtszeit noch realisieren?

Nickl : Wichtig wäre mir ein Nahwärmenetz, um damit die Abwärme der hiesigen Unternehmen für ganz Kemnath zu nutzen. Das ist bisher nicht möglich. Die Studie von Professor Markus Brautsch von der OTH Amberg-Weiden liest sich toll, ist aber wirtschaftlich noch nicht umsetzbar. Aber vielleicht gelingt es bis 2020, hier die Energiewende einzuleiten. In diesem Bereich gibt es Sachen, die wir heute diskutieren, die morgen vergessen sind. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die Technik den Durchbruch schafft. Daher muss man am Ball bleiben.

Ein weiterer Punkt sind neue Betriebe für das Gewerbegebiet zu gewinnen. Auch soll die Innenstadt am Leben gehalten werden. Mit Hilfe des Stadtverbandes, des KEM-Verbandes sowie der Ehrenamtlichen und ihren Aktionen gelingt uns das ganz gut.

Wo sind ihre größten Baustellen?

Nickl : Immateriell ist die Stadt auf einem guten Weg. Bei den Bevölkerungszahlen haben wir die Wende geschafft, zumal sich der demografische Wandel auch im Landkreis nicht so gravierend bemerkbar macht wie befürchtet. Unsere Familienfreundlichkeit soll forciert werden. Die Neugestaltung des Brauhausareals soll heuer die planerische Reife erlangen, so dass es nächstes Jahr an die Umsetzung gehen kann. Dann ist 2016 und 2017 die Rathaussanierung mit Kosten von 3,5 Millionen Euro ein Riesenprojekt. Ebenso der Umbau der Kläranlage für eine ähnliche Summe. Im Stadtrat ist die Stimmung dafür gut.

Gibt es für Sie ein "Sorgenkind"?

Nickl : Keines, das mich nicht schlafen lässt. Die Kommune ist auch bezüglich der Flüchtlinge dank eines großen Helferkreises sehr gut aufgestellt. Selbst wenn zu den aktuell rund 60 Asylbewerbern mehr hinzukommen sollten, werden wir sie unterbringen können.

Ihre Bilanz der vergangenen zehn Jahre?

Nickl : Es ist viel passiert, vor allem baulich. Damals gab's kein Ärztehaus. Dort stand eine alte Fabrik mit Altlasten, der Stadtweiher war ungepflegt und die Mehrzweckhalle ist für vier Millionen Euro umgestaltet worden. Der Ausbau der Kindertagesstätte zur größten Einrichtung im Landkreis und die Altstadtsanierung waren wichtig. Stolz bin ich auf die Marktsanierung in Waldeck. Es hat drei Jahre gedauert, bis aus der asphaltierten Durchfahrt ein historischer Markplatz wurde. Die Burg auf dem Schlossberg ist aus Ruinen auferstanden. Dann wären die Partnerschaften mit Zagorje ob Savi, mit Nepomuk und dem 709. MP Batallion, das Familienzentrum "Mittendrin" oder das Baugebiet Brückengasse, das von 0 auf 100 herausgeschossen ist. Es sind viele junge Leute, vor allem wegen der Arbeitsplätze, gekommen. Die brauchen wir. Vor allem aber hat sich die Grundstimmung verändert, was sich unter anderem im bürgerlichen Engagement zeigt.

Das waren nun positive Aspekte. Es gab sicher auch Rückschläge?

Nickl : Es hat negative Dinge gegeben, Projekte, die nicht so zum Tragen kamen, wie man es sich vorgestellt hat. Eine große Enttäuschung war, dass wir jüngst den Radweg entlang der B 22 zu Grabe tragen mussten. So etwas drückt mich dann ein Stück nach unten. Viele Ideen scheitern am Geld. Dann ärgert man sich, wenn man sieht, wie sie in reicheren Städten umgesetzt werden. Ich kann jedoch nicht einfach Geld ausgeben, das mir nicht gehört. Schließlich bin ich den Bürgern Rechenschaft schuldig. Rückblickend kann ich sagen, dass das Positive überwiegt. Bürgermeister sein ist mein Traumberuf.
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