Ein schwules Paar heiratete offiziell in Kemnath
Kein Privileg für Heterosexuelle

Premiere am Kemnather Standesamt: Jörg Biegler (links) und Edmund Wachenbrunner-Biegler (rechts) schlossen eine Eingetragene Lebenspartnerschaft. Mit ihnen freute sich Standesbeamter Martin Graser (Mitte). Bild: stg
Politik
Kemnath
12.08.2015
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Es ist Normalität, die da in Kemnath eingekehrt ist: Jörg Biegler und Edmund Wachenbrunner-Biegler besiegelten als erstes schwules Paar eine Eingetragene Lebenspartnerschaft am Standesamt Kemnath.

Eingetragene Lebenspartnerschaft gibt es seit 14 Jahren, aber normal sind sie vor allem auf den Land bis heute nicht. "Es ist leider so, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht immer als normal angesehen werden", sagt Jörg Biegler. Daran kann sich auch nichts ändern, wenn sich nicht auch die Konservativen in Toleranz und Akzeptanz üben.

"Aber deswegen sich verstecken? Nein. Wer sich liebt, kann auch aufs Standesamt gehen - völlig egal, ob das Mann und Mann, Frau und Frau oder Mann und Frau sind", ergänzt Biegler. Das Paar wohnt seit Februar 2015 gemeinsam in Erbendorf. Jörg Biegler arbeitet als Fachpfleger, Edmund Wachenbrunner-Biegler ist selbstständiger Gastronom. Dass die Trauung in Kemnath vollzogen wurde, war der Wunsch von Wachenbrunner-Biegler: Er stammt aus Kemnath.

Die Liebe zueinander haben die beiden Männer nie verheimlicht. "Wenn jemand ein Problem damit hat, dass wir schwul sind, dann ist das sein Problem - und nicht unseres", sagt Edmund Wachenbrunner-Biegler. Manche Teile der Gesellschaft würden in der Ehe zwischen Mann und Frau das Alleingültige sehen und gleichzeitig das Offensichtliche in vielen dieser Konstellationen ignorieren: Die Partner gehen fremd, haben weitere Partner und bestehen doch nur auf dem Papier als Etikette. "Die Gesellschaft lügt sich zum Teil schon in die eigene Tasche", so Edmund Wachenbrunner-Biegler.

Die Realität zeige mittlerweile, dass Ehe kein Privileg für Heterosexuelle sei. Das Paar ist auch zuversichtlich, dass die absolute rechtliche Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht mehr lange auf sich warten lasse. Dass dies in den Kirchen auf absehbare Zeit auch der Fall sein könnte und es so etwas wie beispielsweise Segensfeiern gebe, halten sie für unwahrscheinlich: Ihren Segen haben die beiden Männer, im Beisein ihrer Familienangehörigen und Freunden, von einem ihnen nahestehenden Priester auf dem heimischen Anwesen bekommen.
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