Großteil im Stadtrat für Kompromiss beim barrierefreien Zugang zum Rathaus
Lösung für (fast) alle

Der Rathaus-Innenhof soll leicht "aufgeschüttet" werden, im Inneren des Rathauses (rechts) soll zusätzlich eine Rampe für einen barrierefreien Zugang von der Seite sorgen. Bild: stg
Politik
Kemnath
13.05.2016
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Eine große Mehrheit im Stadtrat Kemnath hat sich auf einen Kompromiss für einen barrierefreien Zugang als Teil der Rathaus-Sanierung geeinigt. Lediglich drei Gremiumsmitglieder konnten sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden - darunter Bürgermeister Werner Nickl (CSU) und sein Stellvertreter Hermann Schraml (FW).

Der barrierefreie Zugang ins Rathaus wird künftig über den Innenhof möglich sein: Dazu soll dieser in seiner ganzen Fläche leicht angehoben - also etwas "aufgeschüttet" - werden. Ebenso soll im Inneren des Gebäudes bei diesem Zugang eine schiefe Ebene gebaut werden, auf der der Höhenunterschied barrierefrei zurückgelegt werden kann. Eine Detailplanung für diese Variante gibt es allerdings noch nicht, da offensichtlich weder Bürgermeister noch das Planungsbüro RSP mit der klaren Stadtrats-Präferenz für diese Lösung gerechnet hatten.

Architekt Klaus Stiefler hatte zu Beginn der Sitzung an verschiedene diskutierte Varianten der Barrierefreiheit erinnert. Plan A sah vor, das vordere Drittel des Innenhofs filigran zu verglasen und in dieses Bauwerk einen Aufzug zu integrieren. Plan B war, direkt vom Stadtplatz ins Rathaus durch einen neuen Eingang an der Frontseite, wo sich aktuell die Kfz-Zulassungsstelle befindet, zu gelangen. Die dritte Variante beinhaltete einen Zugang vom Innenhof aus über einen Aufzug. In der vierten Version war eine an der Mauer verlaufende schiefe Ebene beziehungsweise eine Rampe angedacht, die einen erhöhten Zugang vom Innenhof aus zulässt.

Zusätzlich zu diesen öffentlich diskutierten Möglichkeiten waren in den vergangenen Wochen weitere Varianten nichtöffentlich überlegt worden: ein weiterer Zugang vom Stadtplatz aus in der Gebäudemitte, der mit der Verlegung des Sitzungssaals einher gegangen wäre, sowie ein "Anheben" des gesamten Hofbereichs, so dass ebenerdig von der Seite aus das Erdgeschoss betreten werden kann.

Für Letzteres war auch ein Modell im Innenhof entwickelt worden, das die Mitglieder des Stadtrats im internen Kreis inspizieren konnten. "Ich denke aber, wenn ich Sie richtig verstanden habe, dass diese Variante nicht mehr weiterverfolgt werden soll", stellte Stiefler fest. Er schloss seine Aussagen damit, dass folglich nur noch die Varianten C und D in Frage kommen.

Anheben wäre "zu brutal"


Bürgermeister Werner Nickl betonte, dass er die Variante mit einer vollständigen Barrierefreiheit und somit einer "schiefen Ebene" bevorzuge: "Das bringt das optimale Ergebnis" Den Innenhof gänzlich anzuheben, würde "zu brutal" werden. Christian Baumann (FW) plädierte für die Lösung mit einem Aufzug an der Seite. Bei der Rampe seien irgendwelche "Kunstgriffe" nötig, um beispielsweise zu verhindern, dass sich Feuchtigkeit in der Rathaus-Mauer festsetze. Michael Hautmann (CLU) machte klar, dass barrierefrei für ihn bedeute, dass es eben keiner weiteren Technik wie einen Aufzug bedürfe. "Eine Rampe entlang der Rathausmauer stört nicht. Ein eventuelles Feuchtigkeitsproblem wollte Hautmann nicht erkennen.

Heidrun Schelzke-Deubzer (Grüne) zeigte sich überrascht vom Diskussionsverlauf und auch von den Vorschlägen Stieflers. "Ich dachte, es hätte sich eine Kompromiss-Variante ergeben" mit "außen leichte Anhebung, innen Rampe". Ihr Fraktionskollege Stefan Zaus bedauerte, dass die Kompromiss-Lösung der vergangenen Sitzung nicht weiterentwickelt worden sei, nicht einmal vorgestellt wurde. "Ich hatte schon den Eindruck, dass viele Stadträte dem Vorschlag nicht abgeneigt sind."

Das sah auch Wolfgang Weber (SPD) so. SPD-Sprecherin Jutta Deiml führte aus, dass man an einer Rampen-Lösung nicht vorbeikomme, auch wenn man davon optisch nicht begeistert sei. Florian Frank (CSU) brach eine Lanze für die Rampen-Lösung, ebenso Stefan Prechtl (CSU). Er machte aber deutlich, dass sich die Fraktion auch mit der Kompromiss-Lösung anfreunden könnte.

Sitzung unterbrochen


Bevor Bürgermeister Nickl zur Abstimmung aufrief, beantragte Prechtl für die CSU/CLU-Fraktion eine kurze Sitzungsunterbrechung - die letzte Unterbrechung dieser Art datiert übrigens aus dem Jahr 2010. Prechtl schlug im Anschluss vor, grundsätzlich über die Themen "Rampe" und "Aufzug" abstimmen zu lassen. Mit 8:11 Stimmen sprach sich das Gremium gegen einen Lift aus. Komplizierter verhielt es sich bei der Abstimmung zur Rampe, die nach Protesten der Fraktionen der Grünen und SPD sowie einigen hitzigen Wortwechseln vom Bürgermeister in die Varianten "Rampe außen" und "Rampe innen mit Hofanhebung außen" aufgesplittet wurde. Mit dem Votum für die Kompromiss-Lösung ging der Auftrag an das Architekturbüro einher, in die Detailplanung hierzu einzusteigen.
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