Kein Terror in Kemnath
Ruhige Lage: Interview über Gewaltsbereitschaft bei Flüchtlingen

Niemand wurde gewaltbereit.
Politik
Kemnath
12.01.2016
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Terroristen und Frauenbelästiger: Spätestens seit Silvester haben Asylbewerber ein Imageproblem. Doch abseits der großen Katastrophenberichte: Wie funktioniert das Zusammenleben vor Ort in Kemnath? Christine Schubert hat tagtäglich mit Flüchtlingen Kontakt.

In der Kommune leben derzeit 60 Flüchtlinge. Christine Schubert ist seit mehr als einem Jahr aktiv im Helferkreis der Stadt. Sie betreut knapp 20 Asylbewerber und hat engen Kontakt zu den Menschen.

Frau Schubert, mal ganz provokativ gefragt: Wie viele gewaltbereite Islamisten haben Sie in Kemnath schon begrüßt?

Schubert: Keine.

Wie können Sie sich so sicher sein?

Schubert: Weil noch nie etwas passiert ist. Die meisten der Asylbewerber in Kemnath sind seit mehr als einem Jahr da. Ich bekomme schon mit, dass sie angespannt sind, da sie ihre Familien noch im Heimatland haben. Aber niemand wurde gewaltbereit. Im Gegenteil: Sie bemühen sich um guten Kontakt. Und ich denke, das Zusammenleben klappt gut.

Woher kommen die Leute?

Schubert: Ich betreue hier nur Syrer. Das sind Familien und drei Männer. Die meisten sind seit 15 Monaten da. Vor kurzem kam eine Großfamilie dazu, für die ich gerade Kindergartenplätze organisiere.

Haben Sie mitbekommen, dass die Asylbewerber mit Frauen anders umgehen?

Schubert : Ich weiß natürlich nicht, was sie über solche Dinge denken. Ich kann nur sagen: Zu mir sind die Asylbewerber höflich und zuvorkommend. Ich hab auch in Kemnath noch nicht mitbekommen, dass da mal was war. Ich lade die Leute auch zu mir nach Hause ein und das klappt problemlos.
Niemand wurde gewaltbereit.Christine Schubert


Friedliche LageIm westlichen Landkreis Tirschenreuth (Brand, Erbendorf, Immenreuth, Kemnath, Krummennaab, Neusorg, Pullenreuth und Reuth) sind bei schwankende Zahlen zur Zeit 204 Flüchtlinge untergebracht. Die Stadt Kemnath beherbergt nach Informationen des Landratsamtes 60 Flüchtlinge aus Syrien, Russland, Indien, Iran und Irak. Bei ihrer Ankunft in der Notfallunterkunft in Wiesau oder in einer Erstaufnahmeeinrichtung wurden sie erkennungsdienstlich erfasst.

Der Leiter der Polizeiinspektion Kemnath, Bernhard Gleißner, sieht keine Probleme. Es habe keine Vorfälle oder Anzeigen in Kemnath gegeben. Die ruhige Situation führt er vor allem auf die dezentrale Unterbringung zurück. "Wenn zu viele Menschen zusammen so gedrängt wohnen, häufen sich die Konflikte." (blu)
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