Kemnath hofft auf deutsche Botschaft
Kinderarzt sitzt in Libyen fest

Politik
Kemnath
19.12.2015
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Ende 2014 hat Ulrike Werner-Jung ihre Kinderarztpraxis in Kemnath aus Altersgründen geschlossen. Seitdem laufen Bemühungen, einen Nachfolger zu finden. Mehrere angedachte Lösungen haben sich zerschlagen, die Stadt hat aber noch einen Trumpf im Ärmel. Dazu müsste aber die "große Politik" mitspielen.

Ob es in der Stadt in absehbarer Zeit wieder einen Kinderarzt gibt, "hängt an einer Person", berichtet Bürgermeister Werner Nickl auf Nachfrage. Dabei handle es sich um einen Mediziner aus Libyen, der aber "noch keine Einreise nach Deutschland genehmigt bekommen hat". Problem ist, dass die Bundesrepublik in dem nordafrikanischen Land 2014 ihre Botschaft geschlossen hat.

Studium in Köln


Daher habe der in Deutschland approbierte Pädiater, der in Köln studiert hat und seit 2006 in der libyschen Hafenstadt Bengasi in der Kinderklinik tätig ist, versucht, über die Botschaft in benachbarten Tunesien ein Visum zu erhalten, erklärt der Rathauschef.

Doch seitdem herrscht Stillstand, nicht zuletzt aufgrund der wegen der Flüchtlingsströme unüberschaubaren Lage vor Ort. Dabei würde Nickl den Mediziner gerne möglichst bald in Kemnath willkommen heißen, denn von dessen "Papieren her schaut es sehr gut aus".

Zustande kam der Kontakt über den Radiosender Antenne Bayern. Ihn hatte Claudia Kallert aus Tremmersdorf, langjährige Arzthelferin bei Werner-Jung, Ende Juli um Unterstützung bei der Suche nach einen neuen Kinderarzt gebeten. Mehrmals ging damals ein Aufruf Nickls, Kallerts und einiger Mütter über den Äther. Den hörte auch eine Bekannte des Libyers aus dem Allgäu, die dann die Verbindung herstellte

Nach den Sendungen hatten sich zudem weitere Interessenten im Rathaus gemeldet. Laut dem Bürgermeister war darunter eine deutsche Ärztin, die im italienischen Bologna praktiziert. Diese Lösung sei aber an deren Ehemann gescheitert, der aus beruflichen Gründen seine Heimat nicht verlassen wollte. Ebenso seien mit Kinderärzten aus der Region "verschiedene Dinge konstruiert worden", etwa eine Filialpraxis oder die Möglichkeit, dass sich mehrere Pädiater eine Praxis teilen.

Mit einem Kinderarzt aus Bindlach habe er bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayern vorgesprochen. Doch wie bei weiteren Anfragen "ist es nicht weitergegangen". Ebenfalls erfolglos blieben entsprechende Aushänge in den Kinderkliniken in Weiden und Bayreuth.

Frist verlängert


Bereits im August wäre eigentlich die Zulassung für den kassenärztlichen Kinderarztsitz in Kemnath abgelaufen. Da aber die KV selbst daran interessiert ist, dass die Praxis wieder geöffnet wird, gewährte sie eine Verlängerung. Allerdings nicht bis zum Sanktnimmerleinstag, ist sich Nickl sicher. Wenn es zu lange dauere, werde der Zulassungsausschuss einmal entschieden, ob die Stelle besetzt wird. Sollte sich die Kammer dann für eine Schließung aussprechen, könnte der Sitz aber auch wiedergegründet werden. Der Bedarf dafür sei in Kemnath und der Umgebung jedenfalls vorhanden.
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