Leerstände in der Region
Lehren aus der Leere

Leerstand am Unteren Markt in Erbendorf ein Förderprogramm könnte hier sicher helfen, ein Allheilmittel wäre es aber wohl auch nicht. Bild: rw
Politik
Kemnath
18.10.2016
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Rose-Liesl-Haus in der Bräugasse
 
Seltmannhäuser in Krummennaab

Drei Landkreisen in Oberfranken möchte die Staatsregierung in Sachen Leerstände unter die Arme greifen. Auch Bürgermeister im westlichen Landkreis Tirschenreuth wären nicht abgeneigt. Eine Umfrage zeigt aber auch: Das Problem drängt nicht überall gleich.

Kemnath/Erbendorf/Neusorg. Im Kemnather Land geben sich die Bürgermeister entspannt, am Steinwald und entlang der Fichtelnaab belasten leerstehende Häuser die Kommunen. So lässt sich die Befragung der elf Gemeinden zusammenfassen. Und auch die Gemeinde Mehlmeisel in Oberfranken kennt das Problem gut.

"In Kemnath gibt es keine Leerstandsproblematik. Wohnungen im Stadtgebiet sind sehr gefragt", antwortet Josef Lingl stellvertretend für Bürgermeister Werner Nickl. Wenn gleich nicht so euphorisch wie in der Stadt, auch in Kastl, Immenreuth und Kulmain ist die Lage entspannt. "In unserer Gemeinde stehen schon einige Gebäude leer", erklärt etwa Kulmains Bürgermeister Günter Kopp das Problem halte sich aber in Grenzen. "Festzustellen ist in letzter Zeit, dass es Interessenten für ältere Häuser gibt, die dann auch zuschlagen, die Häuser kaufen und für Wohnzwecken herrichten", beschreibt Kopp einen positiven Trend.

In Kastl sind drei Häuser betroffen, Bürgermeister Josef Etterer und die Gemeinderäte gehen die Leerstände derzeit mit Mitteln aus der Städtebauförderung an. Dagegen sind seinem Immenreuther Kollegen Heinz Lorenz keine Fälle bekannt. Die Gemeinde habe zuletzt verzichtet, Baugebiete auszuweisen. Statt dessen setzte sich darauf, Leerstand aufzukaufen und zu sanieren, so die Begründung des Bürgermeisters.

Davon träumt man auch anderswo, allein es fehlt das Geld: In Krummennaab spricht Bürgermeister Uli Roth von 12 bis 15 leerstehenden Gebäuden. "Problematischer scheinen mir die sogenannten Kümmernutzungen - da ist aktuell noch jemand wohnhaft, oft ältere, alleinstehende Leute, die keine Nachfolger haben, deshalb keinerlei Investitionen in den Erhalt der Immobilie tätigen." Leerstand sei absehbar. Von sechs Leerständen berichtet Bürgermeister Werner Prucker für Reuth und die Ortsteile. Angesichts von 30 nicht bewohnten Häusern in Erbendorf beinahe ein guter Wert.

Ein ähnliches Bild auch aufwärts der Fichtelnaab. Alle vier Bürgermeister in der Verwaltungsgemeinschaft Neusorg berichten von Leerständen in ihren Gemeinden. In Brand sind es laut Ludwig König 15 bis 20 Gebäude, bei Manfred Kratzer und Peter König in Ebnath und Neusorg je 25 bis 30. Relativ gut steht Pullenreuth mit etwa 10 leeren Häusern da, ähnlich wie jenseits der Bezirksgrenze in Mehlmeisel, neun unbewohnte Häuser vermeldet die Gemeinde, vier seien unbewohnbar.

Dementsprechend positiv stehen die Bürgermeister einer Ausweitung des Leerstandprojekts der Staatsregierung gegenüber: "Das wäre für uns wunderbar", findet Pullenreuths Bürgermeister Hubert Kraus. Er und seine Kollegen stellen aber auch Bedingungen an die Ausgestaltung. "Hohe Fördersätze und wenig restriktive Verwendungsmöglichkeiten für ortstypische Belange könnten schnell und effektiv helfen", bringt es Uli Roth auf den Punkt, "geringer Gemeindeanteil, rasche Umsetzung", heißt es aus der VG Neusorg.

Gerade aus dem Fichtelnaabtal ist herauszuhören, dass eine andere Belastung ähnlich dringend ist: Der Straßenunterhalt. Auch hier gibt es viel zu tun, viel Geld auszugeben. "Die Straßen sind das Gesicht der Gemeinde", befindet Neusorgs Bürgermeister Peter König und sein Pullenreuther Kollege Hubert Kraus weist auf das 60 Kilometer Straße hin, die es zu unterhalten gilt. Dafür eingesetzte Mittel würden mindestens indirekt allen Bürgern zu gute kommen. Wäre der Unterhalt besser finanziert, ließe sich die Sanierung länger hinauszögern, so dass die Umlagen auf die Anwohner insgesamt niedriger ausfallen würden. Bei den Gemeindestraßen gibt es zudem einen weiteren Vorzug: die Eigentumsfrage ist klar. Nicht selten haben die Gemeinden bei den Leerständen ein spezielles Problem: "Fehlende Abgabebereitschaft der aktuellen Besitzer", wie Reuths Gemeindeoberhaupt Werner Prucker anmerkt.

Schmerzender LeerstandWelcher Leerstand drängt am meisten? Und was würden die Gemeinden tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Ein Überblick:

Brand: Der Gasthof "Goldener Hirsch" befindet sich in Privatbesitz und steht seit 10 bis 15 Jahren leer. Die Wunschlösung wäre eine Einrichtung für betreutes Wohnen oder/und eine Gasthof/Speiselokal.

Ebnath: Das Anwesen Marktplatz 13 und die alte Schule. Das Gebäude am Marktplatz könnte einem öffentlichen Platz weichen, aus der alten Schule eine Arztpraxis und Wohnungen bzw. ein Vereinsheim werden.

Neusorg: Die Media-Brache und das frühere Bahnhofsgebäude liegen Bürgermeister König besonders am Herzen.Dank Städtebaumitteln kann er für beides eine Lösung präsentieren: Im Bahnhof wird demnächst eine Zahnarztpraxis, ein kleines Gemeindemuseum und eine Außenstelle der Registratur des Rathauses untergebracht. Das Industriegebäude wird abgebrochen, der Boden saniert.

Pullenreuth: Eine frühere Schmiede steht seit Jahren leer, die Bausubstanz ist marode. Das Gebäude wird die Gemeinde demnächst abreißen, um mit der Dorferneuerung einen Platz und so einen Eingang zur Grünen Mitte schaffen. Wenn mehr Geld bereit stünde, würde Bürgermeister Hubert Kraus weitere Leerstände kaufen, sanieren und wieder verkaufen, weil es "um wunderschöne alte Gebäude geht".

Krummennaab: Die Gemeinde hat 2012 drei Mehrfamilienhäuser aus der Masse der Firma Seltmann gekauft. Die einstigen Sammelunterkünfte für Gastarbeiter waren später spärlich vermietet. Aktuell stehen die Gebäude leer, sind in einem sehr schlechten Zustand. Wäre mehr Geld da, würde die Gemeinde mindestens ein Haus sanieren und dort "bezahlbare Kleinwohnungen" schaffen. Wohnungen zwischen 50 und 65 Quadratmeter fehlen in der Region, so könnten neue Bürger gewonnen werden. Die beiden anderen Häuser müsste abgerissen würden.

Erbendorf : Vor allem vier leerstehende, denkmalgeschützte Altstadthäuser, zwei als Einzeldenkmale ausgewiesene Gebäude samt Umgriff beschäftigen Bürgermeister Hans Donko. Wäre genug Geld da, würde er die Einzeldenkmale sanieren. "Das ist sehr aufwendig", sagt Donko. Die anderen Gebäude müssten neuen Wohnungen weichen.

Kulmain: Der dringendste Leerstand ist teilweise behoben, Das "Daddy-Haus" ist gekauft und abgerissen. Nun soll sich die Brache in einen Platz der Begegnung verwandeln, verrät Bürgermeister Günter Kopp. Ein weiteres Gebäude steht am Ende der Hauptstraße Richtung Immenreuther Straße. Ein ehemaliger Friseurladen, der auch als Wohnhaus und Getränkemarkt genutzt wurde, nun aber seit Jahren leer steht, die Bausubstanz ist marode. Das 70 bis 80 Jahre alte Gebäude befindet sich in privater Hand, der Besitzer fordere einen überzogenen Preis fordert. Die Lage wäre bestens geeignet, die Ortsmitte aufwerten.
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