Menschen in Eschenbach in Kemnath entsetzt über Brandanschlag in Neustadt/WN
Ärger über "blöde Leute"

Politik
Kemnath
22.08.2015
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Entsetzen, Unverständnis: Der Brandanschlag in Neustadt/WN trifft auch die Menschen, die sich in Eschenbach und Kemnath für Asylbewerber einsetzen. Dass so etwas bei ihnen passieren kann, wollen sie nicht glauben.

(wüw) "Wie blöd sind diese Leute." Fritz Betzls ist richtig wütend, als er vom Anschlag in Neustadt/WN erfährt (Seite 1, 3 und 40). Der Stadt- und Kreisrat ist auch richtig überrascht. Trotz der Berichte über Pegida und rechtsradikale Straftaten: Wenn es vor der Haustür passiert, ist es nicht zu fassen.

Das gilt bei Betzl besonders, weil seine Erfahrungen anders sind. Er bringt sich beim Eschenbacher Kreis Asyl ein: "Hier ist die Unterstützung groß." Der Kreis organisiert Spielnachmittage und Deutschkurse, sammelt Kleidung für die Menschen. "Die Spendenbereitschaft ist groß und lässt nicht nach. Immer wieder melden sich neue Helfer, der Kreis wird immer größer." Ablehnung habe er in der Stadt bislang nie bemerkt.

Ähnliches berichtet Christine Schubert. Sie engagiert sich in Kemnath. "Ich habe das Gefühl, dass sich die Flüchtlinge integrieren und von den Kemnathern gut aufgenommen werden." Umso erschrockener ist sie von der Nachricht aus Neustadt. Bisher waren Angst und Gewalt kein Thema. "Keiner unserer Syrer hat je von Bedrohung oder Ablehnung berichtet." Die Kemnatherin macht sich nun Gedanken, ob sie mit den Flüchtlingen darüber spricht, wie sie sich im Falle des Falles verhalten, welche Nummer sie anrufen sollen.

Betzl und Schubert glauben, dass sich für ihre Schützlinge die dezentrale Unterbringung in mehreren kleinen Wohnungen bezahlt macht. "Wer sich nicht informiert, merkt gar nicht, dass hier Asylbewerber leben", sagt Betzl. Die Ausländer bemühen sich, seien sich für keine Arbeit zu schade. "Während der Hitzewelle haben sie Duschen und Toiletten im Rußweiherbad gereinigt. Trotz des Andrangs gab es nie Schwierigkeiten. Ohne sie hätte das Bad Probleme bekommen." Beschwert habe sich nur eine Nachbarin, weil die jungen Leute nachts zu lange im Garten saßen. "Es sind keine Engel, nur Menschen. Inzwischen sei das Problem geklärt."

Auch Schubert hat Kemnaths Syrer als bemüht kennengelernt. Sie sprechen Englisch und geben sich beim Deutschlernen Mühe, die Kontaktaufnahme laufe gut. Darauf setzt Schubert Hoffnung: Das Verständnis wächst, wenn aus den anonymen Asylanten Menschen mit Namen und Schicksalen werden.
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