Radweg an der B 22 kommt doch
Zwei Landwirte treten schließlich Flächen ab

Wer den Nervenkitzel sucht, radelt auf der B 22 von Oberndorf nach Wirbenz. Um dem Schwerlastverkehr zu meiden, wollen die Stadt Kemnath und das Staatliche Bauamt schon seit Jahren einen Radweg bauen. Zwei Landwirte waren aber nicht bereit, Grund abzugeben - bis jetzt. Bild: stg
Politik
Kemnath
23.02.2016
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Wer den Nervenkitzel sucht, radelt auf der B 22 von Oberndorf nach Wirbenz. Um dem Schwerlastverkehr zu meiden, wollen die Stadt Kemnath und das Staatliche Bauamt schon seit Jahren einen Radweg bauen. Zwei Landwirte waren aber nicht bereit, Grund abzugeben - bis jetzt. Bild: stg

Höchstens eine Kleinigkeit hatte sich Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl zu seinem 60. Geburtstag vor zwei Wochen gewünscht. Nachträglich bekam er jetzt aber ein ganz großes Geschenk - den Radweg entlang der B 22 von Oberndorf nach Wirbenz.

Eigentlich war das landkreisübergreifende Projekt der Stadt Kemnath und des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach schon so gut wie gestorben. Noch Ende Januar hatte ein enttäuschter Nickl die Planungen für beendet erklärt. Jahrelang war die Umsetzung an den Forderungen zweier Landwirte gescheitert (wir berichteten). Zuletzt hatte das Bauamt sogar noch die von ihnen monierte Wegeführung geändert. "Rein technisch war alles in Ordnung" - verhandlungstechnisch aber offenbar nicht alles ausgereizt. Allerdings war für die Stadt bei den Zugeständnissen das Ende der Fahnenstange erreicht.

Doch nun die unverhoffte Kehrtwende. Wie der Rathauschef am Montag auf Nachfrage mitteilte, haben beide mit ihm das Gespräch gesucht und inzwischen die Baufreigabe unterschrieben. Das sei ein schönes Geburtstagsgeschenk gewesen, denn den Radweg habe er eigentlich schon abgeschrieben gehabt. Offensichtlich habe die öffentliche Diskussion ein Umdenken bewirkt.

Start im Frühjahr 2017


Nickl ist bereits beim Staatlichen Bauamt vorstellig geworden, um mit Leiter Henner Wasmuth und dem zuständigen Ingenieur Gerhard Kederer das weitere Vorgehen zu besprechen. Demnach beginnen noch im Herbst die Abholzungsmaßnahmen in einem Waldstück an der Strecke. Der Startschuss für den etwa zwei Kilometer langen Radweg - rund 300 Meter liegen auf Bayreuther Gebiet - soll im Frühjahr 2017 erfolgen. Dass die Behörde nun umgehend in die konkrete Planung einsteigt, sieht der Bürgermeister als Zeichen, dass "ihr der Radweg am Herzen liegt".

Somit kommt Bewegung in ein Projekt, das Kederer seit zwölf Jahren beschäftigt. "Das war meine erste Maßnahme", erinnert sich der Ingenieur an seinen Start beim Bauamt in Weiden. Zwar bedauert er, warten zu müssen, bis im Herbst die Bäume gefällt werden dürfen, jedoch bleibe so Zeit, um den Radweg rechtlich abzusichern und das Einvernehmen mit allen Trägern öffentlicher Belange herzustellen.

Da es noch "zeitig im Jahr ist", könnte mittels eines "Anlaufbetrags" sogar noch 2016 die eine oder andere kleine Baumaßnahme erfolgen. Das Gros der für den drei Meter breiten Radweg veranschlagten 350 000 Euro soll dann 2017 zur Verfügung stehen. "Die Finanzierung wird funktionieren", ist sich Kederer sicher. Je nachdem, wann die Baumaschinen im Frühjahr loslegen, sollte das Gemeinschaftsprojekt bis zum Sommer 2017 abgeschlossen sein. Der Radweg werde als öffentlicher Feld- und Waldweg gewidmet. "Das nützt dann auch den Landwirten, die darauf fahren können."

Erleichterung herrscht auch in Speichersdorf, wo die Kritik an den beiden Landwirten nicht minder laut war. Gemeindeoberhaupt Manfred Porsch hatte jedoch "die Hoffnung nie aufgegeben". Schließlich sei die Notwendigkeit für den Radweg aufgrund der Verkehrssicherheit ganz oben angesiedelt. Er danke den Eigentümern, die sich nun bereiterklärt haben, Flächen abzugeben.

Von Kemnath nach Bayreuth


Für Porsch soll aber in Wirbenz nicht Schluss sein. Ihm schwebt vielmehr ein Radwegeverbund zwischen Kemnath und Bayreuth vor. "Die Fortsetzung nach Speichersdorf ist leichter machbar." Ähnliches gelte für die Strecke zwischen Bayreuth und Seybothenreuth. "Eine große bauliche Anforderung" sähe er aber für den weiteren Verlauf nach Speichersdorf auf die Planer zukommen. "Wir sehen da schon die Realität", aber mittelfristig wäre für ihn der Zusammenschluss durchaus denkbar.
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