Stadtrat diskutiert rege über barrierfreien Zugang zum Rathaus
Rampe scheidet die Geister

Aktuell ist der Zugang zum Kemnather Rathaus alles andere als barrierefrei. Wie sich dies künftig darstellen wird, ist nach der jüngsten Sitzung des Stadtrates noch unklar. Bild: stg
Politik
Kemnath
11.03.2016
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"Alternativlos" war einmal: Für das Rathaus Kemnath gibt es bei der geplanten Generalsanierung mehrere Varianten für die Umsetzung der Barrierefreiheit. Auf eine Lösung konnte sich der Stadtrat aber noch nicht einigen.

Städteplaner Klaus Stiefler schickte seinen Ausführungen voraus, mit welchen grundsätzlichen Anforderungen und Überlegungen man sich dem Thema Barrierefreiheit genähert habe. Er nannte die Einbindung ins städtebaulich und denkmalpflegerisch bedeutende Stadtplatz-Ensemble, eine möglichst gute Anbindung der Eingänge beziehungsweise des Eingangs an die zentrale Halle sowie möglichst eine Bündelung von bisherigem und barrierefreiem Eingang.

Vier Varianten präsentierte Stiefler schließlich in der Sitzung. Plan A sieht vor, das vordere Drittel des Rathausinnenhofs, das an den Stadtplatz angrenzt, filigran zu verglasen. In dieses neue Bauwerk könnte ein Aufzug integriert werden, der Besucher ins Erd- sowie ins Obergeschoss bringt. Plan B beinhaltet, dass künftig direkt vom Stadtplatz aus das Gebäude barrierefrei erreicht wird. Dazu müsste ein neuer Eingang an der Frontseite geschaffen werden, wo sich aktuell ein Teil der Kfz-Zulassungsstelle befindet.

Als dritte Variante brachte der Ingenieur einen barrierefreien Zugang vom Innenhof aus über einen Aufzug und zusätzlich über Stufen ins Spiel. In Plan D schließlich ist eine an der bestehenden Mauer verlaufende Rampe mit einer vierprozentigen Steigung angedacht, die erhöhten Zugang vom Innenhof aus zulässt. Neben dem eigentlichen Zugang zum Rathaus ging es auch um die Erreichbarkeit der verschiedenen Ebenen im Gebäude. "Die 100-prozentige Lösung wird es nicht geben", betonte Stiefler auch mit Blick auf den Denkmalschutz.

Lift bis zum Dachgeschoss


Einigkeit herrschte darüber, dass auf alle Fälle auch das Dachgeschoss über einen Lift erschlossen werden soll. Die Präferenzen für die vorgestellten Varianten verteilten sich im Gremium allerdings ziemlich. Bürgermeister Werner Nickl bevorzugte Variante D. Er sprach lieber von einer "schiefen Ebene" als von einer Rampe als "optimale Lösung" für Barrierefreiheit in Richtung Erdgeschoss. "70 Prozent des gesamten Parteiverkehrs wird sich künftig dort abspielen", meinte der Rathauschef.

Josef Krauß (CSU) plädierte ebenfalls für Variante D, Christian Baumann (FW) wollte sich mit einer Rampe nicht abfinden, er könnte sich vielmehr einen Seiteneingang nur mit Aufzug vorstellen, der Erd-, Ober- und Dachgeschoss erschließe. Von vorneherein bereits Lösungen auszuschließen, weil es vielleicht dem Denkmalschutz nicht gefalle, lehnte er ab: "Wir sollten den Denkmalmenschen erst einmal das anbieten, was uns am besten erscheint."

Jutta Deiml (SPD) erschien Variante B mit barrierefreien Zugang für alle direkt vom Stadtplatz aus als beste Lösung. Bei der benachbarten Polizeiinspektion sei es ja auch so. "Separate barrierefreie Zugänge sind nicht mehr zeitgemäß", meinte Deiml. Heidrun Schelzke-Deubzer (Grüne) war von der "Rampen"-Lösung nicht überzeugt. Diese könnte sich für Gehbehinderte ohne Rollstuhl als Hindernis erweisen.

In der Diskussion tauschten viele Redner ebenso viele Argumente aus, auch ganz neue Varianten kamen auf den Tisch. Josef Krauß ermunterte die Stadträte mehrmals, doch die Praxis im Blick zu haben und sich für Variante D zu entscheiden. Es bringe doch nichts und es komme auch nichts dabei raus, wenn die Entscheidung hinausgeschoben werde. Christian Baumann wies Krauß durchaus bestimmt darauf hin, dass dies doch Unsinn sei und sehr wohl auch etwas Gutes herauskomme, wenn man es erst einmal aufschiebe.

Nachdem einige weitere Argumente ausgetauscht waren, verständigte sich das Gremium darauf, von dem in der Tagesordnung vorgesehenen Beschluss noch Abstand zu nehmen. "Wir sind offensichtlich noch in der Findungsphase", fasste Stiefler die Diskussion zusammen.

Notfalls Sondersitzung


Der nächste Schritt wird nun sein, belastbare denkmalpflegerische Einschätzungen auch in Kombination mit Kostenschätzungen für die kommende Sitzung einzuholen. "Und wenn es nötig ist, dann machen wir eine Sondersitzung", erklärte Bürgermeister Nickl.
Wir sind offensichtlich noch in der Findungsphase.Städteplaner Klaus Stiefler
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