Stadtverband kurz vor der Auflösung?
Zwischen Rettungsversuch und "Sterbehilfe"

Bürgermeister Werner Nickl in der jüngsten Sitzung des Stadtrates: "Stand heute wird es den Stadtverband in der jetzigen Form nicht mehr geben." Bild: stg
Politik
Kemnath
13.06.2016
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Dreieinhalb Jahrzehnte lang stand Werner Klante an der Spitze des Stadtverbands. Sein angekündigter Rückzug hat den Verband in eine existenzielle Krise geführt - denn ein Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht.

Es geht nun deshalb um nicht weniger als die letzte Chance, den Kemnather Stadtverband doch noch zu retten: Bürgermeister Werner Nickl informierte in der jüngsten Sitzung des Stadtrates über eine geplante Informationsveranstaltung am Montag, 20. Juni, um 19.30 Uhr im Foyer der Mehrzweckhalle. Dazu sind alle Vereine eingeladen. "Stand heute wird es den Stadtverband in der jetzigen Form nicht mehr geben", erläuterte Nickl den Mitgliedern des Stadtrates. Dies sei ein sehr bedauerlicher Abgang für den Verband, vor allem wenn man bedenke, dass Geräte im Wert von über 100 000 Euro vorhanden seien.

Die Misere hat bereits vor über einem Jahr begonnen: Die Position des zweiten Vorsitzenden konnte nicht mehr besetzt werden, auch der Kassier kündigte seinen Rückzug an. Mittlerweile ist klar, dass auch Schriftführer und Terminkoordinator künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Viele Gespräche über eine tragfähige Nachfolgeregelung für den Vorstand haben keine Lösung gebracht. Auch im monatlichen Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Kemnath griff Bürgermeister Werner Nickl die Thematik auf - mit einem flammenden Appell an die Vereine, doch noch eine Lösung zu finden, sowie dem Aufzeigen der möglichen Konsequenzen bei einer Auflösung des Verbandes.

Mit der Auflösung würden alle Aufgaben wegfallen, die der Stadtverband derzeit für die Vereine wahrnimmt: Dieser bemühe sich um gemeinsame Veranstaltungen und darum, die allgemeinen Interessen seiner Mitglieder in der Öffentlichkeit zu vertreten. Weiter sollen Konzerte, Aktionen, Projektarbeiten und Öffentlichkeitsarbeit gefördert werden. Darüber hinaus steht nicht nur das Ende des viermal jährlich erscheinenden Veranstaltungskalenders im Raum, über dessen Einnahmen aus Werbeanzeigen viele Anschaffungen für die Vereine realisiert werden konnten. Auch die Koordination der Vereinsfeste hätte ein Ende, so dass Terminüberschneidungen nicht mehr verhindert werden können. "Diese Aufgabe könnte von einem Verein eigenständig übernommen werden, damit die Koordination der Vereinsfeste auch weiterhin vereinsintern abgewickelt werden kann", hoffte der Bürgermeister.

Der Verleih der Gerätschaften stellt aktuell einen großen Aufgabenbereich des Stadtverbandes dar. Neben Toilettenwagen, Verkaufsanhänger, Bühne und Zelte werden auch weitere Gegenstände wie eine Lautsprecheranlage, Pavillons, Stehtische und dergleichen an die Vereine ausgeliehen. "Da eine Auflösung des Stadtverbandes im Raum steht, sollte sich jeder Verein darüber im Klaren sein, dass auch das Ausleihen von Gerätschaften für Vereinsfeste in Frage gestellt ist", sagte der Bürgermeister. Eine Möglichkeit, den Verleih trotz Auflösung des Stadtverbandes weiterzuführen, könne sein, dass ein einziger Verein diesen Aufgabenbereich mit übernimmt. "Ich hoffe sehr, dass es doch noch eine Lösung für den Fortbestand des Stadtverbandes gibt", betonte Nickl.

Am 20. Juni wird deutlich werden, wie es mit dem Stadtverband weitergeht - ob die Rettungsversuche doch noch von Erfolg gekrönt werden oder ob stattdessen der Weg der "Sterbehilfe" für den Verband betreten werden muss.
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