90. Todestag von Hans von Koessler
Der unbekannte Verwandte

Hans von Koessler. Repro: hl
Vermischtes
Kemnath
21.05.2016
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Der Komponist Hans von Koessler, aus Waldeck ist nicht ganz so bekannt wie sein Cousin Max Reger. Doch wie der berühmte Vetter feiert auch er in diesem Jahr ein Jubiläum.

Waldeck . In Ungarn ist Hans von Koessler sehr gut bekannt. Koessler war dort Lehrer vieler berühmter Komponisten: Bela Bartok, Ernst von Dohnany, Emmerich Kalman, Zolda Kodaly, Erwin Lendvai und Fritz Reiner. Da er sich weigerte, in seiner Zeit als Lehrer an der Budapester Musikakademie selbst Werke zu veröffentlichen, sind seine Kompositionen nahezu unbekannt.

Zu Lebzeiten wurde unter anderem der damalige Dirigent Wilhelm Gericke auf Koessler als Komponisten aufmerksam. Koessler schreibt in seiner Autobiografie: "Nur der Indiskretion eines Freundes, der die Partitur eines 16-stimmigen Psalmes ,Gott ist meine Zuversicht' an den Wiener Tonkünstlerveren hinter meinem Rücken zur Preisbewertung einschickte, kann ich es verdanken, dass mein Name als Komponist genannt wurde." Der Psalm erregte Aufsehen und wurde vom Tonkünstlerverein mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Gericke führte das Stück im folgenden Jahr ebenfalls auf.

"In der Erkenntnis, dass man den Schülern nur dann ein nützlicher Beirat werden kann, wenn man sich selbst in allen Gattungen und Arten der Musik versucht hat, ließ ich kein Feld der Musik unbebaut. Aber alles blieb unter Schloss und Riegel, und niemals habe ich jemanden wegen der Aufführung meiner Werke belästigt", liefert er eine Erklärung für die geringe Bekanntheit seiner Werke.

Im Jahr 1908 ging Koessler nach 26-jährigem Wirken an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest in Pension. Als Anerkennung wurde ihm die Ritterorden mit Erhebung in den Adelsstand verliehen. Im Ruhestand verarmte er zunächst völlig. "In Ungarn gelangte an die Regierung die Commune und stellte die Auszahlung meiner gesetzlichen Pensionsbezüge ein und nötigte mich, der dringenden Aufforderung des derzeitigen Akademiedirektors Jenö Hubay, die Kompositionsklasse zu übernehmen, Folge zu leisten", erklärt er diesen Umstand. 1920 kehrte Koessler nach Ungarn zurück.1925 ging er das zweite Mal in Pension. Ein Wundbrand zwang ihn aufs Krankenbett. Er starb am 23. Mai 1926 in Ansbach.

Um das musikalische Erbe zu sichern und zu erhalten wurde in Waldeck ein Arbeitskreis "Koessler" im Heimat- und Kulturverein gegründet. Dessen Aufgabe ist es, die verstreut erfassten Werke des Komponisten zu sichten, zu archivieren, einer wissenschaftlichen Bearbeitung zuzuführen. Bisherige Recherchen ergaben, dass die Anzahl der hinterlassenen Werke größer ist, als bisher offiziell erfasst.
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