Amerikanische Faulbrut löscht Bienen aus
Todesurteil für Bienen

Mit Helmut Lochmüller (rechts) hat Gottfried Forster einen guten Freund und Helfer an seiner Seite. Bild: bkr
Vermischtes
Kemnath
29.08.2016
108
0

Fleißige Bienen bekommen für ihre Arbeit zu wenig Anerkennung. Im Gegenteil, sie sind vielseitig bedroht. Eine der größten Gefahren sind Insektizide.

Speichersdorf. Neben Spritzmitteln, monotoner Landwirtschaft, unachtsamer Mahd und Überzüchtung drohen den Bienen Gefahren durch die Varroamilbe oder Seuchen wie die Amerikanische Faulbrut. Dann helfen nur noch radikale Schritte, wie es in der Gemeinde Speichersdorf der Fall war und ist.

Nach Mitteilung des Landratsamts Bayreuth mussten in der Gemeinde 50 Bienenvölker getötet werden. Der Verlust dürfte allerdings wegen unter anderem nicht registrierter Völker bei 75 oder vielleicht noch mehr Völkern liegen. Betroffen von der Seuche ist auch das Ehepaar Stephanie Schimmel und Gottfried Forster in Zeulenreuth. "Wir standen da wie der Ochse vorm Berg", klagte Stephanie Schimmel, als das Veterinäramt vor der Tür stand und Proben von den neun Völkern entnahm. Acht Proben fielen positiv aus. Es war das Todesurteil für die Bienen. Wie die Seuche in den Bienenstand kam, ist nicht klar. An der Hygiene und Sauberkeit im eigenen Stand kann es nicht gelegen haben, das bestätigte auch das Veterinäramt. Vermutet wird, dass ein Imker in der Gemeinde die Sorgfalt außer Acht ließ und sich die Bienen dort bei der Futtersuche bedienten. Mit verheerenden Folgen: Ein Sperrbezirk von zwei Kilometern wurde eingerichtet. Bienenvölker dürfen nicht hinein- oder herausgebracht werden.

Bienenschwärme allerdings interessiert das wenig. So bekam das Ehepaar plötzlich einen Schwarm. "Alle untersuchten Schwärme in Speichersdorf waren befallen", so Schimmel. Was tun? Einfangen und testen lassen. "Die Kontrolluntersuchung verlief bei dem fremden Schwarm Gott sei Dank negativ", so Forster. Eine Maßnahme war auch, den Schwarm hungern zu lassen. Sie verdauen wie der Mensch Faulbrutsporen gänzlich. Damit reduziert sich die Gefahr, dass mitgebrachte Sporen der Seuche nicht wieder in den Kreislauf gelangen.

Ausgabekosten


Wochenlang hatte zuvor das Imkerpaar 500 selbstgemachte Rahmen, 14 Kästen, Zubehör und Ausrüstung verbrannt. Metallteile wurden desinfiziert. Auch einen neuen Blasebalg für die Imkerpfeife mussten sie kaufen. Der Preis von 25 Euro fällt bei einem Schaden von über 6000 Euro kaum ins Gewicht. Bescheiden fällt der geleistete Ersatz von 1002 Euro durch die Tierseuchenkasse aus.

Eine andere Möglichkeit wie Verbrennen sahen die leidenschaftlichen Züchter nicht. Die Sporen der Amerikanischen Faulbrut sind widerstands- und ansteckungsfähig. 120 Grad überstehen sie. "Ausflammen oder auskochen mit Natronlauge wären die Alternativen gewesen. Wir haben uns für die sauberste Lösung entschieden", erklärt Forster. Am meisten tat es weh, in die Bienenkästen brennende Schwefelstreifen zu werfen, um sie zu ersticken. "Solche Katastrophen überstehen Hobbyimker nicht oft", bemerkt Schimmel.

In Mengersreuth hat das Paar noch Bienenvölker sowie gute Bienenfreunde, vor allen Helmut Lochmüller, dem Gottfried für seine Bienen-Ranch eine Holztafel zimmerte. In den Reihen der Imker gibt es aber auch Schwachstellen. Die Speichersdorfer Imker gehören verschiedenen Vereinen an: Weidenberg - hier ist Stephanie Schimmel Vorsitzende - Creußen, Eschenbach und Kemnath. Die Vorsitzenden tauschen sich aus, erreichen aber nur organisierte Bienenzüchter. An Wander- oder Wildimker appellierte Schimmel, den Sperrbezirk zu beachten und ihre Kästen mit Anschriften zu kennzeichnen. Sie verweist auch an die Pflicht eines Bienenhalters, sich beim Landratsamt anzumelden.

Neuer Test


Viele Imker in der Gemeinde seien nicht gemeldet gewesen. Am 17. Februar stellte das Veterinäramt in Bayreuth erstmals die Amerikanische Faulbrut fest. Im September folgt nun eine erneute Probe. Stellt das Amt keine Symptome fest, ist alles in Ordnung. Dann kann nach Auskunft des Pressesprechers vom Landratsamt Bayreuth, Michael Benz, der Sperrbezirk wieder aufgehoben werden. "Aktuell ist kein Ausbruch bekannt", teilte auf Anfrage Amtstierärztin Kerstin Hook vom Landratsamt Tirschenreuth mit. Eine dauerhafte Beseitigung des Erregers sei nicht möglich, da die Anwendung von Arzneimitteln verboten sei.

Die SeucheDie Sporen der Amerikanischen Faulbrut sind weltweit verbreitet und übertragen sich vor allem über importierten Honig. Die Veterinärämter raten, diesen nicht zu verfüttern. Eine weitere Vermutung: Nicht gereinigte Honiggläser gelangten in Altglascontainer. Stephanie Schimmel bittet Imker, den Tiergesundheitsdienst in Anspruch zu nehmen, Proben einzusenden und kostenlos untersuchen zu lassen. (bkr)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.