Amoniak bei Ponnath
Schuldfrage bleibt ungeklärt

Rund um das Ponnath-Gelände überprüften die Feuerwehren Kemnath, Kötzersdorf und Speichersdorf vor fünf Wochen immer wieder die Ammoniakkonzentration in der Luft. Rund dreieinhalb Stunden nach dem Vorfall gaben sie Entwarnung. Bild: bkr
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Kemnath
18.05.2016
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Rund um das Ponnath-Gelände überprüften die Feuerwehren Kemnath, Kötzersdorf und Speichersdorf vor fünf Wochen immer wieder die Ammoniakkonzentration in der Luft. Rund dreieinhalb Stunden nach dem Vorfall gaben sie Entwarnung. Bild: bkr

Am 5. April geschah bei der Firma Ponnath - Die Meistermetzger, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Beim Anfahren eines neuen Blockheizkraftwerks trat Ammoniak aus. Für Leitenden Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer eine "Verkettung unglücklicher Umstände".

Die Polizei Kemnath und die Staatsanwaltschaft Weiden hatten nach dem Vorfall Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. "Bei Arbeitsunfällen wird automatisch die Polizei eingeschaltet, wenn es Verletzte gibt", erklärt Schäfer. Damals seien 21 Personen betroffen gewesen. Diese hatten unter anderem über Atemwegsbeschwerden geklagt, aber zum Glück über "nichts Bleibendes".

Verfahren eingestellt


Die Ermittlungen hatten laut Leitendem Oberstaatsanwalt ergeben, dass "keiner Person ein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden" könne. Schon alleine die Frage, in welchen Verantwortungsbereich der Vorfall fällt, sei kaum zu beantworten, da die Anlage nicht ganz fertig gewesen sei. "Es gibt eine Vielzahl von Gutachten mit Einzelergebnissen, die aber kein Gesamtbild liefern." Daher sei das Verfahren eingestellt. Warum die Sicherungsmaßnahmen nicht funktioniert haben, lasse sich nicht bis ins letzte Detail klären. Fest steht aber, dass das Gas nicht nur durch ein Überdruckventil am Technikgebäude im rückwärtigen Teil des Betriebgeländes entwichen, sondern auch ins Betriebsgebäude geströmt ist. An einer Stelle sei die Leitung abgerissen, berichtet Schäfer. Als Ursache für das Leck am Kühlsystem denkbar sei Materialermüdung, aber auch, dass bei der Montage "Schrauben zu fest angezogen wurden".

Dies bleibt letztlich ungeklärt. Ebenso, "ob es bei der Entlüftung möglicherweise eine Panne gegeben hat". Die vorhandenen Sicherungsmaßnahmen hätten das Gas abführen müssen, "so dass es für die Umgebung unkritisch ist". Bei einer späteren Überprüfung sei die Entlüftungsanlage jedenfalls in Ordnung gewesen.

Tür nicht geschlossen


Zur Ausbreitung des Gases hat wohl auch beigetragen, dass eine Tür die eigentlich hätte zu sein müssen, geöffnet war. Dies sei wohl geschehen, als nach dem Leck geschaut wurde, meint Schäfer. Doch wem wolle man da einen Vorwurf machen. Dass einige Minuten vergangen sind, bis das Ausströmen gestoppt werden konnte, lag seinen Informationen nach an der "ziemlich hohen Ammoniakkonzentration im Raum". Es dauere eben einige Minuten, um die Schutzausrüstung anzulegen.

Sicherungsmaßnahmen auf den Prüfstand stellenDamit ein Ammoniakaustritt künftig ausgeschlossen werden kann, hat das Landratsamt Tirschenreuth ein TÜV-Gutachten in Auftrag gegeben, das mittlerweile als Entwurf vorliegt. Dieses solle Maßnahmen aufzeigen, wie "man einen Austritt vermeiden und die Ausblaszeit verbessern kann", erklärt Manfred Spitzl, der an der Kreisbehörde unter anderem für den Immissionsschutz zuständig ist.

Ziel sei ein neues Sicherheitskonzept, das jährlich neu überprüft wird. Zu dieser "Gefahrenabwehrplanung" gehörten auch Übungen mit der Feuerwehr. "Das muss gemacht werden." Gleiches gilt für Betriebsanweisungen und eine Alarmierungskette. Ein weiterer Schritt wäre, die Mündungsöffnung des Ventils auf dem Dach zu erhöhen. Dadurch werde das "Gas in die Luftströmung aufgenommen", wodurch eine Verdünnung erfolge.

Allerdings dürfte es zum Ausblasen des Kühlmittels Ammoniak gar nicht kommen. Der Auslegungsdruck liege bei 16 bar. "Das ist fix vorgegeben, damit es nichts zerreißt." Daher müssten andere Steuerungstechniken greifen, die etwa bei einem Druckanstieg das Blockheizkraftwerk abschalten, damit keine zusätzliche Wärme in das System gelangt. Diese Rückkühlung mittels eines "Wärmetauschers hat nicht gescheit funktioniert", berichtet Spitzl. Deshalb "muss man sich alle vorgelagerten Maßnahmen nochmals anschauen". Bevor dies nicht geschehen ist, wird auch die neue Anlage nicht wieder hochgefahren.

Laut dem Gutachten sei es nicht nachvollziehbar, ob es bei der Ammoniakkonzentration zu Überschreitungen bei den zulässigen Höchstwerten gekommen ist. Da das Gas eine "sehr geringe Geruchsschwelle habe", also relativ rasch wahrnehmbar ist, sei es wohl zu Konzentrationsspitzen gekommen, gibt Spitzl die Einschätzung des TÜV-Fachmannes wider.

Das Gas sei zwar gleichmäßig ausgeströmt, auf dem Ausbreitungsweg hätten sich dann Stellen mit höheren und niedrigeren Konzentrationen gebildet. "Das kann man nicht berechnen", sagt Spitzl. Da Leute verletzt gewesen seien, sei damals eine "Worst-Case-Situation" angenommen worden, was den Großeinsatz der Rettungskräfte erkläre. (luk)
Es gibt eine Vielzahl von Gutachten mit Einzelergebnissen, die aber kein Gesamtbild liefern.Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer
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