Aus für Grundschulstandort Waldeck
Letzte Klassen gehen im Juli

Von ehemals vier Klassen sind in der Waldecker Schule nur noch zwei Jahrgangsstufen übrig geblieben. Aufgrund sinkender Schülerzahlen werden die nach Schuljahresende noch verbleibenden Kinder künftig in Kemnath unterrichtet. Bild: hl
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Kemnath
19.05.2017
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Die von Bürgermeister Werner Nickl erhoffte "bevölkerungstechnische Sensation" bleibt aus. So kommt, was sich schon seit zwei Jahren abgezeichnet hat: Am Waldecker Standort der Kemnather Grundschule wird ab kommendem Schuljahr nicht mehr unterrichtet.

Waldeck. Damals schon waren nicht genügend Abc-Schützen angemeldet worden, um neben Kemnath und Kastl auch im Ort eine erste Klasse bilden zu können. Mittlerweile besuchen nur noch Dritt- und Viertklässler die Schule. Laut Nickl sind bislang 52 Kinder für das neue Schuljahr eingeschrieben - fünf zu wenig für drei Klassen.

Somit würde das Waldecker Schulgebäude ab September nur noch die vierte Jahrgangsstufe beherbergen. "Im ganzen Haus eine Klasse geht nicht", meint auch der Rathauschef. Deshalb werde diese nach Kemnath kommen, wo es freie Räume gebe und somit alles "problemlos aufgefangen werden kann". Der Schritt sei zwar schade, aber die "Schülerzahlen geben den Ausschlag".

Zwölf "reine Waldecker"


Ausschließlich an diesen möchte Rudolf Kunz, stellvertretender Schulamtsleiter in Tirschenreuth, das Aus nicht festmachen. Neben Vorgaben der Regierung, an die sich das Schulamt halten müsse, sind für ihn vor allem organisatorische und pädagogische Gründe, aber auch wirtschaftliche Aspekte ausschlaggebend. So mussten bislang Kinder nach Waldeck gebracht werden, "um die Klassen vollzubekommen". Zum Schuljahr 2017/18 seien in den vier Jahrgangsstufen nur zwölf Mädchen und Buben "reine Waldecker". Der Rest müsse gefahren werden, erläutert der Schulamtsdirektor.

Zudem verfüge das Gebäude, in den seit der Eingemeindung 1978 eben auch Kemnather Kinder unterrichtet werden, weder über eine Turnhalle noch über Fachräume. Kunz spricht hier von "Bustourismus", denn "alle Kinder in Waldeck müssen mehrmals nach Kemnath fahren, um dort turnen zu können".

Diesem Argument mit erhöhten Fahrtkosten und Organisationsaufwand schließt sich Nickl an, auch wenn die Folge für "die Waldecker alles andere als berauschend" sei. Er hatte "bis dato gehofft, dass sich das Blatt noch wendet" und mit Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß versucht, noch Lösungen zu finden, zum Beispiel mit einer Kombiklasse. Doch dafür gebe es keine Notwendigkeit, zumal diese einen Anstieg der Lehrerstunden zur Folge gehabt hätte.

Die Lehrerstunden führt auch Kunz als weiteren Grund gegen Waldeck an. So mussten hier bisher zwei Pädagogen abgestellt werden, um die "Miniklassen mit Kernunterricht zu versorgen". Dieses Mehr an Klassen binde Lehrerstunden, die sonst unter anderem für Arbeitsgemeinschaften im naturwissenschaftlichen, sportlichen und musischen Bereich verwendet werden könnten. "Das alle bleibt sonst auf der Strecke", erklärt Kunz. In Kemnath könnten dagegen Klassen mit 22 oder 23 Kindern gebildet werden, denen "alle Möglichkeiten der pädagogischen Förderung" offenstehen.

Nicht mehr zeitgemäß


Zudem seien die Unterrichtsräume in Waldeck nicht mehr zeitgemäß, womit Kunz nicht nur die fehlenden Werkräume meint. Es fehle dort unter anderem an technischer Ausstattung wie Beamer und Dokumentenkamera. Dies alles für eine weitere Schule zu unterhalten, verursache Zusatzkosten. Kemnath biete dagegen alle Voraussetzungen "für eine Förderung auf neuzeitlichem Niveau". All diese Punkte habe die Schulleitung bei der Klassenbildung einfließen lassen und mit dem Schulamt abgestimmt. Auch wenn das bei Waldecker Eltern auf Unverständnis stoßen mag, so müsse man sich doch die Frage stellen: "Wo kriegt mein Kind die beste Schule?"

Wie das dann leerstehende Gebäude genutzt wird, ist unklar. Ganz möchte es Nickl als Schulstandort noch nicht aufgeben. Rein aufgrund der Geburtzahlen könnten in drei Jahren locker wieder drei Klassen gebildet werden. Angesichts von "350 Zu- und Wegzügen im Jahr" oder durch Rückstellungen vom Schulbesuch könnte sich aber 2020 die Lage ganz anders darstellen.
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