Christian Kreipe spricht beim Obst- und Gartenbauverein
Unordnung ist Liebe zur Natur

Wer einen pflegeleichten Garten möchte, der muss sich laut Christian Kreipe nur an eines halten: an die Natur. Bild: rpp
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Kemnath
27.10.2016
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Alle muss sauber sein, auch der Garten. Penibel achten viele Gartenfreunde darauf, dass ihr Reich frei von Unkraut ist. Das ist schön fürs Auge, aber schlecht für die Pflanzen, wie die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins erfuhren.

Christian Kreipe, Kreisfachberater des Landkreises Wunsiedel im Ruhestand, erklärte in dem Vortrag "Gesunder Boden, gesunde Pflanzen", dass viele heutzutage falsch gärtnern. Schön sei offenbar, was ordentlich ist. Dabei entferne man sich aber von natürlichen Kreisläufen. So sollte man Gartenabfälle nicht auf die Deponien fahren, sondern kompostieren und wieder ausbringen. Der Garten blutet sonst aus. Nährstoffe und Mineralien werden entsorgt und dann mit teuren Düngemitteln wieder zugeführt. Kreipe überraschte damit, wie wenig Kompost eigentlich benötigt wird. Nur etwa ein Zentimeter Auflage reiche für einen Gemüsegarten.

Herkunft beachten


Wichtig sei eine gute Humusversorgung, betonte er, dann entwickle sich ein Gleichgewicht mit den Bodenlebewesen, die bei der Verrottung helfen. "Kompost macht müden Boden munter", betonte Kreipe. Weil Humus Luft zum Zersetzen braucht, darf er beim Umgraben nicht tiefer als 40 Zentimeter gelangen.

Früher war es üblich, den Gemüsegarten im Herbst umzugraben, heute ist das nicht mehr ratsam. Der Grund: Beim Umgraben werden wertvolle Belüftungskanäle zerstört. Bei leichteren Böden genügt es, im Frühjahr die oberste Schicht zu lockern. Nur bei schweren Böden kann Umgraben sinnvoll sein, da Frost den Boden krümeliger machen kann. Im Blick sollten Gartler immer haben, wo die Pflanze herkommt und welchen Boden sie benötigt. Alpine Pflanzen brauchen einen durchlässigen Boden, Kalkschotter sei da hilfreich.

Schwere Böden können mit Sand aufgebessert werden. Torf sei für den Hausgarten wenig geeignet. Stattdessen könnten bei Rhododendren Sägespäne und Hackschnitzel eingesetzt werden. "Man muss immer den Kreislauf der Natur belassen", warnte Kreipe. Grüngut in die Landschaft zu fahren, überdünge diese Bereiche und der natürliche Bewuchs könne dort nicht mehr überleben. Auch auf die Schadbilder an Pflanzen ging der Referent ein, die nicht nur bei Schädlingsbefall, sondern auch durch Kälteschäden, Sonnenbrand und Nährstoffmangel entstehen können. Er betonte, dass in den Hausgärten meistens zu wenig gekalkt wird.

Der Kalk sollte jetzt ausgebracht und flächig liegengelassen werden. Einstechen setzt Nährstoffe frei, die jetzt von den Pflanzen nicht benötigt werden. Auf jede Frage hatte Kreipe einen Tipp parat: Kalken hilft gegen den Drahtwurm. Zu viel Phosphat führt dazu, dass Salat nicht kopft. Klee gedeiht bei viel Phosphat mit Stickstoffmangel. Kompost aufbringen wirkt diesem entgegen. Ein Baum braucht nicht nur Erde, sondern untergemischten Bauschutt und Lehm, damit er Luft hat im Wurzelraum und ein verzweigtes Wurzelnetz bilden kann.

Krokusse ziehen erst im Juni vollständig ein, erst dann sollte man mähen. Meistens treiben sie im nächsten Jahr aber nicht mehr aus, weil sie von den Wühlmäusen gefressen werden. Blausternchen eignen sich darum zum Beispiel besser zum Verwildern. Narzissen dagegen lieben nasse Wiesen.

Verletzte Bäume schotten sich gegen Bakterien und Pilze ab. Pilze auszusägen und die Baumwunde zu bestreichen, schadet mehr als es Nutzen bringt, weil es die natürliche Immunisierung des Baumes aus dem Gleichgewicht bringt. Es schließt Pilzsporen unter dem Baumwachs ein, die dann weiterwachsen. Einzige Ausnahme bildet das Bestreichen mit Baumwachs beim Veredeln.

Liegenlassen erlaubt


Gründüngung sollte man abfrieren und zusammenfallen lassen, die wenigen Reste erst im Frühjahr entfernen. Laub sollte zwischen Büschen und Stauden bleiben, weil es schützt und mulcht. Sogar auf dem Rasen darf es bis zum Frühjahr liegen bleiben, denn dadurch hat das Moos Lichtmangel und kann nicht gut wachsen. "Orientieren Sie sich wieder an den natürlichen Abläufen, dann haben sie bald einen pflegeleichten Garten", schloss der Referent seinen Vortrag.

Chili kommt gut anVorsitzender Josef Häckl setzte beim Rückblick die Schwerpunkte auf Jugendarbeit, Pflanzentausch, Gartenstammtisch, Lehrfahrten und Vorträge. Ein Dank galt dem Seeleitenteam und den Arbeitern bei den Aktionen im Vereinsgarten. Höhepunkt war die Mitarbeit bei der Landesgartenschau in Bayreuth, an der sich der Ortsverein mit dem vielbeachteten Thema "Manche mögen's heiß - Alles rund um die Chili" beteiligt hatte. (rpp)
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