Dr. Charlotte Pfitzner referiert über Leben und Wirken von Pfarrer Sebastian Kneipp
Richter Kur verordnet

Rita Ponnath stellte Dr. Charlotte Pfitzner (von links) vor, die ihren Zuhörern das Leben und die therapeutischen Grundsätze von Pfarrer Sebastian Kneipp vorstellte. Bild: bur
Vermischtes
Kemnath
28.06.2016
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Mit dem Namen Sebastian Kneipp verbinden viele die nach ihm benannte Kneipp-Medizin und Wasserkuren. Weniger bekannt ist der Lebenslauf des Pfarrers, der sich wegen seines therapeutischen Wirkens immer wieder Anfeindungen ausgesetzt sah.

(bur) Diese Wissenslücken schloss Dr. Charlotte Pfitzner bei ihrem Vortrag beim Katholischen Frauenbund. Nach der Begrüßung durch Rita Ponnath begann die Medizinerin aus Bad Alexandersbad im Pfarrheim mit ihrem durch Bilder ergänzten Vortrag über den berühmten Wasserdoktor. Als vierter Sohn des armen Webers Xaver Kneipp und dessen Frau Rosina war er am 17. Mai 1821 in Stephansried nahe Ottobeuren zur Welt gekommen. Bereits als Elfjähriger musste er dem Vater am Webstuhl helfen oder als Viehhirte Geld verdienen.

Nachdem sein Elternhaus bei einen Brand völlig zerstört wurde und er seine Ersparnisse in Höhe von 70 Gulden verloren hatte, ging Kneipp als Knecht nach Grönenbach. Ein entfernter Verwandter, Kaplan Matthias Merkle, unterrichtete ihn in Latein und bereitete ihn so auf das Gymnasium vor. Gleichzeitig führte ihn der evangelische Ortspfarrer und Botaniker Christoph Ludwig Köberlin in die Pflanzenheilkunde ein. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Dillingen begann Kneipp dort 1848 mit dem Studium der Theologie. Die Priesterweihe war 1852 im Augsburger Dom.

Im Jahr 1849 an Tuberkulose erkrankt, wandte er erfolgreich die im Buch "Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers" empfohlenen Bäder an und gesundete. Fortan wurden diese Wasseranwendungen fester Bestandteil seines Lebens. Heimlich behandelte er auch seine Mitstudenten. Da diese Behandlungsmethoden ortsansässigen Ärzten und Apothekern ein Dorn im Auge waren, wurde Kneipp angeklagt. Ironischerweise verordnete er dem Richter Kuranwendungen gegen Rheumatismus.

1855 wurde der Geistliche in das Dominikanerinnen-Kloster nach Wörishofen versetzt. Immer mehr auch wohlhabende Menschen, Adelige und hohe Geistliche bis hin zu Prinz Rupprecht von Bayern kamen dorthin auf der Suche nach Hilfe. Im 1886 erschien Kneipps erstes Buch "Meine Wasserkur", drei Jahre später "So sollt ihr leben". Mit der Zeit entwickelte sich Wörishofen zum Kurort, den jährlich viele Tausend Menschen besuchten. Am 17. Juni 1897 verstarb Pfarrer Sebastian Kneipp im Alter von 76 Jahren an einem Unterleibstumor.

Wie Pfitzner ausführte, gehören laut Kneipp zur Gesunderhaltung von Körper und Geist die fünf Säulen Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und die Balance. Als die bekanntesten Wasseranwendungen stellte die Referentin das kalte Armbad oder den Armguss, das ansteigende Fußbad, den eher für Männer geeigneten Blitzguss, das Wassertreten aber auch das Tautreten vor. Auch hob sie den Unterschied beim Laufen auf tau- beziehungsweise regennasser Wiese hervor. Am Ende des Vortrags bedankte sich Ponnath mit einem Präsent bei Pfitzner.
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