Dr. Gunter Hage hat frühzeitig Weichen für Fortbestand seiner Prixis gestellt
Einzelpraxis ist Auslaufmodell

Die medizinische Versorgung auf dem flachen Land sorgt meist für negative Schlagzeilen. Nicht so in Kemnath: Dr. Gunter Hage hat sich rechtzeitig um den Fortbestand seiner Hausarztpraxis gekümmert und sozusagen in zweifacher Hinsicht - neben Dr. Ralf Cronenberg - mit Sohn Florian und Tochter Stephanie selbst für Nachfolger gesorgt. Bild: stg
Vermischtes
Kemnath
27.02.2016
71
0

Viele Hausarztpraxen stehen aus Altersgründen vor der Schließung, Nachfolger auf dem flachen Land zu finden, gestaltet sich schwer. Anders in Kemnath: Frühzeitig hat Dr. Gunter Hage die Weichen für die Zukunft seiner Praxis gestellt.

1976 hat Gunter Hage die bereits mehrere Jahrzehnte bestehende Allgemeinarztpraxis in Kemnath vom Vater übernommen. Und nicht nur das: Im Krankenhaus der Stadt war er knapp 20 Jahre Belegarzt, unter anderem war er zehn Jahre im Bereich Geburtshilfe tätig. Darüber hinaus arbeitete Hage 15 Jahre als Notarzt.

"Ab dem Jahr 2000 habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es mit der eigenen Praxis weitergeht", blickt der heute 72-Jährige zurück. Bereits wenig später stieß Dr. Ralf Cronenberg dazu, einige Jahre später entstand die Gemeinschaftspraxis Hage-Cronenberg. "Meiner Ansicht nach ist die Einzelpraxis ein Auslaufmodell, der Trend geht zur Gemeinschaftspraxis", erklärt Hage. Eine Entwicklung, der sich der Mediziner frühzeitig gestellt hat. Und die natürlich dadurch eine Familienangelegenheit wurde, da sich Tochter Stephanie und Sohn Florian für den Arztberuf entschieden hatten. Auf diese Weise hat sich der frühere Ein-Arzt-Betrieb zu einer der größten hausärztlichen Gemeinschaftspraxen in der Oberpfalz entwickelt.

Als zukunftsweisend hat sich die Entscheidung herausgestellt, neue Räume im Ärztehaus zu beziehen und das doch arg beengte Platzangebot am Kemnather "Schützengraben" hinter sich zu lassen. "Das war natürlich schon eine nicht unerhebliche wirtschaftliche Investition, aber die Praxis steht heute gut da." Die eigene Zulassung hat Hage im vergangenen Jahr zurückgegeben. Aus dem "Geschäft" ist er allerdings noch lange nicht: Sein Rat und auch seine Tat sind nach wie vor gefragt. "Eine bessere Aushilfe für uns gibt es nicht", scherzt Dr. Florian Hage.

Gunter Hage hat viele Entwicklungen im medizinischen Bereich in den vergangenen Jahrzehnten miterlebt. "Ich habe mindestens fünf Gesundheitsreformen mitgemacht, aber wirklich etwas sinnvoller gemacht hat keine davon", stellt er fest. Der Alltag des Hausarztes habe sich verändert, manches sei viel spezialisierter geworden. "Auch das Leistungsspektrum ist gewachsen."

Einen unschätzbaren Vorteil bringe das Dasein als Landarzt nach wie vor mit: "Patient und Hausarzt kennen sich wirklich, da kann auch das Vertrauensverhältnis wachsen." Was oftmals in der Stadt oder in den ganz großen Zentren verlorengehe, habe auf dem Land noch Wirkung - nämlich die "sprechende Medizin", die der Arzt an die Patienten weitergebe.

Woran liegt es, dass sich junge Leute kaum noch niederlassen wollen? "Ein Teil des Problems ist, dass viele Mediziner in der Ausbildung darauf nicht vorbereitet werden", ist sich Hage sicher. Entsprechend scheue man das Risiko, sich mit Themen wie dem Budget herumzuschlagen, und gehe lieber den Weg, sich als Arzt in einer Praxis anstellen zu lassen.
Patient und Hausarzt kennen sich wirklich, da kann auch das Vertrauensverhältnis wachsen.Dr. Gunter Hage zu den Vorzügen eines Landarztes
Weitere Beiträge zu den Themen: Krankenhaus (102)Ärztehaus (10)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.