Echte Bären frieren nicht
Alltag bei -17 Grad: Der Waldkindergarten "Waldbären"

Für Hannah kann es nicht genug Schnee geben. Sie buddelt sich in der weißen Pracht ein. (Foto: hfz)
Vermischtes
Kemnath
20.01.2016
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In der Natur zu Hause ist die Waldbärengruppe aus Kemnath mit Erzieherin Sabine Reindl (hinten links) und Barbara Rauch. (Foto: hfz)

Es ist kalt! Da haben viele am liebsten ein Dach über dem Kopf und Wärme. Nicht so die Waldbären. Von früh bis mittags tollt die Kemnather Waldkindergartengruppe in Schnee und Eis. Und die Kleinen finden das richtig cool.

Bei -10 Grad sitzen 24 Waldbären ums Feuer und machen Brotzeit. Sie essen heiße Wiener und Semmel, natürlich mit Handschuhen. "Ohne die geht es dieser Tage nicht", erzählt Erzieherin Sabine Reindl. Die richtige Ausstattung sei das Geheimnis für das Waldabenteuer: wasserfeste Stiefel, warme Kleidung im Zwiebellook und ein kleiner Abenteuerrucksack. "Dann geht's ab", berichtet Reindl gut gelaunt. Bewegung steht im Mittelpunkt, jetzt natürlich das Schlittenfahren. Frieren tun die Kinder zwischen zweieinhalb und sechs Jahren nicht. "Vom Schnee kann man nie genug haben", findet Hannah und buddelt sich ein. Julia hält stolz ihren größten Schatz für heute hoch: eine Eisplatte, in der sie Blätter entdeckt. Sogar eine Geburtstagsfeier steht heute noch an. Das Geburtstagskind bekommt eine Ehrenrunde auf dem Schlitten. "Und im Wald haben wir dann noch einen Platz, wo wir feiern und Süßes essen", berichtet die Erzieherin.

Schöner kalter Alltag


Auch die -17 Grad in den letzten Tagen hat die Gruppe nicht von ihrem Tagesablauf im Kindergarten ohne Dach und Wände abgehalten. "Wir sind immer draußen. Das ist heute schöner klirrend kalter Alltag." Zwar haben sie eine Schutzhütte im Wald, doch die wird nur bei extremen Wetterlagen beheizt. Sommers wie winters sind sie von 8 bis 13 Uhr gemeinsam draußen.

Gerade bauen sie Iglus, malen Bilder in den Schnee, untersuchen die Form von Schneeflocken unter der Lupe und bauen Mandalas mit bunten Schneestückchen. "Erst gestern haben wir bei unserem Spaziergang die Eiskristalle an den Grashalmen entdeckt, die im Sonnenlicht wie Edelsteine funkeln", erzählt Reindl.

Der Wald dient auch als Toilette. Ein Gebiet ist ausgewiesen, das nur zu diesem Zweck benutzt wird. Klingt gewöhnungsbedürftig, die Kinder kommen aber anscheinend gut zurecht damit. "Verbuddeln kann man das zwar gerade nicht, weil der Boden gefroren ist. Aber mit den Eltern zusammen haben wir jetzt einen Donnerbalken gebaut."

Nicht nur um Bäume hüpfen


Sie freue sich sehr, dass über den Waldkindergarten berichtet wird. Er ist der einzige weit und breit. Der nächste ist erst in Vohenstrauß. Das Projekt, das an die Kindertagesstätte Li-La-Löhle angegliedert ist, existiert seit 2012. Doch allzu oft müsse Reindl diese Erziehungsform rechtfertigen. "Viele denken, plump gesagt, wir hüpfen nur um Bäume rum." Doch bei der Einschulung zeigen die Kinder die gleiche Kompetenz wie ihre Altersgenossen aus dem konventionellen Kindergarten. Mindestens. Als Medien benutzen die Kinder nur Bücher, Laptops kommen nicht zum Einsatz. "Wir machen sehr viele Bewegungsspiele. Und die Bäume sind Zahlen, so lernen wir mathematisches Verständnis. Wir sprechen sehr viel und die Sozialkompetenz ist durch das Miteinander eh Eins A."

Die Umgang mit der Natur steht im Zentrum. "Wir basteln eben nicht mit Schere und Papier, sondern mit Naturmaterialien, Hammer, Nagel und Säge." Auch wenn die Eltern bei manchem Wetter nicht mit ihren Sprösslingen tauschen wollten, die Kleinen seien immer mit Feuereifer dabei. "Die Kinder sind unser größtes Vorbild."
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