Familie Beck aus Kemnath macht Plastikfasten
Kommt gar nicht erst in die Tüte

Der "Gelbe Sack" für den Plastikmüll blieb leer: Familie Beck aus Kemnath hat eine Woche "Plastikfasten" hinter sich und dabei viele neue Erkenntnisse gewonnen. Bild: stg
Vermischtes
Kemnath
22.02.2016
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"Ganz ohne Plastik ist es wirklich extrem schwierig, aber es geht viel." Anna-Maria und Christian Beck wissen, wovon sie sprechen. Eine nahezu plastikfreie Woche liegt hinter ihnen. Im Haus der vierköpfigen Familie war "Plastikfasten" angesagt. Auch der Radiosender "Bayern 3" hat Anteil daran genommen.

"Ziel ist es, jeden Neuzukauf von Plastik zu vermeiden", erklärt Anna-Maria Beck das "Plastikfasten". Das typische und offensichtlichste Produkt, das es hier gibt, ist die Einkaufstüte aus Plastik - ein Verzicht darauf fällt relativ leicht: eigene Taschen mitbringen, für den Metzger die wiederverwertbare Plastikdose einstecken.

"Plastikfrei einzukaufen schränkt einen aber auch ein", sagt Christian Beck. Gerade der Discounter-Bereich falle fast völlig flach - Bio-Gurken, die mit einer Plastikfolie überzogen sind, gehen genauso wenig wie das Frühstücks-Müsli, das in Plastik eingepackt ist. "Auch Kaffee ist fast unmöglich", merkt Anna-Maria Beck an, die ganz froh darüber ist, dass die Woche über noch "Restkaffee" da war und kein Nachschub gekauft werden musste.

Bewusster einkaufen


Insgesamt sei das Einkaufen in der plastikfreien Woche zwar schon aufwendiger, aber eben auch bewusster gewesen. "Oftmals steht man vor dem Regal und überlegt: Ist die Verpackung wirklich nur aus Papier oder kommt dann doch noch Plastik zum Vorschein", berichtet Christian Beck. Viele Produkte, die man aus der Werbung kenne, könne unter diesen Gesichtspunkten komplett vergessen werden.

Ein absolut positiver Begleiteffekt der Aktion, für die die beiden Lehrer auch einen großen Teil ihrer Schüler an der Kemnather Realschule und der Mittelschule begeistern konnten, war: Sie sind ins Gespräch gekommen mit Bekannten und Freunden darüber, wie man Plastikmüll vermeiden kann - und es ist auch gelungen, andere "anzustecken".

Insgesamt dreimal telefonierte die Familie zudem mit Bayern 3-Moderatorin Brigitte Theile und berichtete im Radio über die Erfahrungen und die Hintergründe des "Plastikfastens". Ein Reporter sammelte zudem O-Töne von Kindern und Jugendlichen in den beiden Schulen.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee zum "Plastikfasten"? "Unser Sohn Justus hat im vergangenen Jahr von der Aktion im Radio gehört, uns angemeldet und wir waren dann dabei", erinnert sich Christian Beck. So sei dann auch in diesem Jahr der erneute Kontakt zu "Bayern 3" zustande gekommen. "Wir waren letztes Jahr begeistert, warum also nicht?", fügt Anna-Maria Beck hinzu.

Einiges aus der letztjährigen Aktion hatte die Familie bereits in den Alltag übernommen - beispielsweise Mineralwasser und Milch nur noch in Glasflaschen zu kaufen. Und auch in diesem Jahr soll manches Bewährte in den Alltag "gerettet" werden: wie die wiederverwertbare Plastik-Box für den Einkauf beim Metzger oder der Verzicht auf zusätzliche Müllbeutel für den Restmüll.

Bei Hygiene schwierig


"Aber sicherlich wird man in manchen Bereichen auch wieder nachlässiger und ein Stück bequemer werden", bekennt Christian Beck. Freimütig räumt er ein, dass es im Hygiene-Bereich in dieser Woche nicht plastikfrei gegangen sei und auch künftig nicht gehen werde: Die Zahnpasta sei nun einmal in der Plastiktube. Ähnlich verhalte es sich mit dem Duschgel oder dem Shampoo.

Mit ihre Bilanz ist die Kemnather Familie dennoch sehr zufrieden: Sie hat deutlich weniger Müll produziert, viele Produkte neu kennengelernt und auch das eigene Bewusstsein für die Vermeidung von Plastikmüll geschärft. Eines haben die beiden Erwachsenen sowie der neunjährige Justus und seine sechsjährige Schwester Josefine in den vergangenen Tagen auch feststellen müssen - und das ist mit am schwersten gefallen: "Süßigkeiten in einer plastikfreien Woche, das geht gar nicht."
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